Heftiges Schnäuzen und Niesen, eine trockene Raumluft und chemische Reizstoffe wie Chlor können leicht zu Nasenbluten führen. Dann ist Nasenbluten harmlos. Insbesondere bei älteren Menschen können jedoch Faktoren vorliegen, die sogar das harmlose Nasenbluten komplizierter machen und Anlass für einen Arztbesuch oder in schweren Fällen für einen Krankenhausaufenthalt sein können. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.
Wann tritt Nasenbluten auf?
Eigentlich immer dann, wenn die feinen Gefäße in der stark durchbluteten Nasenschleimhaut verletzt werden. „Ist die Blutung beim Hineinschauen in die Nase direkt sichtbar, was in neun von zehn Fällen zutrifft, dann geht sie von einem fein gesponnenen Gefäßnetz in der Nasenschleimhaut vorne auf der Nasenscheidewand aus, dem Locus Kiesselbachii“, erzählt der Starnberger HNO-Arzt Bernhard Junge-Hülsing, Landesvorsitzender des Bayerischen Berufsverbands der HNO-Ärzte. Die kleinen Gefäße liegen dort nahe an der Oberfläche und sind deshalb leicht zu verletzen. Ein Schnupfen oder trockene Luft können leicht Risse verursachen. Nasenbluten kann aber auch ein saisonales Anzeichen für eine Allergie wie beispielsweise eine Hausstauballergie sein. „Die greift die Schleimhäute an, und dann blutet es halt“, sagt Junge-Hülsing. „Das ist in jedem Alter ein Problem, aber ab 50 Jahren werden die Schleimhäute immer trockener und die Blutgefäße des Locus Kiesselbachii mit zunehmendem Alter auch spröder und brüchiger. Und wer blutverdünnende Medikamente einnimmt, muss ebenfalls nicht überrascht sein: Da verlängert sich die Blutungsdauer, und der Blutverlust fällt größer als normal aus. Werden zusätzlich nötige Blutverdünnungshemmer überdosiert, dann kann es zu Nasenbluten kommen. Das ist nicht selten bei Personen der Fall, die beispielsweise Herzrhythmusstörungen haben oder bei denen bereits in der Vergangenheit eine Blutgerinnselbildung in den Beinvenen, eine Thrombose, aufgetreten ist.
Was sollte man bei häufigerem Nasenbluten machen?
Wenn sich das Nasenbluten aus den eingangs genannten Gründen häuft, rät der Starnberger Experte zur Nasenpflege, wozu es gehört, die Nase mit Salzwasser (also einer 0,9-prozentigen Salzlauge, die man herstellen kann, indem man eine Messerspitze Salz in ein Glas Wasser gibt) zu spülen und die Nasenschleimhaut mit einer geeigneten Nasensalbe zu pflegen. Und was noch? „Ganz einfach, die Nasenschleimhaut in den Wintermonaten regelmäßig befeuchten“, rät Junge-Hülsing. Die Luft ist im Winter deutlich trockener als im Sommer. Und durch die Temperaturabsenkung sei die Luft in den Bürogebäuden dieses Jahr noch trockener geworden als zuvor. „Je kälter es wird, desto weniger Feuchtigkeit wird in der Umgebungsluft gespeichert, selbst dann, wenn es mehr regnet. Für Leute mit ewig verkrusteter Nase wäre während der kalten Jahreszeit ein Leben in feuchtwarmem Tropenklima wie in Brasilien, Kenia oder auf Bali optimal.“ Für die meisten bleibt aber wohl nur, im Winter darauf zu achten, dass die Luft in der Wohnung eher feucht ist. Es reicht schon, dafür zu sorgen, dass Flüssigkeit verdampfen kann, sodass die Luftfeuchtigkeit bei 40 Prozent bis 50 Prozent liegt.
In welchen Fällen ist Nasenbluten nicht harmlos?
Nasenbluten kann einen Bluthochdruck anzeigen. Das unbedingt ernst nehmen, da auch das Schlaganfallrisiko erhöht ist. Das ist aber nicht das Einzige. „Es kann auch mal sein, dass eine Leukämie oder Leberfunktionsstörung eine Blutgerinnungsstörung verursacht haben“, so Junge-Hülsing. Eine weitere potenzielle Ursache ist eine seltene Autoimmunerkrankung, der Morbus Wegener, bei dem fehlprogrammierte Abwehrzellen die Innenwände der kleinen Blutgefäße angreifen und zerstörerische Entzündungen hervorrufen. Doch auch ein Tumor oder eine infolge einer Infektion mit Humanen Papillomaviren gewachsene Warze können mal dahinterstecken.
Wer sollte bei Nasenbluten zum HNO-Arzt gehen?
„Eigentlich jeder, bei dem es immer wieder zum Nasenbluten kommt“, rät der Mediziner. So kann man sicherstellen, dass man nicht ein ernstes Problem übersieht. Das gilt bei häufigem und stärkerem Nasenbluten oder auch bei erstmaligem Nasenbluten ohne ersichtlichen Grund. Der Arztbesuch ist auch ratsam, wenn bei einem Erwachsenen über mehrere Tage oder Wochen nach dem Schnäuzen immer kleine Blutspuren im Taschentuch zu sehen sind, die nur aus ein und demselben Nasenloch stammen.
Was Sie tun sollten, wenn die Nase blutet
Haltung
„Den Kopf möglichst weder nach vorne noch nach hinten beugen. Am besten aufrecht hinsetzen und den Bereich am Übergang der beiden Nasenflügel zum Knorpel für etwa fünf Minuten zusammendrücken“, sagt Junge-Hülsing. In den meisten Fällen stoppt dann die Blutung.
Kühlung
„Normal sitzenbleiben und mit einem Coolpack im Nacken kühlen oder einen Eiswürfel lutschen“, rät der HNO-Arzt. Das führt dazu, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen und die Blutung stoppt.
Reizung
Das Blut solle man möglichst nicht schlucken. „Ansonsten kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen, da das im Blut enthaltene Eisen die Magenschleimhaut reizt.“
Verödung
Falls die Blutung aus der Nase nicht stoppt, sollte man zum Arzt gehen, insbesondere, wenn man blutverdünnende Medikamente einnimmt. Bei einer leichten, eindeutig lokalisierbaren Blutung im vorderen Nasenbereich kann der Arzt die Blutgefäße veröden. Kann eine Verödung die Blutung nicht stoppen oder ist die Blutungsquelle nicht sofort feststellbar, erfolgt eine Tamponade. Bei stärkerer Blutung verbleibt die Tamponade für 24 bis 48 Stunden. Blutet es nach der Entfernung der Tamponade erneut, wird das blutende Gefäß in Narkose verschlossen.

