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Können Riesenviren die arktischen Gletscher retten?

Forscher haben erstmals Riesenvieren auch im grönländischen Eisschild entdeckt. Sie ernähren sich von Schneealgen, deren Blütenteppiche alljährlich das Meereis verfärben und so in der Sonne schneller zum Schmelzen bringen. Lässt sich mithilfe dieser Mega-Viren die Eisschmelze eindämmen?

  • Auch in den endlosen Eis- und Schneelandschaften Grönlands leben Algen, die bestimmten Riesenviren als Nahrung dienen.Foto: Imago/Zoonar

    Auch in den endlosen Eis- und Schneelandschaften Grönlands leben Algen, die bestimmten Riesenviren als Nahrung dienen.Foto: Imago/Zoonar

Es klingt wie aus einem jener Science-Fiction-Katastrophenfilme aus Hollywood: Im arktischen Eis werden riesige Viren entdeckt. Doch ist die Erde durch ihr Auftauen nicht dem Untergang geweiht, wie es in solchen Filmen häufig der Fall ist.

Wo Riesenviren bisher entdeckt wurden

Es gibt diese Riesenviren (englisch: giant virus, GV, oder girus) tatsächlich. Die überdimensionalen Infektionserreger könnten im Idealfall im Gegenteil dazu beitragen, das Abschmelzen des Eises zu verlangsamen und so die globale Erwärmung abzumildern.

Seit ihrer ersten Entdeckung Anfang der 1980er Jahre sind Riesenvieren bereits in den unterschiedlichsten Lebensräumen aufgespürt worden: im Meer, im Süßwasser, im Waldboden und sogar in Kläranlagen. Forscher um Laura Perini von der dänischen Universität Aarhus sind jetzt erstmals auch in den Eisschilden Grönlands auf Riesenviren gestoßen. Tatsächlich unter dem Mikroskop gesehen hat das Team die viralen Riesen allerdings noch nicht.

Wie die Forscher in ihrer im Fachjournal „Microbiome“ veröffentlichten Studie schreiben, könnten sich die die Viren von den Schneealgen ernähren und als natürlicher Kontrollmechanismus gegen die Algenblüte wirken.

Was genau sind Riesenviren?

Normale Viren sind rund 1000 Mal kleiner als Bakterien. Riesenviren hingegen sind sowohl von der Größe als auch vom Erbgut (Genom) her deutlich größer. Sie können bis zu 2,5 Mikrometer groß werden, während die meisten Bakterien etwa zwei Mikrometer groß sind.

Zudem enthalten Riesenviren circa 2,5 Millionen genetische Buchstaben in ihrem Genom – also dem gesamten genetischen Material eines Organismus, das in seiner DNA gespeichert ist – und sind damit weitaus komplexer als normale Viren. Bakteriophagen – das sind Viren, die Bakterien infizieren – haben beispielsweise nur 100 000 bis 200 000 Gen-Buchstaben.

Ein ganzes Ökosystem umgibt die Algen

Da die viralen DNA-Signaturen vor allem in Proben aus mit Schneealgen bewachsenen Stellen auftauchen, vermuten die Forschenden, dass die Viren diese Algen infizieren und sich somit von ihnen ernähren.

„Es gibt ein ganzes Ökosystem, das die Algen umgibt. Neben Bakterien, Fadenpilzen und Hefen gibt es Protisten, die die Algen fressen, verschiedene Pilzarten, die sie parasitieren. Und die Riesenviren, die wir gefunden haben, die sie infizieren“, erklärt Laura Perini.

Eigentlich sind die arktischen Algen, die während ihrer Blütezeit im Frühjahr große Schneeflächen schwarz, rot und grün einfärben, eher problematisch. Denn wenn das Eis bunt und damit dunkler wird, verringert sich seine Fähigkeit, die Sonne zu reflektieren. Dadurch heizt sich die Eisoberfläche auf und das Schmelzen des Eises beschleunigt sich.

Schneealgen sind Lieblingsspeise der Riesenviren

Da die Riesenviren als „Algenfresser“ die Algenblüten eindämmen, könnten sie die dunklen Farbflecken auf Schnee und Eis reduzieren. Man müsste nur eine Möglichkeit finden, die Viren auf besonders von Algen bewachsenen Eisflächen auszubringen. So ließe sich die durch die Algen verursachte Eisschmelze verringern, erklären die Forscher.

Allerdings ist noch nicht geklärt , wie effizient die Viren tatsächlich als Algenvertilger agieren. „Wenn wir sie weiter erforschen, hoffen wir, einige dieser Fragen beantworten zu können“, sagt Laura Perini.

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