Die Idee war zu schön: Programme wie ChatGPT, die auf Künstlicher Intelligenz basieren, sollten frei zugänglich sein. Jede und jeder könnte damit im Handumdrehen passable Texte erstellen und künftig auch viele andere nützliche Dinge mit Computer oder Smartphone anstellen. Das war zumindest der Plan, den die Initiatoren des US-Start-ups Open AI anfänglich hatten. Folgerichtig ging das Unternehmen hinter ChatGPT und dem KI-Bildgenerator Dall-E zunächst als Non-Profit-Organisation an den Start.
Naive Vorstellung
Nun zeigt sich, wie naiv diese Vorstellung war. Das enorm rechenintensive Training von KI-Software ist auf gemeinnütziger Basis kaum finanzierbar. Spätestens mit dem milliardenschweren Einstieg des Softwaregiganten Microsoft hielt auch bei Open AI der ganz normale Kapitalismus Einzug. Der Fast-Monopolist Microsoft ist bekanntlich das Gegenteil einer karitativen Einrichtung, wenn man mal von der Stiftung des Gründers Bill Gates absieht. So gesehen ist es konsequent, dass Sam Altman nach einigem Hin und Her nun doch an der Spitze von Open AI bleibt. Denn der alte und neue Chef des KI-Pioniers gilt im internen Streit als Verfechter einer gewinnorientierteren Ausrichtung des Unternehmens.
Schon vor Open AI konnte man erkennen, dass es auch in der digitalen Welt vor allem um Profite geht. Dabei sollte bereits das Internet als solches zur Demokratisierung von Informationen führen – das war zumindest der Traum vieler Pioniere. Tatsächlich hat sich das Netz zur Geldmaschine für wenige Großkonzerne entwickelt – und zu einem Ort grassierender Desinformation.
Ausnahme Wikipedia
Auch der Suchmaschinengigant Google ist einst mit der Maxime „Don’t be evil“ (Sei nicht böse) angetreten – und hat diesen hehren Vorsatz längst dem Gewinnstreben geopfert. Das Online-Lexikon Wikipedia funktioniert dagegen bis heute auf gemeinnütziger Basis. Mit einem schlichten Nachschlagewerk ist vermutlich einfach nicht so viel Geld zu verdienen, dass man damit digitale Renditejäger anlocken könnte.

