„Winter is coming“ – „Der Winter naht.“ Das Motto des Hauses Stark ist zum Leitmotiv der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ geworden. Der Winter naht – und mit ihm der schreckliche Nachtkönig, der die Welt der Menschen in eine Eiswüste verwandeln will, besiedelt von Toten und Weißen Wanderern.
Droht 2023/2024 ein Jahrhundertwinter?
Droht auch der realen Welt, was Westeros in der Serie „Game of Thrones“ droht? Ein Jahrhundertwinter? Meteorologisch gesehen sei eine solche Prognose kaum möglich, sagt Sabine Krüger vom Deutschen Wetterdienst.
„Jahreszeiten-Vorhersagen“ seien ein schwieriges Thema. „Die Trefferquote ist dabei ungefähr 50 zu 50.“ Eine klare Antwort steht somit auch für den Winter 2023/2024 aus.
Meteorologie und Bauernregeln
Die Meteorologie versucht die Wetterlage mit Hilfe von Technik und Wissenschaft vorherzusagen. Die alten Bauernregeln dagegen sind Erfahrungswissen, das aus der Wetterbeobachtung über viele Generationen hinweg gewonnen wurde. Was könnten die Wetter-Volksweisheiten für den Winter 2023/2024 bedeuten?
Auf welchen Winter lassen die Bauernregeln schließen?
„Sind an Jakobi (25. Juli) die Tage warm, gibt’s im Winter viel Kält’ und Harm.“
Am St.-Jakobus-Tag war es in diesem Sommer um 20 Grad in Stuttgart und damit zu kühl für die Jahreszeit. Während in der ersten Julihälfte die Temperaturen auf bis zu 36 Grad stiegen, war es in der zweiten Monatshälfte deutlich kühler.
Prognose: Der Winter 2023/2024 könnt eher zu warm werden.
„Ist’s in der ersten Augustwoche heiß, bleibt der Winter lange weiß.“
Auch die ersten Augusttage waren in diesem Jahr deutlich zu kühl und regnerisch heiß. Folglich müsste der Winter eher zu warm werden und wenig Schnee bringen.
Prognose: Der Winter 2023/2024 könnte eher zu warm werden.
„Bringt der August viel Gewitter, wird der Winter kalt und bitter.“
Im Vergleich mit durchschnittlichen Augustmonaten waren die ersten Augusttage zwar durchwachsen und feucht, aber nicht von Gewittern geprägt.
Prognose: Der Winter 2023/2024 könnte eher zu warm werden.
Die folgenden Videos blicken zurück auf Jahrhundertwinter der vergangenen Jahrzehnte:
Lawinenwinter 1999/2000
Schneekatastrophe in Norddeutschland 1978/1979
Eiseskälte 1962/1963
Hungerwinter 1946/1947
Heißer Sommer, kalter Winter?
Wenn der Sommer schon in Teilen so extrem ist wie in diesem Jahr, wie wird dann erst der Winter 2023/2024? Dominik Jung, Meteorologe beim Wetterportal wetter.net, erklärt: „Dem Winter ist es völlig egal, wie der Sommer gewesen ist – und genauso war es dem Sommer egal, wie es im Winter davor gewesen ist. Da hängt nichts zusammen.“
Langzeitprognosen seien nur bedingt aussagekräftig. Aber sagt Wetterforscher Jung: „Wir können nur versuchen, abzuschätzen, wird ein Monat ein bisschen wärmer oder eher ein bisschen kühler ausfallen.“
Wie ist der winterliche Trend für Deutschland?
Der Trend ist – mit Rückblick auf die letzten Winter – recht eindeutig: Die Wintermonate in Deutschland werden immer wärmer. Rückblickend waren die Wintermonate der letzten zehn Jahre allesamt zu warm. Dennoch wird es auch in Zukunft immer wieder Winter geben, die einen vor Kälte bibbern lassen und reichlich Schnee bringen.
Berechnungen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF – European Centre for Medium-Range Weather Forecasts) haben ergeben, dass der November 2023/2024 eher normal temperiert ausfallen könnte.
Winter 2023/2024 – warm oder kalt?
Berücksichtigt man nur die statistischen Zahlen, so lässt sich daraus eine klar zu warme Wintersaison 2023/2024 ableiten. Wenn man ausschließlich die Monate Dezember bis Februar der letzten 20 Jahre in die Berechnung einbezieht, zeigt sich: Nur 15 Prozent der Winter waren zu kalt, 15 Prozent normal und ganze 70 Prozent waren zu warm.
Der Trend ist auf der Grundlage vergangener meteorologischer Daten eindeutig: Die Winter in Deutschland sind selten extrem, sie sind gemäßigt und häufig nasskalt.
Was sagen frühere Winter über den Trend für 2023/2024?
Winter 2021/2022
Die Durchschnittstemperatur lag im Winter 2021/22 mit 3,3 Grad Celsius um 3,1 Grad über dem Mittelwert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur Zeitspanne 1991 bis 2020 betrug die Abweichung plus 1,9 Grad.
Damit gehört der Winter 2021/22 zu den sieben wärmsten seit Beginn kontinuierlicher Wetteraufzeichnung im Jahr 1881 und ist zugleich der elfte zu warme Winter in Folge.
Winter 2019/2020
Mit einer Mitteltemperatur von 4,1 Grad fiel der Winter 2019/20 über zweieinhalb Grad milder als im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre aus. Damit war es nach 2006/07 der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881.
Winter 2018/2019
Auch der Winter 2018/19 war zu warm und damit der 8. Winter in Folge, der gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu warm ausfiel.
Winter 2017/2018
Mit einer Durchschnittstemperatur von 1,6 Grad war der Winter 2017/18 etwas milder als im langjährigen Mittel. Einem kalten Dezember mit Schneefällen bis ins Flachland folgte ein sehr milder und nasser Januar. Der Februar war deutlich kälter als im Durchschnitt und sorgte für Kälterekorde.
Winter 2016/2017
Mit einer Durchschnittstemperatur von 1,3 Grad war der Winter der kälteste seit dem Winter 2012/13 gewesen. Das lag vor allem am sehr kalten Januar mit teils wochenlangem Dauerfrost im Süden Deutschlands. Am Alpenrand herrschten Extremtemperaturen von unter minus 25.
Winter 2015/2016
Schon die Winter 2013/14, 2014/15waren deutlich zu warm ausgefallen. Das änderte sich auch im Winter 2015/16 nicht, der erneut außergewöhnlich mild deutlich zu warm war. Die Durchschnittstemperatur lag bei plus 3,6 Grad und damit plus 3,4 Grad über dem langjährigen Mittelwert von 1961 bis 1990.
Winter 1978/1979
Lang, lang ist’s her: Deutschland bibbert in der Kälte, es gibt Schnee zuhauf. Das war vor 44 Jahren. Den Jahreswechsel 1978/79 haben viele bis heute nicht vergessen. In Norddeutschland türmten sich bis zu sieben Meter hoch die Schneewehen, die Versorgung der Bevölkerung geriet in Gefahr. Eine Eisfront mit sibirischer Kälte überzog zunächst den Norden und später den gesamten Norden und Osten Deutschlands.
Wird es in Zukunft noch kalte Winter geben?
Eine Schneekatastrophe wie im Winter 1978/79 ist nach Ansicht von Meteorologen auch in Zeiten der weltweiten Klimaerwärmung möglich. Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis wird aber geringer.
Dennoch: Kältewellen können nach Angaben des Klimaforschers Stefan Rahmstorf im Zuge des Klimawandels häufiger werden – und die Winter dennoch wärmer. „Das kann man auch darauf zurückführen, dass der Polarwirbel instabil geworden ist“, sagt der Professor of Physics of the Oceans und Leiter der Abteilung Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
Sollte die Erderwärmung weiter so fortschreiten, dass sich in der Arktis nur wenig oder kein dauerhaftes Eis mehr bildet, sagt Rahmstorf, könnte sich dort auch keine kalte Luft wie im Winter 1978/1979 ansammeln.













