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Was eine tödliche Infektionswelle in Japan mit Tampons zu tun hat

In Japan häufen sich Fälle von TSS. Das Kürzel steht für toxisches Schocksyndrom. Wir erklären, was diese Infektionskrankheit auslöst, wie gefährlich sie ist, wie man sie behandeln kann und warum TSS auch Tamponkrankheit genannt wird.

  • Ein Tampon kann  ein toxisches Schocksyndrom auslösen, ist aber keine zwingende Voraussetzung dafür.Foto: Imago/Pond5 Images

    Ein Tampon kann ein toxisches Schocksyndrom auslösen, ist aber keine zwingende Voraussetzung dafür.Foto: Imago/Pond5 Images

Die Regierung in Tokio bemüht sich, Befürchtungen im In- und Ausland wegen einer deutlichen Zunahme von Fällen einer lebensbedrohlichen Bakterieninfektion zu zerstreuen. Es geht dabei um das sogenannte toxische Schocksyndrom (TSS, englisch: Toxic shok syndrome) – auch Streptokokken-induziertes toxisches Schocksyndrom genannt.

Wie viele TSS-Fälle hat es in Japan 2024 bisher gegeben?

Japan sei nicht das einzige Land, das davon betroffen sei, sagte Regierungssprecher Yoshimasa Hayashi. Seit dem Ende der Corona-Pandemie habe die Zahl der Atemwegserkrankungen „in diversen Ländern zugenommen“.

Seit Jahresbeginn bis zum 13. März wurden in Japan 474 der von Streptokokken-Bakterien verursachten TSS-Fälle registriert. Das ist mehr als die Hälfte der Fallzahl im gesamten vergangenen Jahr, die 491 betragen hatte. Das toxische Schocksyndrom kann zu Organversagen führen und endet in einem von drei Fällen tödlich.

Welche Bevölkerugsgruppe sind betroffen?

Die Ursache für den rasanten Anstieg der bakteriellen Infektion, die in einigen Fällen tödlich enden kann, ist bislang unklar. „Es gibt noch viele unbekannte Faktoren hinsichtlich der Mechanismen, die den fulminanten (schweren und plötzlichen) Formen von Streptokokken zugrunde liegen, und wir sind noch nicht so weit, dass wir sie erklären können“, teilt die Gesundheitsbehörde mit.

Während normalerweise ältere Menschen die Risikogruppe bilden, verzeichnet Japan nun vermehrt Todesfälle bei Personen unter 50 Jahren. Von den 65 Personen unter 50 Jahren, bei denen zwischen Juli und Dezember 2023 TSS diagnostiziert wurde, sei etwa ein Drittel gestorben, wie die japanische Zeitung „Asahi Shimbun“ berichtete.

Warum hat Nordkorea ein Fußballspiel gegen Japan abgesagt?

Nordkorea hatte dem japanischen Fußballverband mitgeteilt, dass es die japanische Mannschaft nicht wie geplant zu einem Qualifikationsspiel für die Fußball-WM 2026 empfangen könne.

Gründe nannte das international isolierte Land nicht, der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zufolge waren aber wahrscheinlich die gehäuften TSS-Fälle in Japan der Grund. Das für Dienstag (26. März) geplante Spiel wurde verschoben und findet laut dem Asiatischen Fußballverband nun zu einem späteren Zeitpunkt auf neutralem Gebiet statt.

Was löst TSS aus?

Das Toxische Schocksyndrom ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterienkeime ausgelöst werden kann. Die Keime an sich kommen aber überall in der Natur vor und sie besiedeln auch den Menschen. Wen sich die Bakterien übermäßig vermehren und Toxine, also Giftstoffe, freisetzen, können sich die gefährlichen Erreger bilden.

TSS wird durch die Exotoxine von Staphylokokken-aureus oder Streptococcus-pyogenes-Stämmen verursacht. Exotoxine (das Gegenteil sind Endotoxine) sind von Bakterien abgesonderte Giftstoffe, gegen die der Wirtskörper Gegengifte (Antitoxine) bilden kann.

Welche Krankheitssymptome treten auf?

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin Die Erkrankung manifestiert sich in Halsschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Unwohlsein und bei Kindern auch Bauchbeschwerden und Erbrechen. Zudem können hohes Fieber, Blutdruckabfall, diffuse erythematöse (mit Rötungen einhergehenden) Hautausschläge auftreten – bis hin zu einem und Multiorganversagen, das rasch in einen schweren und schwer behandelbaren Schock übergehen kann.

Die Erkrankung wird mit Antibiotika – vorzugsweise Cephalosporine oder Amoxicillin – behandelt. Der Krankheitserreger wird in der Regel stationär durch die intravenöse Gabe von Antibiotika bekämpft.

Warum wird TSS auch Tamponkrankheit genannt?

In den Jahren 2022 und 2023 hatte es auch in Europa, Nordamerika und Australien gehäufte Infektionen mit Streptokokken vom Typ A gegeben, die das TSS auslösen können.

Umgangssprachlich ist das Syndrom auch als Tamponkrankheit bekannt, da es in einem Großteil der Fälle im Zusammenhang mit der Benutzung von Tampons während der Menstruation auftritt.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen TSS und Tampons?

Dass es einen Zusammenhang zwischen dem toxischen Schocksyndrom und von TSS mit Tampons wurde erstmals in den 1980er-Jahren in den USA festgestellt, als besonders saugfähige Produkte auf den Markt kamen. Dieses Tampon wurde damit beworben, dass es länger im Körper verbleiben kann, weil es mehr Blut aufnehmen konnte. In dieser Zeit häuften sich die Fälle von TSS.

Ein Tampon kann TSS auslösen, ist aber keine zwingende Voraussetzung dafür. Tatsächlich können alle Menschen diese Infektionskrankheit bekommen.

Warum können Tampons gefährlich werden?

In der Vagina herrscht ein feucht-warmes Milieu, das Bakterien und Pilze gedeihen lässt. Die meisten existieren dort ohne Beschwerden hervorzurufen. Auch Staphylococcus aureus kann in der Vaginalflora vorkommen.

Tampons bieten den Bakterien eine wachstumsfördernde Umgebung. Der länglich gepressten Watte- oder Mullbausch saugt sich mit Blut voll, ist warm und feucht . Die Oberfläche des Viskose-Watte-Streifens bietet optimale Bedingungen für Keime, um sich dort anzusiedeln.

Zudem gelingt es der Immunabwehr des Körpers schlecht, gegen die Bakterien im Tampon vorzugehen, weil sie dort vom restlichen Körper abgesondert sind. Sie können sich ohne große Hindernisse gut vermehren. Problematisch wird das, wenn das von den Bakterien produzierte Toxin (Gift) in die Blutbahn gelangt.

Können Menstruationsprodukte generell TSS begünstigen?

Dasselbe Prinzip gilt auch bei Menstruationstassen, Binden oder Schwämmen. Auch hier können sich Bakterien besser vermehren, wenn nicht auf eine sorgfältige Hygiene geachtet wird. Das bedeutet:

Wie wird TSS übertragen?

Streptokokken und Staphylokokken werden durch Tröpfchen und Körperkontakt übertragen. Das Bakterium kann Patienten auch über Wunden an Händen und Füßen infizieren.

Das japanische Gesundheitsministerium hatte die Bevölkerung daher bereits im Januar aufgerufen, sich regelmäßig die Hände zu waschen, Abstand zu anderen Menschen zu halten und an stark besuchten öffentlichen Orten eine Maske zu tragen (mit AFP-Agenturmaterial).

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