Wer gerne zum Zahnarzt geht, Spaß bei der Steuererklärung hat und mit Hingabe für wichtige Prüfungen lernt, der braucht hier nicht weiterzulesen. Für alle anderen gilt: Augen zu und durch.
Wer unangenehme Aufgaben zu lange aufschiebt, muss mit negativen Konsequenzen rechnen. Das ist auch den Menschen durchaus bewusst, die unter Aufschieberitis leiden, nur putzen die eben lieber ihr Fahrrad oder räumen die Abstellkammer auf, anstatt sich diesen unerfreulichen Aufgaben zu stellen. Getreu dem Motto: Morgen ist ja schließlich auch noch ein Tag.
Mit Faulheit hat das nichts zu tun
Vor allem Menschen, die Berufsleben und Alltag eigenverantwortlich gestalten können, sind für Aufschieberitis anfällig, die Fachleute als Prokrastination bezeichnen. Unter Studenten ist das Aufschieben besonders verbreitet, so sehr, dass Universitäten den Betroffenen Hilfe anbieten. Laut Prokrastinationsambulanz der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hat Prokrastination „nichts mit Faulheit zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um ein ernsthaftes Problem der Selbststeuerung, für das es professionelle psychologische Hilfe gibt.“ Doch woran liegt es, dass manche Menschen genau die gleichen Aufgaben innerhalb der vorgegebenen Zeit erledigen, während andere sie vor sich herschieben und ein Vermeidungsverhalten an den Tag legen?
Untersuchung im Kernspintomografen
Ein Wissenschaftlerteam der Ruhr-Universität Bochum hat eine Antwort auf diese Frage gefunden. Die Biopsychologen um Caroline Schlüter, Erhan Genc, Marlies Pinnow und Onur Güntürkün haben entdeckt, dass sich das Gehirn der Aufschieber von dem der Macher unterscheidet. Dazu steckten die Forscher 264 Frauen und Männer in einen Kernspintomografen und bestimmten das Volumen einzelner Hirnareale und deren Vernetzung. Außerdem stellten sie mithilfe eines Fragebogens die Fähigkeit der Probanden zur Handlungskontrolle fest.
Warnung vor negativen Konsequenzen
Das Ergebnis: Die Versuchsteilnehmer mit einer schlechten Handlungskontrolle hatten eine größere Amygdala. Zudem war bei diesen Menschen die funktionelle Verbindung zwischen Amygdala und dem sogenannten dorsalen anterioren cingulären Kortex (dorsaler ACC) weniger stark ausgeprägt. Die Amydala ist dazu da, um Situationen und deren Ausgang zu beurteilen und uns vor negativen Konsequenzen zu warnen. Wohingegen der dorsale ACC Informationen über den potenziellen Ausgang einer Handlung nutzt, um die Handlungen auszuwählen, die dann in die Tat umgesetzt werden.
Hilfe nicht auf die lange Bank schieben
Die Theorie der Forscher ist nun, dass die Handlungskontrolle nicht mehr erfolgreich ausgeführt werden kann, wenn das Zusammenspiel zwischen Amygdala und dorsalem ACC gestört ist. „Menschen mit höherem Amygdala-Volumen könnten eine größere Furcht vor den negativen Konsequenzen einer Handlung haben. Sie zögern und schieben Dinge auf“, sagt Erhan Genc. „Die geringe funktionelle Kopplung zwischen der Amygdala und dem dorsalen ACC könnte diesen Effekt verstärken, indem störende negative Emotionen und Handlungsalternativen unzureichend reguliert werden.“
Bei großen Problemen Hilfe holen
Natürlich ist nicht jeder gleich von Prokrastination betroffen, der mal vor sich hin bummelt. Zum Problem kann das Aufschieben dann werden, wenn ein Alltagsleben so nicht mehr möglich ist. Psychische und physische Probleme können die Folge sein wie Unzufriedenheit, Selbstvorwürfe, Schuldgefühle, Stress sowie Schlafstörungen bis hin zu Depressionen und Herz-Kreislauf-Problemen. In dem Fall sollten Betroffene psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Das dürfen sie dann allerdings nicht auch auf die lange Bank schieben.
Was man gegen das Aufschieben tun kann
To-do-Liste
Strukturieren Sie Ihren Arbeitsalltag. Nutzen Sie einen Kalender, und machen Sie sich eine To-do-Liste. Setzen Sie Prioritäten. Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wichtiges kommt zuerst dran, weniger Wichtiges später.
Funkstille
Lassen Sie sich nicht ablenken. Ein ablenkungsarmes Arbeitsumfeld hilft dabei. Das Handy, wenn möglich, ganz abstellen und weglegen. Nicht ständig Mails checken und schon gar nicht alle paar Minuten in die sozialen Netzwerke schauen. Schwatzende Kollegen in den Nebenraum verbannen.
Ziele
Setzen Sie sich erst einmal kleine, realistische Ziele, die auch erreichbar sind. Seien Sie nicht zu perfekt. Oft reicht es, nicht 100 Prozent erfolgreich zu sein.
Anfangen
Auch wenn Sie meinen, noch genügend Zeit für eine anstehende Aufgabe zu haben: Was man hat, das hat man. Also anfangen und durchziehen. Wer früher fertig ist, hat früher frei.
Belohnung
Belohnen Sie sich für Erfolge, und gehen Sie abends ins Restaurant oder ins Kino, wenn alles geklappt hat. Der Gedanke daran motiviert.
Geduld
Machen Sie sich keine Schuldgefühle, auch dann nicht, wenn es mit dem Aufschieben des Aufschiebens nicht auf Anhieb klappt.

