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Großmächte und ihre indirekten Kriege

Die Nato-Staaten unterstützen die Ukraine im Krieg gegen Russland. Der russische Außenminister Lawrow sieht darin einen Stellvertreterkrieg mit Russland. Wir erklären, was dieser Begriff bedeutet und wo seit 1945 solche Konflikte ausgefochten wurden.

  • Ein ukrainischer Soldat geht an einem verlassenen Panzer der russischen Armee in der Stadt Andrijiwka  vorbei.Foto: AP/dpa/Vadim Ghirda

    Ein ukrainischer Soldat geht an einem verlassenen Panzer der russischen Armee in der Stadt Andrijiwka vorbei.Foto: AP/dpa/Vadim Ghirda

  • Zivilisten im Koreakrieg: Der erste Stellvertreterkrieg wurde von 1950 bis 1953 auf der koreanischen Halbinsel ausgetragen. Als die Nordkoreaner 1950 die Grenze zum Süden überschritten, griffen die USA auf der Seite Südkoreas militärisch in den Konflikt ein. Die Sowjetunion hingegen lieferte Nordkorea Waffen, China intervenierte mit rund 200 000 Soldaten. Der Krieg endete 1953 und festigte die Teilung Koreas.Foto: Wikipedia commons/Maj. R. V. Spencer/National Archives and Records Administration

    Zivilisten im Koreakrieg: Der erste Stellvertreterkrieg wurde von 1950 bis 1953 auf der koreanischen Halbinsel ausgetragen. Als die Nordkoreaner 1950 die Grenze zum Süden überschritten, griffen die USA auf der Seite Südkoreas militärisch in den Konflikt ein. Die Sowjetunion hingegen lieferte Nordkorea Waffen, China intervenierte mit rund 200 000 Soldaten. Der Krieg endete 1953 und festigte die Teilung Koreas.Foto: Wikipedia commons/Maj. R. V. Spencer/National Archives and Records Administration

  • M48-Panzer der US-Streitkräfte am Checkpoint Charlie;  der weiße Streifen markiert die Grenze des Amerikanischen Sektors: Die Berlin-Krise, auch zweite Berlin-Krise genannt, begann am 27. November 1958, als die Sowjetunion unter Nikita S. Chruschtschow eine Note an die drei westlichen Besatzungsmächte Berlins, die USA, Großbritannien und Frankreich, richtete. Am 13. August 1961 folgte  der Mauerbau, mit der Hoffnung die Westmächte zu Zugeständnissen zu bewegen.Foto: Wikipedia commons/Tobias-Maverick Neumann/CC BY-SA 3.0

    M48-Panzer der US-Streitkräfte am Checkpoint Charlie; der weiße Streifen markiert die Grenze des Amerikanischen Sektors: Die Berlin-Krise, auch zweite Berlin-Krise genannt, begann am 27. November 1958, als die Sowjetunion unter Nikita S. Chruschtschow eine Note an die drei westlichen Besatzungsmächte Berlins, die USA, Großbritannien und Frankreich, richtete. Am 13. August 1961 folgte der Mauerbau, mit der Hoffnung die Westmächte zu Zugeständnissen zu bewegen.Foto: Wikipedia commons/Tobias-Maverick Neumann/CC BY-SA 3.0

  • Das US-Luftbild vom 1. November 1962 zeigt sowjetische Raketenstellungen auf Kuba: Die Kubakrise  im Oktober 1962 war eine Konfrontation zwischen den USA  und der UdSSR, die sich aus der Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba im Rahmen des nuklearen Wettrüstens entwickelte.Foto: Wikipedia commons/USAF –  http://www.af.mil/photos

    Das US-Luftbild vom 1. November 1962 zeigt sowjetische Raketenstellungen auf Kuba: Die Kubakrise im Oktober 1962 war eine Konfrontation zwischen den USA und der UdSSR, die sich aus der Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba im Rahmen des nuklearen Wettrüstens entwickelte.Foto: Wikipedia commons/USAF – http://www.af.mil/photos

  • US-Hubschraubereinsatz in Vietnam (1966): 1964 intervenierten USA und Sowjetunion im Vietnamkrieg. Die Sowjetunion stattete das kommunistische Nordvietnam mit Waffen aus, während die USA für die Südvietnamesen mit Hunderttausenden eigenen Soldaten einsetzte. Der Konflikt endete 1973 mit dem erfolglosen Abzug der US-Truppen und der Eroberung Südvietnams durch die Kommunisten.Foto: Wikipedia commons/James K. F. Dung, SFC/National Archives and Records Administration

    US-Hubschraubereinsatz in Vietnam (1966): 1964 intervenierten USA und Sowjetunion im Vietnamkrieg. Die Sowjetunion stattete das kommunistische Nordvietnam mit Waffen aus, während die USA für die Südvietnamesen mit Hunderttausenden eigenen Soldaten einsetzte. Der Konflikt endete 1973 mit dem erfolglosen Abzug der US-Truppen und der Eroberung Südvietnams durch die Kommunisten.Foto: Wikipedia commons/James K. F. Dung, SFC/National Archives and Records Administration

  • Zerstörungen in der syrischen Stadt Quneitra auf den Golanhöhen: Der Jom-Kippur-Krieg  war ein Krieg vom 6. bis zum 25. Oktober 1973, der von Ägypten, Syrien und weiteren arabischen Staaten gegen Israel geführt wurde.  Westliche Staaten unter Führung der USA unterstützten Israel mit Waffen, während die arabischen Staaten von der Sowjetunion militärisch ausgerüstet wurden.Foto: Wikipedia commons/The Online Museum for Syrian History

    Zerstörungen in der syrischen Stadt Quneitra auf den Golanhöhen: Der Jom-Kippur-Krieg war ein Krieg vom 6. bis zum 25. Oktober 1973, der von Ägypten, Syrien und weiteren arabischen Staaten gegen Israel geführt wurde. Westliche Staaten unter Führung der USA unterstützten Israel mit Waffen, während die arabischen Staaten von der Sowjetunion militärisch ausgerüstet wurden.Foto: Wikipedia commons/The Online Museum for Syrian History

  • Sowjetisches Kriegsmaterial im Angola-Konflikt: Der Bürgerkrieg in Angola dauerte mit Unterbrechungen von 1975 bis 2002. Er begann 1975 unmittelbar vor Angolas Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Portugal und nahm  den Charakter eines Stellvertreterkrieges zwischen dem Ostblock (einschließlich Kubas) und den Westmächten (einschließlich des Apartheidregimes in Südafrika) an.Foto: Wikipedia commons/Ernmuhl at lb.wikipedia/CC BY-SA 3.0

    Sowjetisches Kriegsmaterial im Angola-Konflikt: Der Bürgerkrieg in Angola dauerte mit Unterbrechungen von 1975 bis 2002. Er begann 1975 unmittelbar vor Angolas Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Portugal und nahm den Charakter eines Stellvertreterkrieges zwischen dem Ostblock (einschließlich Kubas) und den Westmächten (einschließlich des Apartheidregimes in Südafrika) an.Foto: Wikipedia commons/Ernmuhl at lb.wikipedia/CC BY-SA 3.0

  • Kubanische Soldaten im Ogadenkrieg: Dieser Konflikt war ein Krieg zwischen Äthiopien und Somalia um die Region Ogaden 1977 bis 1978.  Der Konflikt stand im Zeichen des Kalten Krieges:  Äthiopien  wurde ab 1977 von der Sowjetunion unterstützt, woraufhin Somalia  mit der Sowjetunion brach und von nun an US-Unterstützung erhielt.Foto: Wikipedia commons/Cuban Armed Forces and the Soviet Military Presence

    Kubanische Soldaten im Ogadenkrieg: Dieser Konflikt war ein Krieg zwischen Äthiopien und Somalia um die Region Ogaden 1977 bis 1978. Der Konflikt stand im Zeichen des Kalten Krieges: Äthiopien wurde ab 1977 von der Sowjetunion unterstützt, woraufhin Somalia mit der Sowjetunion brach und von nun an US-Unterstützung erhielt.Foto: Wikipedia commons/Cuban Armed Forces and the Soviet Military Presence

  • Sowjetischer Soldat bei der Überwachung einer Straße in Afghanistan (1988): 1979 kam es in Afghanistan zum letzten Stellvertreterkrieg des Kalten Krieges. Die Sowjetunion marschierte in Kabul ein, um die kommunistische Regierung zu stützen. Die USA und andere Länder unterstützten die Mudschaheddin mit Waffenlieferungen. 1989 mussten sich die sowjetischen Truppen aus Afghanistan zurückziehen.Foto: Wikipedia commons/RIA Novosti archive, image #21225 / A. Solomonov / CC-BY-SA 3.0

    Sowjetischer Soldat bei der Überwachung einer Straße in Afghanistan (1988): 1979 kam es in Afghanistan zum letzten Stellvertreterkrieg des Kalten Krieges. Die Sowjetunion marschierte in Kabul ein, um die kommunistische Regierung zu stützen. Die USA und andere Länder unterstützten die Mudschaheddin mit Waffenlieferungen. 1989 mussten sich die sowjetischen Truppen aus Afghanistan zurückziehen.Foto: Wikipedia commons/RIA Novosti archive, image #21225 / A. Solomonov / CC-BY-SA 3.0

  • Russische Soldaten im Dezember 2016 in Aleppo: Im syrischen Bürgerkrieg (seit 2011)  wird Machthaber Baschar al-Assad von Russland, dem Iran und der libanesischen Hisbollah unterstützt, während sich die USA, Türkei und Saudi-Arabien auf der Seite verschiedener Rebellengruppen engagieren.Foto: Wikipedia commons/Mil.ru/CC BY 4.0

    Russische Soldaten im Dezember 2016 in Aleppo: Im syrischen Bürgerkrieg (seit 2011) wird Machthaber Baschar al-Assad von Russland, dem Iran und der libanesischen Hisbollah unterstützt, während sich die USA, Türkei und Saudi-Arabien auf der Seite verschiedener Rebellengruppen engagieren.Foto: Wikipedia commons/Mil.ru/CC BY 4.0

  • Ein jemenitischer Soldat untersucht die Stelle, an der Raketen eines saudi-geführten Luftangriffes eingeschlagen sind: Im Jemen liefern sich seit 2015 die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen brutale Kämpfe gegen die Regierungstruppen, auf deren Seite Saudi-Arabien in den Konflikt militärisch eingriffen hat.Foto: Hani Mohammed/AP/dpa

    Ein jemenitischer Soldat untersucht die Stelle, an der Raketen eines saudi-geführten Luftangriffes eingeschlagen sind: Im Jemen liefern sich seit 2015 die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen brutale Kämpfe gegen die Regierungstruppen, auf deren Seite Saudi-Arabien in den Konflikt militärisch eingriffen hat.Foto: Hani Mohammed/AP/dpa

Nach den Worten des russischen Außenministers Sergej Lawrow führt die Nato durch westliche Waffenlieferungen an die Ukraine einen Stellvertreterkrieg mit Russland.

„Lagereinrichtungen in der Westukraine wurden mehr als einmal (von russischen Streitkräften) angegriffen. Wie könnte es anders sein?“, „Die Nato führt im Grunde genommen einen Krieg mit Russland durch einen Stellvertreter und rüstet diesen Stellvertreter auf. Krieg bedeutet Krieg“, sagte Lawrow in einem am Montag ausgestrahlten Interview des Staatsfernsehens.

Die Regierung in Moskau betrachte diese Waffen demnach als legitime Ziele für das russische Militär im Rahmen der Sonderoperation, so Lawrow. Russland hat verboten, von einem „Krieg“ zu sprechen. Sie nennt den Einmarsch in die Ukraine wahlweise eine „Sonderoperation“ oder eine „Friedensmission“.

Die USA hatten am Montag weitere Militärhilfen im Umfang von 713 Millionen Dollar für die Ukraine und die Region zugesichert. Auch die Europäische Union beschloss bereits Militärhilfen in Millionenhöhe, weitere Sanktionspakete sind in Arbeit.

Stellvertreterkriege während des Kalten Krieges

Stellvertreterkriege waren vor allem charakteristisch für die Zeit des Kalten Krieges. Dieser Konflikt zwischen den Westmächten unter Führung der USA und der Sowjetunion mit ihren Verbündeten wurde von 1947 bis 1989 mit nahezu allen Mitteln austrugen.

Die beiden um die weltweite Vorherrschaft konkurrierenden Supermächte mischten sich in Bürgerkriege und Krisenherde in Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika ein, um den Einfluss des anderen zurückzudrängen. Zu einer direkten militärischen Auseinandersetzung, der in einen Dritten Weltkrieg und wohl in eine globale atomare Katastrophe geführt hätte, kam es dabei jedoch nie.

Lesen Sie weiter: Weltmächte im Ukrainekrieg – Heißer Draht zwischen Russland und den USA

Geostrategische Gründe

Dass die USA und Sowjetunion stellvertretend die ihnen loyal gesinnten Parteien unterstützten, hatte geostrategische Gründen, da jeder Bürgerkrieg eine Machtverschiebung zur Folge haben konnte.

Die USA und Sowjetunion standen sich mit unvereinbaren Staatssystemen und Ideologien gegenüber und wollten den weltpolitischen Einfluss des Gegners in allen Teilen der Erde zurückdrängen.

Koreakrieg

Der erste Stellvertreterkrieg wurde von 1950 bis 1953 auf der koreanischen Halbinsel ausgetragen. Als die Nordkoreaner 1950 die Grenze zum Süden überschritten, griffen die USA auf der Seite Südkoreas militärisch in den Konflikt ein. Die Sowjetunion hingegen lieferte Nordkorea Waffen, China intervenierte mit rund 200 000 Soldaten. Der Krieg endete 1953 und festigte die Teilung Koreas.

Vietnamkrieg

1964 intervenierten USA und Sowjetunion im Vietnamkrieg. Die Sowjetunion stattete das kommunistische Nordvietnam mit Waffen aus, während die USA für die Südvietnamesen mit Hunderttausenden eigenen Soldaten einsetzte. Der Konflikt endete 1973 mit dem erfolglosen Abzug der US-Truppen und der Eroberung Südvietnams durch die Kommunisten.

Afghanistankrieg

1979 kam es in Afghanistan zum letzten Stellvertreterkrieg des Kalten Krieges. Die Sowjetunion marschierte in Kabul ein, um die kommunistische Regierung zu stützen. Die USA und andere Länder unterstützten die Mudschaheddin mit Waffenlieferungen. 1989 mussten sich die sowjetischen Truppen aus Afghanistan zurückziehen.

Weitere Stellvertreterkriege

Neben den Stellvertreterkriegen in Korea, Vietnam und Afghanistan gab es zahlreiche weitere Krisenherde, die die Ära des Kalten Krieges prägten: die Berlin-Krise 1958, die Kuba-Krise 1962, der Jom-Kippur-Krieg 1973, der Bürgerkrieg in Angola 1970 bis 2002, der Ogadenkrieg in Äthiopien 1977/78.

Der Zerfall der Sowjetunion (offiziell am 21. Dezember 1991) bedeutete zwar das Ende des Kalten Krieges, nicht aber das Aus für Stellvertreterkriege. Im syrischen Bürgerkrieg (seit 2011) wird Machthaber Baschar al-Assad von Russland, dem Iran und der libanesischen Hisbollah unterstützt, während sich die USA, Türkei und Saudi-Arabien auf der Seite verschiedener Rebellengruppen engagieren.

Im Jemen liefern sich seit 2015 die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen brutale Kämpfe gegen die Regierungstruppen, auf deren Seite Saudi-Arabien in den Konflikt militärisch eingriffen hat.

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