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Vergiftungen durch Pflanzen: Das ist zu beachten

Eine aktuelle Studie zeigt: Beim Giftnotruf spielen Pflanzen nach wie vor eine große Rolle. Doch oft ist die Gefahr kleiner als vermutet. Stattdessen kursieren viele Irrtümer unter der deutschen Bevölkerung.

  • Kann man diese Beere essen? Beim Selbstpflücken besteht Verwechslungsgefahr.Foto: imago/Westend61/Daniel Ingold

    Kann man diese Beere essen? Beim Selbstpflücken besteht Verwechslungsgefahr.Foto: imago/Westend61/Daniel Ingold

  • Eisenhut: Sehr giftig, und das schon bei der Einnahme von ein paar Gramm. Außerdem sind bereits mit seinen Blüten spielende Kinder gefährdet, weil die giftigen Alkaloide über Haut und Schleimhaut in den Körper gelangen. Erste Vergiftungssymptome sind nach 10 bis 20 Minuten ein Brennen und Kribbeln im Mund. In schweren Fällen: Erbrechen, Durchfallkoliken, Sehstörungen, Muskellähmung, Schmerzen, Herzrhythmusstörungen und schließlich Wesensveränderungen und eine lebensbedrohliche Atemlähmung.Foto: imago images/imagebroker/imageBROKER/Harry Laub via www.imago-images.de

    Eisenhut: Sehr giftig, und das schon bei der Einnahme von ein paar Gramm. Außerdem sind bereits mit seinen Blüten spielende Kinder gefährdet, weil die giftigen Alkaloide über Haut und Schleimhaut in den Körper gelangen. Erste Vergiftungssymptome sind nach 10 bis 20 Minuten ein Brennen und Kribbeln im Mund. In schweren Fällen: Erbrechen, Durchfallkoliken, Sehstörungen, Muskellähmung, Schmerzen, Herzrhythmusstörungen und schließlich Wesensveränderungen und eine lebensbedrohliche Atemlähmung.Foto: imago images/imagebroker/imageBROKER/Harry Laub via www.imago-images.de

  • Herbstzeitlose: Wird oft mit dem leckeren Bärlauch verwechselt, obwohl der sich eigentlich durch sein typisches Laucharoma auszeichnet, wenn man über seine Blätter streicht. Die Herbstzeitlose enthält das Zellgift Colchicin, das zu starken Durchfällen, Lähmungen und schließlich zu Herz-Kreislauf-Versagen führen kann.Foto: imago images/CTK Photo/Drahoslav Ramik via www.imago-images.de

    Herbstzeitlose: Wird oft mit dem leckeren Bärlauch verwechselt, obwohl der sich eigentlich durch sein typisches Laucharoma auszeichnet, wenn man über seine Blätter streicht. Die Herbstzeitlose enthält das Zellgift Colchicin, das zu starken Durchfällen, Lähmungen und schließlich zu Herz-Kreislauf-Versagen führen kann.Foto: imago images/CTK Photo/Drahoslav Ramik via www.imago-images.de

  • Stechapfel: Wird laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gerne von Jugendlichen als Droge konsumiert. Seine giftigen Alkaloide befinden sich vor allem in den Früchten. Er hat große, trichterförmigen Blüten, die sich allerdings meistens strahlend weiß präsentieren. Typische Vergiftungssymptome sind Pupillenerweiterung, Mundtrockenheit sowie Bewusstseinstrübung und/oder Halluzinationen.Foto: PantherMedia / Arpad Radoczy/Arpad Radoczy

    Stechapfel: Wird laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gerne von Jugendlichen als Droge konsumiert. Seine giftigen Alkaloide befinden sich vor allem in den Früchten. Er hat große, trichterförmigen Blüten, die sich allerdings meistens strahlend weiß präsentieren. Typische Vergiftungssymptome sind Pupillenerweiterung, Mundtrockenheit sowie Bewusstseinstrübung und/oder Halluzinationen.Foto: PantherMedia / Arpad Radoczy/Arpad Radoczy

  • Tollkirsche: Tollkirschen lassen sich leicht mit Heidelbeeren verwechseln. Mitunter werden die süßlich schmeckenden Früchte sogar im Kuchen verarbeitet, so dass ganze Familien im Krankenhaus landen. Dabei lassen sich beide Pflanzen gut unterscheiden: Die Tollkirsche wird bis zu anderthalb Metern groß, und ihre Blüten haben einen Stiel; die Heidelbeere hingegen ist ein Zwergstrauch mit Blüten, die an den Blattachseln sitzen. Tollkirschvergiftungen zeigen sich durch weite Pupillen und einen trockenen Mund, später können Herzrasen und Halluzinationen hinzukommen.Foto: imago images/blickwinkel/F. Teigler via www.imago-images.de

    Tollkirsche: Tollkirschen lassen sich leicht mit Heidelbeeren verwechseln. Mitunter werden die süßlich schmeckenden Früchte sogar im Kuchen verarbeitet, so dass ganze Familien im Krankenhaus landen. Dabei lassen sich beide Pflanzen gut unterscheiden: Die Tollkirsche wird bis zu anderthalb Metern groß, und ihre Blüten haben einen Stiel; die Heidelbeere hingegen ist ein Zwergstrauch mit Blüten, die an den Blattachseln sitzen. Tollkirschvergiftungen zeigen sich durch weite Pupillen und einen trockenen Mund, später können Herzrasen und Halluzinationen hinzukommen.Foto: imago images/blickwinkel/F. Teigler via www.imago-images.de

  • Europäische Eibe: Das bis zu 10 Meter groß werdende Nadelgehölz findet man besonders in Parkanlagen. Giftig sind seine Nadeln und der zerbissene Samen, nicht aber der rote, süßlich schmeckende Samenmantel. Die Samen werden von Kindern relativ häufig geschluckt, doch meistens nicht in Mengen, die zu einer Vergiftung führen. Sie würde sich dann durch Magen-Darmbeschwerden sowie Herzrhythmusstörungen und weite Pupillen zeigen.Foto: imago images/blickwinkel/A. Held via www.imago-images.de

    Europäische Eibe: Das bis zu 10 Meter groß werdende Nadelgehölz findet man besonders in Parkanlagen. Giftig sind seine Nadeln und der zerbissene Samen, nicht aber der rote, süßlich schmeckende Samenmantel. Die Samen werden von Kindern relativ häufig geschluckt, doch meistens nicht in Mengen, die zu einer Vergiftung führen. Sie würde sich dann durch Magen-Darmbeschwerden sowie Herzrhythmusstörungen und weite Pupillen zeigen.Foto: imago images/blickwinkel/A. Held via www.imago-images.de

  • Wasserschierling: Er ist aufgrund seiner Polyine so giftig, dass man ihn im alten Preußen schon per Gesetz ausrotten wollte. Das besondere Problem an ihm: Man kann seine Wurzeln leicht mit den essbaren Pastinakwurzeln verwechseln. Sein Gift kann bereits 20 Minuten nach dem Verzehr zu einem Brennen im Mund- und Rachenraum sowie Übelkeit und Brechreiz führen. Später kann es zu lebensgefährlichen Krampfanfällen und Atemstillständen kommen.Foto: imago images/Shotshop/Rezeda Kostyleva via www.imago-images.de

    Wasserschierling: Er ist aufgrund seiner Polyine so giftig, dass man ihn im alten Preußen schon per Gesetz ausrotten wollte. Das besondere Problem an ihm: Man kann seine Wurzeln leicht mit den essbaren Pastinakwurzeln verwechseln. Sein Gift kann bereits 20 Minuten nach dem Verzehr zu einem Brennen im Mund- und Rachenraum sowie Übelkeit und Brechreiz führen. Später kann es zu lebensgefährlichen Krampfanfällen und Atemstillständen kommen.Foto: imago images/Shotshop/Rezeda Kostyleva via www.imago-images.de

Schon der britische Schriftsteller Aldous Huxley vermutete: „Schönheit ist gefährlicher als Wein.“ Und in Bezug auf einige Pflanzen lag er damit durchaus richtig. Denn Eisenhut, Tollkirsche und Engelstrompete etwa sind eine Zierde für den Garten, doch ihr Gift sollten wir lieber meiden.

Wie jetzt ein Forscherteam um Toxikologen und Reisemediziner Sebastian Wendt vom Universitätsklinikum Leipzig herausgefunden hat, gehören Pflanzen zu den Top 3 der Giftverdachtsmeldungen in Deutschland. Knapp hinter Arzneimitteln und Chemikalien. Aber deutlich vor den Pilzen, denen man als Laie eher eine Führungsrolle bei möglichen Vergiftungen zugetraut hätte. Bei Kindern beziehen sich rund 15 Prozent der Anfragen, die an einem der deutschen Giftzentren eingehen, auf den Kontakt oder Verzehr einer Pflanze. Was einerseits daran liegt, dass Kinderhände in der Natur schnell zugreifen und das betreffende Objekt auch schon mal gerne in den Mund schieben.

Basiswissen fehlt

Es scheint vielen Eltern, Lehrern aber auch Ärzten ein Basiswissen dazu zu fehlen, was in der Pflanzenwelt hierzulande als wirkliche Gefahr einzustufen ist – und deswegen rufen sie oft beim Giftnotruf an, obwohl das eigentlich nicht nötig wäre. So berichtet Carola Seidel, stellvertretende Leiterin der Informationszentrale gegen Vergiftungen am Uni-Klinikum Bonn, von der Anfrage einer Lehrerin, was sie denn jetzt tun müsse, denn eines ihrer Schulkinder hätte zwei unreife Kirschen gegessen. „Dabei dürfte es nirgendwo einen plausiblen Bericht dazu geben, dass sich schon einmal jemand auf diese Weise vergiftet hätte“, so Seidel. In einem anderen Anruf berichteten Eltern davon, dass ihr Kind Vogelbeeren gegessen hätte. Woraufhin die Ärztin nach der Farbe der Früchte fragte. „Die Antwort lautete: Blau“, so Seidel. „Und da war klar: Es konnte sich nicht um eine Vogelbeere handeln.“

Auch die oft zu hörende Theorie, wonach der Klimawandel hierzulande die Verbreitung neuer Giftpflanzen gefördert hätte, kann Seidel aus ihrer Arbeit beim Giftnotruf nicht bestätigen. Es gebe zwar jetzt ein paar Pflanzen wie die ursprünglich aus Afrika stammende Glücksfeder, die jetzt als starker Schleimhautreizer in Erscheinung tritt. „Doch ansonsten haben wir bei uns seit Jahrzehnten die üblichen Verdächtigen, die für Vergiftungen sorgen“, betont Seidel. Wie etwa die Tollkirsche, die mit essbaren Beeren verwechselt werden kann. Oder auch die Herbstzeitlose, die jedes Frühjahr aufs Neue für Vergiftungen sorgt, weil sie ähnlich aussieht wie der gerne gesammelte Bärlauch.

Salzwasser ist eine schlechte Idee

Auch in puncto erster Hilfe bei Pflanzenvergiftungen kursieren hierzulande viele Irrtümer. So hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass man einem Kind, sofern es an einer Giftpflanze genascht hat, den Finger in den Hals stecken oder konzentriertes Salzwasser zu trinken geben sollte, um es zum Erbrechen zu bringen. „Doch dabei werden letzten Endes nur relativ geringe Giftmengen entfernt, vielleicht 10 bis 20 Prozent“, betont Seidel. Zudem könne Salzwasser zu lebensbedrohlichen bis tödlichen Vergiftungen führen, und die in Apotheken erhältlichen Sirupe zum Auslösen des Brechreizes sollten ebenfalls nicht mehr zum Einsatz kommen, weil sie fulminante Schleimhautreizungen und ein andauerndes Erbrechen auslösen können. Selbst die Magenspülung wird heute nur noch sehr selten angewandt.

Lieber etwas zu trinken geben

Für Eltern, Kindergärtner und Lehrer reicht es hingegen in der Regel, bei einem möglichen pflanzlichen Vergiftungsfall etwas zu trinken zu geben. „Das darf auch Milch sein, wenn das Kind Milch bevorzugt“, so Seidel. „Denn deren Fettgehalt ist mittlerweile oft so niedrig, dass sie kaum noch – was ja weithin als Nebenwirkung genannt wird – die Resorption fettlöslicher Gifte unterstützen kann.“ Prinzipiell sind Tee, Wasser oder Saft ideal, insofern es ja in erster Linie darum geht, per Verdünnung die Reizwirkung der problematischen Substanzen zu lindern.

Nicht zu vergessen schließlich, dass natürlich schon im Verdachtsfall eines Kontakts mit einer giftigen Pflanze der Giftnotruf kontaktiert werden kann. Denn oft weiß man ja nicht sicher, ob etwa ein Kind von den Tollkirschen genascht oder sie nur gepflückt hat. „Da gilt der Satz: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“, betont Seidel. Aber er gelte eben nicht, wenn ein Kind zwei unreife Kirschen gegessen hat.

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