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So wohnt es sich im Minihaus auf dem Parkplatz

Tiny Houses liegen im Trend. Doch wie nachhaltig das Wohnen in so einem Mikrohaus ist, untersuchen jetzt Hochschulen in Stuttgart und Coburg in einem Forschungsprojekt.

  • Tiny House als Forschungsobjekt – geplant und entworfen von Studierenden der Hochschule Coburg – geht an den Start. In Stuttgart sollen 2023 „mobile Wohnmodule“ auf dem Gelände der Dualen Hochschule mitten in der Stadt entstehen, die werden auch von Studierenden bewohnt, ihr Lebensalltag wird dann Teil der Forschung sein. Weitere Bilder von dem Mikrohaus in der Bildergalerie.Foto: Hochschule Coburg

    Tiny House als Forschungsobjekt – geplant und entworfen von Studierenden der Hochschule Coburg – geht an den Start. In Stuttgart sollen 2023 „mobile Wohnmodule“ auf dem Gelände der Dualen Hochschule mitten in der Stadt entstehen, die werden auch von Studierenden bewohnt, ihr Lebensalltag wird dann Teil der Forschung sein. Weitere Bilder von dem Mikrohaus in der Bildergalerie.Foto: Hochschule Coburg

  • Das Tiny House heißt offiziell Tiny „Circular Tiny House CTH*1“ und es steht auf dem Campus der Hochschule Coburg  . . .Foto: Hochschule Coburg

    Das Tiny House heißt offiziell Tiny „Circular Tiny House CTH*1“ und es steht auf dem Campus der Hochschule Coburg . . .Foto: Hochschule Coburg

  • . . . auf einem Parkplatz.Foto: Hochschule Coburg

    . . . auf einem Parkplatz.Foto: Hochschule Coburg

  • Das 19 Quadratmeter kleine Minihaus funktioniert autark – ohne Leitungen für Wasser und Abwasser und Strom.Foto: Hochschule Coburg

    Das 19 Quadratmeter kleine Minihaus funktioniert autark – ohne Leitungen für Wasser und Abwasser und Strom.Foto: Hochschule Coburg

  • Eine Photovoltaikanlage befindet sich auf dem Dach. Ein Plateau ermöglicht abendliches Draußensitzen.Foto: Hochschule Coburg

    Eine Photovoltaikanlage befindet sich auf dem Dach. Ein Plateau ermöglicht abendliches Draußensitzen.Foto: Hochschule Coburg

  • Die Studierenden haben ein Jahr lang untersucht, wie viel Platz man braucht, um sich wohlzufühlen. „Sie  haben herausgefunden, ein Bad muss nicht acht Quadratmeter haben, man kommt auch mit drei Quadratmetern gut aus“, sagt Architekturprofessor Rainer Hirth. Untersucht wurde das mit gebauten Modellen und Renderings am Computer. „Wichtig ist weniger die Größe als die Raumhöhe fürs Wohlgefühl.“ Das Tiny House hat eine lichte Innenhöhe von fast sechs Metern statt der Mindesthöhe nach Bayerischen Bauordnung von 2,40 Metern.Foto: Hochschule Coburg

    Die Studierenden haben ein Jahr lang untersucht, wie viel Platz man braucht, um sich wohlzufühlen. „Sie haben herausgefunden, ein Bad muss nicht acht Quadratmeter haben, man kommt auch mit drei Quadratmetern gut aus“, sagt Architekturprofessor Rainer Hirth. Untersucht wurde das mit gebauten Modellen und Renderings am Computer. „Wichtig ist weniger die Größe als die Raumhöhe fürs Wohlgefühl.“ Das Tiny House hat eine lichte Innenhöhe von fast sechs Metern statt der Mindesthöhe nach Bayerischen Bauordnung von 2,40 Metern.Foto: Hochschule Coburg

  • Die Materialien sind alle wieder sortenrein trennbar, wenn das Haus wieder auseinander gebaut werden sollte.Foto: Hochschule Coburg

    Die Materialien sind alle wieder sortenrein trennbar, wenn das Haus wieder auseinander gebaut werden sollte.Foto: Hochschule Coburg

  • Die Benutzer des Hauses sollten sich ganz normal bewegen. Es gibt ein Messgerät mit einem Bewegungssensor, der merkt, ob eine oder mehrere Personen im Haus sind, wie die Temperatur dann ansteigt, auch den CO2-Wert kann man messen. Licht wird über Sprachsteuerung gesteuert.Foto: Hochschule Coburg

    Die Benutzer des Hauses sollten sich ganz normal bewegen. Es gibt ein Messgerät mit einem Bewegungssensor, der merkt, ob eine oder mehrere Personen im Haus sind, wie die Temperatur dann ansteigt, auch den CO2-Wert kann man messen. Licht wird über Sprachsteuerung gesteuert.Foto: Hochschule Coburg

  • Wände mit Lehmputz, die Fenster sind 15 Jahre alt und wurden aus einem Abbruchhaus gewonnen.Foto: Hochschule Coburg

    Wände mit Lehmputz, die Fenster sind 15 Jahre alt und wurden aus einem Abbruchhaus gewonnen.Foto: Hochschule Coburg

  • Zimmer mit Aussicht. Das Tiny House hat zwei Ebenen, oben wird geschlafen.Foto: Hochschule Coburg

    Zimmer mit Aussicht. Das Tiny House hat zwei Ebenen, oben wird geschlafen.Foto: Hochschule Coburg

  • Bodentiefe Türen und Fenster sorgen für Helligkeit. Hier werden bald Gäste der Fakultät probehalber wohnen und zum Versuchsobjekt.Foto: Hochschule Coburg

    Bodentiefe Türen und Fenster sorgen für Helligkeit. Hier werden bald Gäste der Fakultät probehalber wohnen und zum Versuchsobjekt.Foto: Hochschule Coburg

  • Auch Rainer Hirth, Professor für Entwerfen und Konstruieren im Studiengang Architektur an der Hochschule Coburg, der das Tiny House Projekt leitet, wird voraussichtlich für zwei Wochen einziehen.Foto: Privat

    Auch Rainer Hirth, Professor für Entwerfen und Konstruieren im Studiengang Architektur an der Hochschule Coburg, der das Tiny House Projekt leitet, wird voraussichtlich für zwei Wochen einziehen.Foto: Privat

  • Die Duale Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart wird das Wohnen in kleinen Einheiten wissenschaftlich erforschen. Dafür sollen etwa 24 mobile Wohn-Module entstehen, die jeweils von zwei Studierenden bewohnt werden. Deren Wohnerfahrungen sollen in die Forschung über die Nachhaltigkeit temporärer Wohnformen eingehen. Auch die nachbarschaftliche Umgebung in der Stuttgarter Innenstadt  soll ins Projekt mit einbezogen werden.Foto: Duale Hochschule Baden-Württemberg

    Die Duale Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart wird das Wohnen in kleinen Einheiten wissenschaftlich erforschen. Dafür sollen etwa 24 mobile Wohn-Module entstehen, die jeweils von zwei Studierenden bewohnt werden. Deren Wohnerfahrungen sollen in die Forschung über die Nachhaltigkeit temporärer Wohnformen eingehen. Auch die nachbarschaftliche Umgebung in der Stuttgarter Innenstadt soll ins Projekt mit einbezogen werden.Foto: Duale Hochschule Baden-Württemberg

  • Klaus Homann leitet das Stuttgarter „Reallabor“-Projekt. Die Module sollen voraussichtlich von 2023 an sieben bis zehn Jahre lang genutzt werden, bis die Fläche dann wie geplant mit einem Neubau bebaut wird .„Danach könnte man die 30 bis 50 Quadratmeter großen Tiny Häuser woanders hinschicken, wo man sie braucht“, sagt Klaus Homann, Studiengangsleiter Wirtschaftsingenieurwesen Facility Management.Foto: Duale Hochschule Baden-Württemberg

    Klaus Homann leitet das Stuttgarter „Reallabor“-Projekt. Die Module sollen voraussichtlich von 2023 an sieben bis zehn Jahre lang genutzt werden, bis die Fläche dann wie geplant mit einem Neubau bebaut wird .„Danach könnte man die 30 bis 50 Quadratmeter großen Tiny Häuser woanders hinschicken, wo man sie braucht“, sagt Klaus Homann, Studiengangsleiter Wirtschaftsingenieurwesen Facility Management.Foto: Duale Hochschule Baden-Württemberg

Die Wohnungsnot ist beträchtlich und gute Ideen für neue Wohnformen sind gefragt. Jeder vierte Mensch in Deutschland wird 2040 voraussichtlich alleine wohnen, prognostiziert das Statistische Bundesamt Wiesbaden.

Tiny Houses, Mikrohäuser, die auf kleinen Grundstücken auf- und abgebaut werden können, liegen da im Trend. Hochschulen untersuchen wissenschaftlich, wie nachhaltig so eine Wohnform sein kann

Wie groß etwa so ein kleines Haus ist, ist nicht genau definiert, weiß Rainer Hirth, Professor für Entwerfen und Konstruieren im Studiengang Architektur an der Hochschule Coburg. „Rund 50 Quadratmeter werden heute oft angegeben, vermutlich weil die durchschnittliche Wohnfläche pro Mensch in Deutschland 2022 rund 49 Quadratmeter beträgt. Und das ist zu viel. Wir müssen wieder kleiner wohnen.“

Warum – auch das erklärt der Professor. „Die Gebäude werden immer besser, aber aller technischer Fortschritt, alle Vorteile durch bessere Dämmung, superisolierte Fenster etc. gehen durch größere Wohnflächen und Komfortansprüche verloren.“ Die Wissenschaft nennt dies den Rebound Effekt. Hirth und seine 20 Studierenden haben das Tiny House „Circular Tiny House CTH*1“ mit 19 Quadratmetern auf zwei Ebenen entwickelt, das auf einem Parkplatz des Campus‘ steht.

Der Gebäudesektor ist wesentlich für den Verbrauch von Ressourcen und Energie verantwortlich und ein großer CO2 Emittent. „Da setzt das Projekt an“ sagt Hirth. Das Gebäude ist aus Abfallholz gebaut, mit Stroh gedämmt, innen mit Lehm verputzt. Die Fenster wurden bei einem nahe gelegenen Abbruch geborgen. Es wurde kein Beton verwendet, keinerlei C02 erzeugenden Bindemittel verwendet.

Das Tiny Haus kann komplett wieder verwendet werden

Rainer Hirth: „Der ganze Ansatz ist zirkulär.“ Beim Rückbau entsteht kein Bauschutt. Das Besondere an dem Haus ist außerdem, dass es autark funktioniert – zumindest für die Monate, in denen nicht geheizt wird. Es kommt ohne Anschlüsse für Wasser und Abwasser aus. Das Uni-Mikrohaus verfügt über einen Tank für Frischwasser, einen, der Regenwasser sammelt fürs Duschen und Schwarzwasser (also Abwasser) für die WC-Anlage- Strom kommt über die Photovoltaik-Anlage.

Die Benutzer sollten sich ganz normal bewegen. „Wir haben ein Messgerät mit einem Bewegungssensor, der merkt, ob eine oder mehrere Personen im Haus sind, wie die Temperatur dann ansteigt, auch den CO2-Wert kann man messen“, sagt Rainer Hirth. „Licht wird über Sprachsteuerung gesteuert.“ Wenn es demnächst in Betrieb geht, können Gäste der Fakultät jeweils für zwei Wochen dort wohnen, ihre Erfahrungsdaten münden ins fünf Jahre dauernde Forschungsprojekt. Danach bekommt der Bauer sein Stroh zurück.

Mobile Wohnmodule in Stuttgart

Wie sich das Wohnen in Zukunft gestalten wird, untersucht auch die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) mit Unterstützung der Stadt Stuttgart. Auf einer rund 5600 Quadratmeter großen Brachfläche zwischen der Universität Stuttgart und der Steuerberater-Kammer und angrenzenden Wohnhäusern, auf der in einigen Jahren ein weiteres Fakultätsgebäude für die DHBW entstehen soll, wird ein „Reallabor“ namens „MoCLi“ gebaut. Offiziell keine Tiny Houses, aber 24 artverwandte „mobile Wohnmodule“, wie Klaus Homann, Professor und Studiengangleiter Wirtschaftsingenieurwesen Facility Management der DHBW betont.

Bewohnt werden sie, wenn die Finanzierung steht, voraussichtlich ab 2023 von Studierenden. Die Module werden jeweils zu zweit genutzt, und das sieben bis zehn Jahre lang, bis der Neubau kommt. Danach kann man die 30 bis 50 Quadratmeter großen Module anderswo verwenden. „Die Wohnmodule sollen einzeln funktionieren, stapelbar oder kombinierbar sein.“

Sie können sich je nach Bedarf an ein neues Grundstück anpassen. „Das Konzept ist für die verschiedensten Nutzer geeignet, bis hin zur kurzfristigen Wohnraumbereitstellung für Geflüchtete oder als Übergangslösung für Menschen, die ihr Heim durch eine Naturkatastrophe verloren haben.

Die Nachbarn werden ins Projekt einbezogen

Die Häuser sollen 2023 stehen. Erforscht wird dann, „die Lebensrealität der Bewohner, die Einbindung in die Nachbarschaft“, sagt Klaus Homann. „Wir wollen herausfinden, ob solche zeitlich begrenzten Zwischenlösungen nachhaltig und universell übertragbar sind.“ Freiflächen sollen zu einer „kleinen grünen Lunge werden“ und auch von den angrenzenden Bewohnern genutzt werden können. Geplant ist „Begrünung, Beschattung und ein Wanderwald (Tiny Forest), der später mit den Häusern umziehen könnte.“

Teil des Projekts ist auch, die Öffentlichkeit teilhaben zu lassen mit einem mobilen Info-Point auf dem Campus und anderen Orten in der Stadt. Wenn die Anfangsfinanzierung steht, könnten im Herbst 2023 die Module aufgestellt werden. Mit VR-Brille kann man sich bis dahin dann sozusagen auf dem Grundstück und in den Häusern bewegen – so lange bis die Kräne stehen und die ja stets besonders unter der schlechten Wohnsituation leidenden Studierenden einziehen können.

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