Der Streit um eine Erbschaft in Ludwigsburg lässt die AfD einfach nicht los. Nachdem das Thema bereits 2024 zu parteiinternem Wirbel geführt hatte, kocht es kurz vor dem Landesparteitag an diesem Wochenende in Heidenheim wieder hoch. In einem Antrag, der von 27 Mitgliedern unterzeichnet ist und der unserer Redaktion vorliegen, fordern die Antragsteller die „Aufklärung fragwürdiger und ungeklärter Vorgänge im Rahmen der Erbschaft Ludwigsburg“.
Die Zwistigkeiten drehen sich vor allem um eine Dachgeschosswohnung in Asperg, die der AfD-Kreisverband Ludwigsburg geerbt hatte. Der Kreisverband wollte dies an den Sohn eines Vorstandsmitglieds mit 125.000 Euro verkaufen, offenbar viel zu billig. Und es kam zu Vorwürfen der Vetternwirtschaft. Hinzu kam: Der Kreisverband hätte die Wohnung gar nicht erben dürfen, da laut Parteigesetz Kreisverbände gar nicht grundbuchfähig sind. Der Landesvorstand schaltete sich ein, am Ende erbte rechtmäßig der Landesverband, dieser ermittelte einen deutlich höheren Wert – und wurde daraufhin von dem damaligen Kaufinteressenten verklagt, der bereits damit begonnen hatte, die Wohnung zu renovieren. Die Wohnung ist inzwischen an jemand anderes verkauft.
Mails mit anonymen Absendern
Für die Kritiker ist das Thema damit längst nicht vom Tisch, sie fragen nach Aufwand und Kosten. Sie setzen die Frage nach den Verantwortlichkeiten für das Schlamassel mit ihrem Antrag in Heidenheim erneut auf die Agenda. Das löst in anderen Teilen der AfD Unmut offenbar Unmut aus. In Mails mit anonymen Absendern, die unserer Redaktion vorliegen und in AfD-Kreisen kursieren, steht: „Wir sollten uns mit diesem Antrag nicht befassen. (…) Der Antrag scheint auch unzulässig zu sein, schon deshalb müssen wir ihn gleich zu Beginn von der Tagesordnung nehmen.“
Beim Landesverband selbst will man von anonymen Schreiben in Parteikreisen nichts wissen. „Dem Landesverband sind keinerlei anonyme Mails bekannt, die zu parteiinternen Interventionen aufrufen sollen“, sagte Emil Sänze, der Vorsitzende des AfD-Landesverbands. Der Landesverband kommentiere außerdem grundsätzlich keine „unbelegten Behauptungen aus anonymen Quellen.“
Sänze: keine Einflussnahme
Allerdings stellt Sänze auch klar, dass „alle fristgerecht eingereichten Anträge, die die formalen Kriterien erfüllen“ zugelassen sein würden. Eine inhaltliche Vorprüfung oder politische Bewertung finde nicht statt. So seien auch hinter vorgehaltener Hand vorgebrachte Vermutungen aus AfD-Kreisen, Teile des Landesvorstands könnten hinter dem Gegenwind für den Antrag stecken, ins Reich der Fabeln zu verweisen: „Der Landesverband betreibt keinerlei Einflussnahme auf zulässige Anträge.“
Laut Sänze ist davon auszugehen, „dass die Mitglieder auf dem Parteitag frei, offen und transparent über alle ordnungsgemäß eingereichten Anträge beraten.“
Dass der Streit um die Ludwigsburger Erbschaft inhaltlich beim Landesvorstand keine hohe Priorität mehr genießt, macht Sänze allerdings auch klar: „Die Vorgänge im Kreisverband Ludwigsburg wurden durch die zuständigen Gremien vollständig geprüft.“ Die innerparteiliche Aufarbeitung sei aus Sicht des Landesverbands somit abgeschlossen.

