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Acht Linksfüße – eine Idee

Viele Profis im Kader des VfB Stuttgart verfügen über einen starken linken Fuß oder sind beidfüßig – vor allem auf einer bestimmten Position.

Stuttgart - Rein statistisch bilden sie eine klare Minderheit. Nur gut zehn Prozent der Menschen weltweit sind Schätzungen zufolge Linkshänder oder -füßer, wobei beides in den meisten Fällen korreliert. Im Profisport ist der Anteil aber oft größer, da die seltene Fähigkeit gerade im Mannschaftssport zusätzliche Möglichkeiten in puncto Flexibilität eröffnet. Zum Beispiel beim VfB Stuttgart. Hier könnten die Linksfüße fast eine eigene Elf bilden.

Acht Spieler finden sich im Kader des Bundesligisten, deren starker Fuß der linke ist. Torhüter Dennis Seimen, die Verteidiger Jeff Chabot, Ramon Hendriks, Maximilian Mittelstädt und Dan-Axel Zagadou, die Mittelfeldspieler Angelo Stiller und Nikolas Nartey, zudem Stürmer Dzenan Pejcinovic. Hinzu kommen drei Akteure, die als beidfüßig gelten oder zumindest mit dem linken Fuß im Vergleich zum rechten nicht wesentlich abfallen. Keeper Fabian Bredlow, Flügelspieler Jamie Leweling und Stürmer Deniz Undav. In Summe macht das mehr als ein Drittel der gesamten Mannschaft.

Ein Zufall ist das nicht. Der Stuttgarter Trainer Sebastian Hoeneß legt Wert auf beidfüßige Optionen, sie spielen in seinen Überlegungen regelmäßig eine wichtige Rolle. Zwar sei es nicht das erste Suchkriterium, so Hoeneß, dass ein Spieler Linksfuß ist. Aber: „Ich bin schon immer ein Freund davon gewesen, dass das Verhältnis zwischen Rechtsfuß und Linksfuß im Kader möglichst ausgeglichen ist. Das eröffnet einem Trainer bei der Aufstellung mehrere Optionen.“

Das gilt für einen Mannschaftsteil ganz besonders. Blickt man auf die Stuttgarter Linksfüße, fällt eine Ballung in der Defensive unweigerlich auf. In Chabot, Zagadou und Hendriks befinden sich gleich drei Innenverteidiger in diesem Kreis. Hinzu kommt Mittelstädt als Außenverteidiger, wobei auch Hendriks diese Rolle schon übernommen hat.

Insbesondere im defensiven Zentrum ist der starke Fuß für die Spieleröffnung relevant, bei der unter Hoeneß meist flach das Mittelfeld rund um Fixpunkt Stiller gesucht wird. Und das geht eben als linker Innenverteidiger mit dem linken Fuß in aller Regel um einiges besser, präziser, mit einem günstigeren Winkel. „Grundsätzlich ist es das Idealbild, in der Innenverteidigung einen Rechts- und einen Linksfuß aufstellen zu können“, sagt Hoeneß, der auch eine Ebene weiter vorne in Person von Stiller und Nartey zwei zentrale Mittelfeldspieler mit einem starken linken Fuß im Kader hat.

In der Offensive reduziert sich die Linksfuß-Dichte dann aber merklich. Auf den Außenbahnen steht nach dem Abgang von Badredine Bouanani zu den Glasgow Rangers in Person des beidfüßigen Leweling nur noch ein Spieler mit einem starken linken Fuß im Kader. Aber: Das fällt insofern nicht entscheidend ins Gewicht, als dass sich gerade auf den Flügeln auch mit Rechtsfüßen mehrere Optionen bieten: auf der rechten Seite der Weg zur Grundlinie mit anschließender Flanke, auf der linken Seite das Dribbling ins Zentrum. Vor allem Chris Führich hat auf ebendiese Weise während seiner Zeit beim VfB schon zahlreiche Tore erzielt und vorbereitet.

Diese Wege von außen nach innen sieht Hoeneß gerne, oft begleitet von einem hinterlaufenden Außenverteidiger. „Ich finde es spannend“, sagt der Stuttgarter Trainer, „auf den Flügeln inverse Außenspieler zu haben.“ Das gilt nicht nur für Rechtsfuß Führich auf links, sondern auch für den beidfüßigen Leweling auf rechts. „Jamie Leweling ist beispielsweise in der Lage, auch über den linken Fuß gute Aktionen zu haben“, so Hoeneß. Ein weiteres Beispiel: Linksfuß Nartey kam in der Vorbereitung regelmäßig als rechter Außenverteidiger zum Einsatz und hatte dort praktisch einen Stammplatz sicher, ehe ihn eine Muskelverletzung ausbremste.

Und ganz vorne? Sollen der beidfüßige Undav und Linksfuß Pejcinovic dem Stuttgarter Offensivspiel die nötige Flexibilität verleihen. Übrigens: Damit sind die beiden in prominenter Gesellschaft, viele Offensivakteure im Weltfußball sorgten oder sorgen mit ihrem starken linken Fuß immer wieder für ein Raunen auf den Rängen. Früher Diego Maradona, zuletzt Lionel Messi, in der Gegenwart Lamine Yamal oder Erling Haaland. Am großen Einfluss der Linksfüße besteht also kein Zweifel – was Sebastian Hoeneß sicher ähnlich sieht.

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