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Wer waren die Bewohner von Machu Picchu?

Machu Picchu war Winterresidenz der Inka-Herrscher. Die legendäre Stadt in den Bergen Perus oberhalb des Urubamba-Tals war aber auch ständiger Wohnsitz für hunderte von Bediensteten des Herrschers. US-Forscher haben mittels DNA-Analyse erstmals herausgefunden, wer die Bewohner Machu Picchus waren und woher sie kamen.

  • Zeitreise in die Vergangenheit: Die um das Jahr 1450 errichtete Inkastadt Machu Picchu gilt als eines der Weltwunder menschlicher Architektur. Die aus massiven Steinblöcken nahtlos zusammengefügten Bauwerke fügen sich perfekt in die Landschaft  des 2430 Meter hohen Berggipfels ein.Foto: Imago/imagebroker/G. Lacz

    Zeitreise in die Vergangenheit: Die um das Jahr 1450 errichtete Inkastadt Machu Picchu gilt als eines der Weltwunder menschlicher Architektur. Die aus massiven Steinblöcken nahtlos zusammengefügten Bauwerke fügen sich perfekt in die Landschaft des 2430 Meter hohen Berggipfels ein.Foto: Imago/imagebroker/G. Lacz

Der legendäre „Camino Inca“ – englisch „Inka Trail“ oder Inka-Pfad – ist Teil des einstigen Straßensystems des von den Spaniern in den 1530er Jahren des 16. Jahrhunderts eroberten Inka-Reiches. Er beginnt am Ufer des Rio Urubamba nahe der alten Inka-Hauptstadt Cuzco und führt zur versunkenen Dschungelstadt Machu Picchu.

Machu Picchu – Südamerikas Weltwunder der Baukunst

Die um das Jahr 1450 errichtete Inkastadt Machu Picchu gilt als eines der Weltwunder menschlicher Architektur. Die aus massiven Steinblöcken nahtlos zusammengefügten Bauwerke fügen sich perfekt in die Landschaft des 2430 Meter hohen Berggipfels ein. Machu Picchu war zudem so unzugänglich und versteckt, dass selbst die Spanier sie übersahen.

Auf unserer Karte sehen Sie Machu Picchu um die umliegenden Ruinen sowie den verlauf des „Camino Inka“.

Die Bewohner der Stadt auf dem alten Berg

Machu Picchu (auf deutsch: alter Berg) war Winterresidenz der Inka-Herrscher. Die Stadt in den Bergen oberhalb des Urubamba-Tales war aber auch ständiger Wohnsitz für hunderte von Bediensteten des Herrschers.

Forscher der amerikanischen Yale-University in New Haven (US-Bundesstaat Connecticut) unter Leitung der Archäologin Lucy Salazar und der University of California in Santa Cruz haben jetzt erstmals DNA-Spuren aus Machu Picchu analysiert.

Studie: DNA-Analyse aus Machu Picchu

Ihre Studie ist in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Science Advances“ erschienen. Die komplette Studie („Insights into the genetic histories and lifeways of Machu Picchu’s occupants“) können Sie hier lesen.

Die Wissenschaftler fanden so heraus, wer vor mehr als 500 Jahren in Machu Picchu lebte und woher die Bewohner kamen. Sie waren unterschiedlicher Herkunft und kamen größtenteils aus weit entfernten Teilen des riesigen Inkareichs, das sich zu seiner Blütezeit im späten 15. Jahrhundert von Ecuador im Norden über Peru und Teile von Bolivien bis in den Norden Chiles erstreckte.

Nach 500 Jahren Dornröschenschlaf“ wiederentdeckt

Am 24. Juli 1911 wurden die Ruinen von einer Expedition der Yale University unter der Leitung von Hiram Bingham durch Zufall wiederentdeckt. Die Siedlung war von dichter Vegetation überwuchert. Doch schon zuvor war ihre Existenz einer Handvoll von Personen bekannt.

Bingham war auf der Suche nach der geheimnisvollen Inkastadt Vilcabamba, die rund 40 Kilometer nordwestlich von Machu Picchu liegt. Dorthin hatten sich die letzten der Inkas geflüchtet, nachdem der spanische Konquistador Francisco Pizarro im Jahr 1536 die Hauptstadt des Inka-Reiches, Cusco, eingenommen hatte.

Bingham glaubte, die sagenhafte letzte Zuflucht der Inka-Herrscher Vilcabamba in Machu Picchu gefunden zu haben. Tatsächlich wurden die Ruinen von Vilacamba mit anderen wichtigen Inka-Ruinen in der Umgebung erst in den 1960er Jahren durch amerikanische Luftbildaufnahmen und nachfolgende Expeditionen entdeckt.

Winterresidenz der Inkas und Wohnort hunderter Bediensteter

„Machu Picchu muss vor allem während der winterlichen Trockenzeit von Mai bis Oktober attraktiv gewesen sein“, schreiben Lucy Salazar von der amerikanischen Yale University und ihre Kollegen. „Der König, seine Familie und Gäste dürften das tropische Klima und die Abwesenheit der für Cusco typischen Nachtfröste genossen haben.“

Während der König und sein Hofstaat während der Wintermonate in Machu Picchu weilte, arbeiteten der Rest des Jahres hunderte von Dienern – sogenannte Yanacona in den monumentalen Anlagen, Feldern und Gärten. Die Diener wurden den Inka-Herrschern häufig als als menschliche Tribute eroberter Gebiete oder von Angehörigen der herrschenden Elite geschenkt.

Friedhöfe für die Diener der Inka

Die Überreste der Bediensteten wurden in vier Friedhöfen, die am Rand der Ruinenstadt liegen, bestattet. „Die einfachen Gräber enthalten manchmal mehrere Tote und liegen in flachen, von großen Felsblöcken bedeckten Gruben im Schutz grober Steinmauern oder unter natürlichen Felsüberhängen“, schreiben die Archäologen.

Lucy Salazar und ihr Team haben für ihre Studie die Überreste von 34 Toten aus den vier Friedhöfen von Machu Picchu untersucht. Zum Vergleich entnahmen sie DNA-Proben, die sie mit Erbgut von Toten aus dem nahen Urubamba-Tal und aus der Umgebung der Inka-Hauptstadt Cusco verglichen.

Kosmopolitsche Stadt von Yanacona und Royals

„Unsere Studie konzentriert sich nicht auf das Leben der Royals oder der politischen Eliten, sondern auf die einfachen Menschen, die nach Machu Picchu gebracht wurden, um dem Inka-Adel zu dienen, und die hier lebten und den Palast in Schuss hielten“, erklärt Mitautor Lars Fehren-Schmitz von der University of California in Santa Cruz.

Woher die Yanacona von Machu Picchu stammten, konnten die Forscher mittels Genomvergleiche auch herausfinden. „Die DNA-Analysen bestätigen die historischen Überlieferungen, nach denen diese Haushälter aus vielen ethnischen Gruppen stammten, die unter der Herrschaft der Inka standen“, berichtet Koautor Richard Burger von der Yale University. „Die Individuen zeigen genetische Abstammungen, die auf eine Herkunft aus dem gesamten Inka-Reich hindeuten, von der Küste über das Hochland bis nach Amazonien.“

Das alltägliche Leben in der Bergstadt sei, so das Fazit der Archäologen, „offensichtlich nicht von den ethnischen oder regionalen Hintergründen geprägt“ gewesen. „Machu Picchu war eine kosmopolitische Gemeinschaft“, sagt Richard Burger, „in der Menschen ganz verschiedener Herkunft lebten, liebten und gemeinsam begraben wurden.“

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