Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine natürliche Periode im Leben einer Frau. Da sich in dieser Zeit das Zusammenspiel der Hormone ändert, können aber teils massive Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Vergesslichkeit, Schwindel oder Stimmungsschwankungen auftreten. „Etwa 75 Prozent der Frauen haben Symptome. Die Ausprägung ist jedoch individuell. Etwa ein Drittel ist stark beeinträchtigt“, sagt die Hamburger Frauenärztin Katrin Schaudig.
Individuelle Entscheidung
Bis vor 20 Jahren galt die Gabe von Hormonen als beste Therapieform. „Doch inzwischen nehmen immer weniger Frauen Hormone“, so Schaudig. Im Jahr 2000 entschieden sich laut einer aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse 37 Prozent für diese Behandlungsmethoden, heute sind es nur noch sechs Prozent. Denn es gibt zahlreiche Alternativen. „Zumindest, wenn die Beschwerden mild sind“, wie die Gynäkologin einschränkt.
Schaudig selbst rät zwar meist zur Hormonersatztherapie, bei der die Hormone, die der Körper nicht mehr selbst produziert, meist durch Cremes über die Haut zugeführt werden. „Man muss aber sehr individuell vorgehen, etwa wenn es Ängste, Abneigungen oder Risikofaktoren gibt.“
Ernährung In den Wechseljahren sinkt unter anderem die Produktion des Geschlechtshormons Östrogen, was zu Abbauprozessen in den Knochen und zu Osteoporose führen kann. Verlangsamen lässt sich das etwa durch eine ausreichende Kalziumzufuhr. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, täglich 1000 Milligramm Kalzium aufzunehmen. Eine gute Quelle sind Hartkäse, Naturjoghurt, Spinat und Brokkoli. Wer zudem Vollkornprodukte, Rohkost und Nüsse isst, fördert die träger werdende Verdauung. Bei Hitzewallungen kann auch helfen, Trigger wie heiße Getränke, Alkohol und scharfe Speisen einzuschränken oder ganz darauf zu verzichten. Überhaupt sollten spätestens die Wechseljahre als Anlass dafür genommen werden, mehr auf gesunden Lebensstil zu achten.
Insgesamt gesünder leben
Sport Durch Bewegung wird das vegetative Nervensystem stimuliert und stabilisiert. Besonders effektiv: Krafttraining, denn bei intensiver Muskelanspannung wird der Knochenbau angeregt und die Knochendichte verbessert. Gut für das Herz-Kreislauf-System sind Ausdauersportarten wie Radfahren und Schwimmen. Laut mehreren Studien hat auch Yoga einen positiven Effekt, da es Stress mindert, entspannt, die Schlafqualität und generell auch die Beweglichkeit verbessert. Bei allem gilt allerdings: auf die Regelmäßigkeit kommt es an.
Hypnose Es gibt zwar erst wenige wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, doch in einer Studie aus dem Jahr 2013 konnte ein positiver Einfluss von Hypnose bei Hitzewallungen und Schlafstörungen nachgewiesen werden. Ähnliches gilt für Entspannungsmethoden wie Tai-Chi, die Mindfulness-based Stress Reduction oder kognitive Verhaltenstherapien, bei denen man lernt, mit Beschwerden wie Angstzuständen und sexuellen Problemen umzugehen. Ein Leitgedanke dabei: Es ist nicht nur die Situation selbst, die Probleme bereitet, sondern auch die Bedeutung, die man ihr zumisst.
Vorsicht bei Phytoöstrogenen
Pflanzliche Mittel Es gibt zahlreiche pflanzliche Präparate zur Linderung von Beschwerden. Stehen depressive Verstimmungen im Vordergrund, kann etwa Johanniskraut helfen. Mönchspfeffer kann die körpereigene Östrogenproduktion wieder ein klein wenig ankurbeln. Da die Mittel Nebenwirkungen haben können, sollte man die Einnahme mit einem Arzt besprechen.
Phytoöstrogene Hierzu zählen etwa Produkte aus Rotklee, sibirischem Rhabarber und Cimicifuga, der Wurzel der Traubensilberkerze. Extrakte aus diesen Pflanzen können die Östrogenrezeptoren im Körper beeinflussen, ohne Hormone zu sein. „Mit Phytoöstrogenen wäre ich aber zurückhaltend, wenn ein erhöhtes Brustkrebsrisiko vorliegt“, sagt die Frauenärztin Katrin Schaudig. Außerdem sollten Mittel aus der Apotheke verwendet werden: Nur hier kann man sicher sein, dass die Wirkstoffe in ausreichender Konzentration enthalten sind.
Wann beginnen die Wechseljahre?
Beschwerden
Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, sind ein natürlicher Prozess. Sie sind mit körperlichen Veränderungen verbunden, die unterschiedlich wahrgenommen werden. Etwa ein Drittel der Frauen leiden unter massiven Beschwerden, ein Drittel unter milden, das letzte Drittel spürt gar keine Symptome.
Phasen
Das Klimakterium wird in Prämenopause, Perimenopause, Menopause und Postmenopause unterschieden. Beginn und Dauer sind individuell, die Übergänge fließend. Klar ist: Etwa die Hälfte der Frauen hat mit 52 ihre letzte Menstruation.

