Wenn sich am Mittwochabend der Mond vor die Sonne schiebt, erlebt Baden-Württemberg ein Naturschauspiel der besonderen Art. Während die Sonnenfinsternis in den meisten Teilen Deutschlands dann nur teilweise zu sehen ist, fällt sie im Südwesten stärker aus als irgendwo sonst im Land. Nach Angaben von Astronomen werden in Freiburg rund 90 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt, in Stuttgart nur etwas weniger.
Dass die Finsternis ausgerechnet in die Zeit des Sonnenuntergangs fällt, macht sie zusätzlich reizvoll - aber auch komplizierter für Betrachter. Was man beachten sollte:
1. Baden-Württemberg ist diesmal der beste Platz in Deutschland
Der wichtigste Tipp lautet: einfach im Südwesten bleiben. Während der Mond in Berlin etwa 85 Prozent der Sonne verdeckt, sind es im Raum Freiburg rund 90 Prozent und in Stuttgart 89 Prozent. Damit bietet Baden-Württemberg die stärkste Verfinsterung bundesweit. Die Sonne erscheint zeitweise nur noch als schmale Sichel.
2. Einen Ort mit freier Sicht über den Schwarzwald oder die Alb suchen
Die Sonne steht am Abend sehr tief. Deshalb dürften sich nicht alle Standorte lohnen. „Eigentlich ist nur wichtig, dass man erhöht ist und einen klaren Blick nach Westen hat“, sagt der Direktor der Stuttgarter Sternwarte, Ubbo Grassmann. „Dann hat man gewonnen.“ Gut geeignet sind Aussichtspunkte auf den Höhen des Schwarzwalds oder der Schwäbischen Alb. In Städten können Hügel, Aussichtstürme oder Brücken helfen, der Schlossberg oder Schauinsland in Freiburg, der Merkur in Baden-Baden oder natürlich die Hornisgrinde. Was sich lohnen könnte: Den Blick am Vorabend einfach mal ausprobieren.
3. Daumen drücken fürs Wetter
Natürlich muss der Himmel möglichst klar sein, um das Himmelsschauspiel zu verfolgen. Da könnte die Uhrzeit zum Problem werden: „Durch die abendliche Nähe zum Horizont ist da natürlich die Gefahr, dass Dunst und Wolken die Sicht stören“, sagt der Leiter des Freiburger Planetariums, Thomas Presper. „Wäre natürlich schöner, wenn sie um die Mittagszeit hoch am Himmel stände.“
4. Früh genug da sein
Im Südwesten beginnt die Sonnenfinsternis gegen 19.20 Uhr, dann schiebt sich die Mondscheibe von rechts unten vor die Sonnenscheibe. Die genauen Zeiten hängen vom Standort ab. Ihren Höhepunkt erreicht die Sonnenfinsternis in Stuttgart um 20.15 Uhr, in Karlsruhe eine Minute und in Freiburg zwei Minuten später. Schon gegen 20.45 Uhr verschwindet die Sonne vielerorts hinter dem Horizont. Wer also erst zum Sonnenuntergang aufbricht, könnte den eindrucksvollsten Teil verpassen. „Nichts ist frustrierender, als wenn man in den spannendsten Momenten einen Parkplatz sucht“, sagt Grassmann.
5. Die spezielle Sonnenfinsternis-Brille nicht vergessen
So spektakulär das Ereignis ist: Der Blick in die Sonne bleibt gefährlich. Normale Sonnenbrillen reichen da nicht aus. Benötigt wird eine geprüfte Sonnenfinsternis-Brille. Einige Planetarien und Sternwarten, aber auch Optiker im Land geben solche Brillen rund um den Beobachtungsabend aus oder haben sie bereits jetzt im Angebot. Das Planetarium in Freiburg bietet auch einen Last-Minute-Verkauf von 15.00 bis 18.00 Uhr an. Wer zudem an diesem Tag eine Vorstellung im Stuttgarter Planetarium besucht, bekommt die Brille gratis - solange der Vorrat reicht.
Als sicherste Methode gilt die indirekte Betrachtung über eine Lochkamera, die das Bild der Sonne auf einen Schirm projiziert. Hochgefährlich sind hingegen Ferngläser, Teleskope oder Kameras, wie das Bundesamt für Strahlenschutz warnt. Diese Geräte bündeln die Sonnenstrahlen zusätzlich. Im Fachhandel werden spezielle Filteraufsätze oder Folien angeboten.
7. Auf die besondere Lichtstimmung achten
Astronomen erwarten keine Dunkelheit wie bei einer totalen Sonnenfinsternis. Dennoch dürfte sich das Licht bemerkbar verändern. Gerade im Südwesten, wo die Verdeckung besonders groß ist, könnte die Landschaft kurzzeitig kühler und kontrastärmer wirken.
8. Den besonderen Sonnenuntergang einfach nur genießen
Selten fallen Sonnenfinsternis und Sonnenuntergang so günstig zusammen. Für Fotografen eröffnen sich dadurch natürlich ungewöhnliche Motive. Planetarier Grassmann rät aber vom Handy ab: „Am besten fotografiert man gar nicht, legt das Handy weg und genießt die wenigen Momente“, sagt er.
9. Nach der Finsternis auf Sternschnuppen warten
Der Mittwoch bietet im Südwesten gleich zwei Himmelsspektakel. In derselben Nacht erreicht auch der Perseiden-Meteorstrom seinen Höhepunkt. Wer nach der Sonnenfinsternis auf einem dunklen Platz im Schwarzwald oder auf der Alb bleibt, hat gute Chancen, später Sternschnuppen zu sehen.
10. Und wer's verpasst ...
... der hat nach fast genau einem Jahr wieder die Chance, die teils verdeckte Sonne zu sehen. Allerdings wird es dann weniger spektakulär. Denn am 2. August 2027 wird die Sonne am Vormittag bis zu 50 Prozent hinter dem Mond verschwinden.

