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Konstruktive Vergleiche können in Diskussionen helfen, Meinungen zu reflektieren und Argumente aus einer neuen Perspektive zu sehen. Wenn Vergleiche allerdings bewirken, dass eine Diskussion nicht mehr konstruktiv ist, zum Beispiel, indem vom ursprünglichen Problem abgelenkt oder gar die Moral infrage gestellt wird, nennt man dies Whataboutism.
Was ist Whataboutism?
Unter dem englischen Begriff Whataboutism, welcher in den letzten Jahren auch vermehrt im deutschen Sprachgebrauch verwendet wird (1), versteht man die Praxis, auf Kritik oder eine schwierige Frage mit einer ähnlichen Kritik oder einer anderen verwandten Frage zu reagieren, welche in der Regel mit "Was ist mit...?" beginnt (2,3,4). Konstruktive bzw. lösungsorientierte Diskussionen werden so ausgebremst.
Wer zum Beispiel bei Maßnahmen gegen den Klimawandel im eigenen Land damit argumentiert, dass diese weniger bewirken, wenn andere Länder nicht mitmachen, liegt zwar nicht falsch, entfernt sich aber vom Ausgangsproblem (den Maßnahmen im eigenen Land).
Whataboutism ist eine verwandte Variante des Tu-quoque-Arguments, bei dem die Moral des Anderen und somit die Berechtigung zur Kritik infrage gestellt wird, während auf die Aussage nicht näher eingegangen wird. Ein gängiger Vorwurf beim Whataboutism ist dabei die Doppelmoral. Wer selber raucht, darf anderen nicht sagen, dass sie nicht rauchen sollten, weil es ungesund ist. Dies ist allerdings ein Fehlschluss, da die Aussage "es ist besser nicht zu rauchen" dennoch wahr bleibt.
Vergleiche in Debatten werden vor allem dann zu Whataboutism, wenn damit einem Argument ausgewichen und so vom eigentlichen Thema abgelenkt wird. Diskussionen werden dadurch in der Regel unproduktiv und nicht mehr zielführend, weshalb Whataboutismus als eine destruktive Ablenkungs- bzw. Hinhaltetaktik gilt.
Wer zum Beispiel in einem Gespräch über die Benachteiligung von Minderheiten in der heutigen Gesellschaft auf die noch größeren Probleme dieser in andere Kulturen oder auf Zustände in der Vergangenheit hinweist, der hat zwar recht, lenkt allerdings von dem eigentlichen Problem ab und macht dieses zusätzlich auch noch klein.
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Herkunft von Whataboutism
Den Mechanismus bzw. die Argumentationsstrategie von Whataboutism gab es sicherlich schon immer. Geprägt wurde der Begriff selbst laut Oxford-Lexico allerdings bereits in den 70er-Jahren, damals noch unter dem Synonym "whataboutery" (5). In den 90er-Jahren begann sich langsam der Begriff „whataboutism“ zu entwickeln. Den Begriff populär gemacht haben soll vor allem der Journalist Edward Lucas im Jahr 2008 in einem Artikel des Economist (6), indem er Whataboutism als Propaganda-Taktik Russlands beschrieb und den neuerlichen Gebrauch für ein Zeichen der Wiederkehr des kalten Krieges hielt. Whataboutisim findet heute regelmäßig Verwendung in Bereichen der politischen Rhetorik. Kritisiert wird dabei vor allem die Gefahr der Verstärkung einer gesellschaftlichen Spaltung (7).
Whataboutism erkennen
Whataboutism findet sich sowohl in politischen Debatten, den Sozialen Medien, aber auch in persönlichen Gesprächen wieder. Das Muster folgt dabei grob zwei Schritten. Die moralische Berechtigung für das Aufstellen der Behauptung wird durch die Gegenfrage vermeintlich annulliert (Schritt 1), wodurch die Behauptung indirekt als falsch oder zumindest als unangebracht dargestellt wird (Schritt 2) und nicht mehr in der Diskussion verwendet werden soll. Whataboutism in Gesprächen lässt sich durch die folgenden Punkte leicht erkennen:
Wichtig: Nicht jede Abweichung vom Thema ist auf eine Stufe mit Whataboutism zu stellen. Konstruktive Abweichungen sollten deswegen von Whataboutism unterschieden werden.
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Auf Whataboutism reagieren
Whataboutism bremst Diskussionen aus und hemmt deren Fortschritt. Damit Gespräche sich dadurch nicht im Kreis drehen, ist es wichtig, entsprechend zu reagieren und den Fokus wieder zurück auf das entsprechende Ursprungsthema zu bringen. Wie man auf Whataboutism in Diskussionen reagiert, ist dabei in erster Linie abhängig von der Art des Gegenbeitrages. Unterscheiden sollte man dabei:
Themenfremde Gegenargumente sind Scheinargumente, die für eine konkrete Diskussion wertlos sind. Die folgenden Tipps helfen beim Kontern bei Whataboutism:

