Politik

Amthor rudert zurück

Die CDU holt in Mecklenburg-Vorpommern 4,9 Prozent – und Küstenpolitiker Philipp Amthor posiert im Strandkorb. Das kam beim Wähler nicht gut an.

  • Philipp Amthor hatte auf dem Balkon des Kanzleramts einen hochwertigen Strandkorb platzieren lassen – jetzt ist er wieder weg.IMAGO/Berlinfoto

    Philipp Amthor hatte auf dem Balkon des Kanzleramts einen hochwertigen Strandkorb platzieren lassen – jetzt ist er wieder weg.IMAGO/Berlinfoto

Was als norddeutsches Heimatgefühl im Herzen des Regierungsviertels gedacht war, wurde innerhalb weniger Tage zum Symbol für politischen Realitätsverlust: CDU-Staatsminister Philipp Amthor lässt seinen Strandkorb aus dem Bundeskanzleramt wieder abtransportieren – zurück nach Mecklenburg-Vorpommern, wo er herkam. Der Auslöser für die Aufregung war die ZDF-Dokumentation „Inside CDU", die Ende September ausgestrahlt wurde und einen ungewöhnlich intimen Blick hinter die Kulissen einer Regierungspartei im Niedergang gewährte. Zu sehen war unter anderem, wie ein Strandkorb auf die Terrasse neben Amthors Büro im Kanzleramt geliefert und aufgebaut wurde. Maßanzüge, großspurige Posen und luxuriöse Räumlichkeiten – die Bilder sorgten in den sozialen Netzwerken prompt für Spott und heftige Kritik.

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Amthor, der erst im Sommer 2026 zum Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz ernannt worden war, sah sich innerhalb kürzester Zeit mit einem handfesten PR-Desaster konfrontiert.

Amthors Strandkorb „privat bezahlt“

Noch am Montag schickte das Kanzleramt Regierungssprecher Steffen Meyer vor die Presse, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Meyer betonte, dass für den Strandkorb keinerlei öffentliche Mittel aufgewendet worden seien: Amthor habe den Korb privat gekauft und auch Anlieferung sowie Aufbau aus eigener Tasche bezahlt. Gleichzeitig verteidigte der Sprecher den ursprünglichen Gedanken dahinter: Der Strandkorb stamme aus Amthors Wahlkreis auf der Insel Usedom und habe als „sichtbares Symbol seiner Heimat“ in den Berliner Regierungsalltag integriert werden sollen.

Noch am selben Montag wurde die Kehrtwende verkündet. Der Strandkorb werde wieder abgebaut und zurück nach Mecklenburg-Vorpommern gebracht, sagte Sprecher Meyer. „Staatsminister Amthor nimmt die an ihn gerichtete Kritik sehr ernst“, hieß es dazu aus dem Kanzleramt – eine Formulierung, die in Berlin als das gilt, was sie ist: ein geordneter Rückzug.

Abgehobener Philipp Amthor

Man könnte die ganze Geschichte als amüsante Sommerpossen-Nachzüglerin abtun, die auf dem falschen Parkett landete. Doch die Reaktionen in den sozialen Medien zeigen, wie sensibel die Öffentlichkeit momentan auf Signale von Selbstinszenierung und Abgehobenheit in der Politik reagiert. In Zeiten, in denen über Sparmaßnahmen und soziale Gerechtigkeit debattiert wird, wirkt ein Strandkorb im Kanzleramt – privat bezahlt oder nicht – wie ein Bild aus einer anderen Welt.

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