Bis heute sind weltweit über 900 Zeckenarten bekannt. Immer mehr von ihnen breiten sich in heimischen Gefilden aus. Typische Lebensräume für Zecken sind unter anderem lichte Wälder und Waldränder sowie Flächen mit hohem Gras oder Büschen. Das Infektionsrisiko ist besonders in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen und dem Südosten Thüringens hoch.
Wir stellen die besonders gefährlichen und in Deutschland vorkommenden Zeckenarten vor:
Gemeiner Holzbock
Die in Europa und Deutschland am weitesten verbreitete Zeckenart ist der Gemeine Holzbock.
Vorkommen: ganz Europa, außer in Gebirgslagen über 1500 Meter
Gefährlichkeit: Der Gemeine Holzbock ist die Zeckenart, die am häufigsten den Menschen befällt. Er überträgt Borrelien und FSME-Viren auf Mensch und Tier.
Aktivität: Männchen und Weibchen meist von März bis Oktober, Larven von April/Mai bis Oktober
Lebensraum: Wälder, Stadtparks, Gärten
Wirte: Kleinsäuger, Vögel, Eidechsen, Igel, Hasen, Reh-, Dam- und Rotwild, Füchse, Hunde, Katzen, Menschen
Auwaldzecke
Die Auwaldzecke, die ebenfalls FSME übertragen kann, macht sich in ganz Deutschland breit. Sie sucht im Gegensatz zu ihren seit Jahren etablierten Verwandten schon bei Temperaturen um die vier Grad aktiv nach Wirten, die sie stechen könnte.
Vorkommen: vorwiegend im östlichen und südwestlichen Deutschland
Gefährlichkeit: Die Auwaldzecke befällt hauptsächlich Hunde und Pferde, selten Menschen. Sie überträgt Babesien, die Erreger der sogenannten Hundemalaria.
Aktivität: Februar/März bis in den Mai hinein und ab August bis zum Beginn des Winters
Lebensraum: Wälder, Überschwemmungsgebiete, Wiesen, Brachen, Moore
Wirte: Kleinsäuger, Reh-, Dam- und Rotwild, Wildschweine, Pferde, Rinder, Schafe, Hunde, Menschen
Igelzecke
Die Igelzecke hält sich vorwiegend im Bau ihres Wirtstieres auf, wo sie auf ihren nächsten Wirt lauert.
Vorkommen: Deutschland und fast ganz Europa
Gefährlichkeit: Sie befällt selten Menschen und überträgt Borrelien und FSME-Viren.
Aktivität: März bis November, besonders im Frühjahr und Herbst
Lebensraum: Wälder, Stadtparks, Gärten
Wirte: Füchse, Igel, Wiesel, Iltis, Hermelin, Hunde, Katzen, Menschen
Schafzecke
Die Schafszecke oder Frühjahrswaldzecke ist in Deutschland selten, da sie vorwiegend in Steppenregionen lebt.
Vorkommen: in Süddeutschland selten, häufig in Gebieten mit Schafbeweidung und in der Steppe
Gefährlichkeit: Sie befällt selten den Menschen, kann dann jedoch das Rocky-Mountains-Fleckfieber, das sibirische Zeckenbissfieber, die Rinderanaplasmose und die Hundebabesiose übertragen.
Lebensraum: sonnenexponierte Wiesenflächen (Trockenrasen) und lichte Wälder
Wirte: Kleinsäuger, Schafe, Rotwild, Wildschweine, Ziegen, Rinder, Pferde, Hunde, Menschen
Taubenzecke
Die Taubenzecke ist in ganz Mitteleuropa anzutreffen - hauptsächlich an Gebäuden. Die Taubenzecke kann bis zu neun Jahre ohne Wirt leben.
Vorkommen: ganz Deutschland
Gefährlichkeit: Sie befällt hauptsächlich Tauben, gelegentlich den Menschen. Bisher wurden am Menschen nur allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock sicher nachgewiesen.
Aktivität: März bis Oktober, innerhalb von Gebäuden auch ganzjährig
Lebensraum: in oder an Gebäuden, außerdem in der Nähe der Brutplätze von Tauben
Wirte: Felsentauben, verwilderte Haustauben, Vögel, Geflügel, Menschen
Hyalomma
Auch Tropenzecken der Gattung Hyalomma, die in Afrika beheimatet sind, tauchen in Deutschland immer häufiger auf. Sie werden durch Zugvögel in Deutschland eingetragen. Mit zunehmend trockenen, warmen Sommern kann diese Zecke her zu einem Stammgast hierzulande werden.
Vorkommen: Südeuropa, Südasien, Afrika
Gefährlichkeit: Sie jagt aktiv und befällt auch Menschen – gefürchtet wird sie als Überträger des Krim-Kongo-Fiebers und Zecken-Fleckfiebers.
Aktivität: Juni bis Oktober
Lebensraum: Steppe, Wüsten und Wüstensteppen, trockene und heiße Gebiete
Wirte: Huftiere wie Schweine, Ziegen oder Schafe, Kamele, Menschen.
Gefährliche Spinnentiere
Zecken sind meist gar nicht so leicht zu entdecken: Die kleinen Spinnentiere mögen dünne Haut, weshalb sie sich oft an schwer erreichbaren Stellen wie den Kniekehlen, den Leisten oder hinter den Ohren verstecken.
Mit ihren Mundwerkzeugen stechen die Zecken zu – daher spricht man in Fachkreisen auch von einem Zeckenstich, nicht von einem Biss.
Info: FSME
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine virusbedingte Erkrankung, die durch Zecken übertragen wird. Symptome einer leichten FSME ähneln den Symptomen einer Grippe wie Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit.
In Deutschland infizieren sich jährlich zwischen 400 und 500 Menschen. Nur bei etwa einem Drittel der Erkrankten entwickelt sich tatsächlich eine Entzündung im Bereich des Gehirns.
Menschen, die in Risikogebieten leben oder sich dort häufig aufhalten, sollten sich impfen lassen.
Zecken-Risikogebiete in Deutschland
Laut Robert-Koch-Institut ist die Zahl der Zecken-Risikogebiete in Deutschland auf 175 gestiegen. Betroffen sind hauptsächlich Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen und Thüringen. Zecken lauern in Wäldern, Feuchtgebieten und auf Wiesen auf ihre Wirte, die durch die Botanik stapfen.
Problematisch ist ein Zeckenstich, wenn das Spinnentier Träger von FSME-Viren oder Borreliose-Bakterien ist.
Info: Borreliose
Die Borreliose ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit und wird von einem spiralförmigen Bakterium namens Borrelia burgdorferi ausgelöst, das im Darm der Zecke haust.
Wer an Borreliose erkrankt – das sind in Deutschland einige Zehntausend Menschen jedes Jahr – muss eine mehrwöchige Antibiotika-Infusions-Kur über sich ergehen lassen.
Wer Zecken frühzeitig entfernt, macht eine Infektion weniger wahrscheinlich.
Eine Borreliose kann zu einer ringförmigen Rötung an der Einstichstelle oder grippeähnlichen Beschwerden führen. Sie wird in der Regel mit Antibiotika behandelt.
In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 3 von 10 000 Menschen an einer Borreliose.
Folgen von FSME und Borreliose
Beide Erkrankungen machen sich zu Beginn lediglich durch Symptome eines grippalen Infekts bemerkbar. In manchen Fällen bleiben Beschwerden sogar ganz aus, sodass die Infektionen noch schwerer zu erkennen sind.
Schwerwiegende Folgen sind möglich: FSME kann zu einer Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute führen, Borreliose beispielsweise zu Gelenkentzündungen.
Was tun, wenn man eine Zecke hat?
Entfernen Sie Zecken so schnell wie möglich. Zecken lassen sich, unmittelbar nachdem sie gestochen haben, leichter herausnehmen, da sie sich noch nicht vollständig festgehakt haben.
Gehen Sie dabei behutsam vor. Tragen Sie auf keinen Fall Flüssigkeiten wie Nagellack, Klebstoff oder Öl auf, das fördert eher, dass Zecken ihren Speichel und damit potenzielle Keime auf die Wunde übertragen.
Quetschen Sie den Blutsauger nicht heraus, greifen Sie ihn knapp über der Haut mit einer speziellen Zeckenzange oder Zeckenkarte.
Nach dem Entfernen der Zecke müssen Sie die Wunde gründlich desinfizieren.
In den meisten Fällen geht ein Zeckenstich glimpflich aus. Nicht jede Zeckenart ist mit Krankheitserregern infiziert. Wird sie schnell entfernt, bleibt oft nur eine juckende und gerötete kleine Stelle übrig, die nach einigen Tagen wieder verschwindet
Wann muss man zum Arzt gehen?
Der Kopf der Zecke steckt fest und die Stelle hat sich entzündet. Manchmal reiß der Kopf des Parasit beim Entfernen ab. Meist ist das kein Problem, nur selten entwickelt sich daraus eine Entzündung.
Die Zecke befindet sich an einer Körperstelle, die Sie nicht erreichen können, beispielsweise am Hinterkopf.
Die Einstichstelle entzündet sich oder heilt schlecht ab.
Es tritt eine Wanderröte auf. Dieser kreisförmige Ausschlag taucht einige Tage nach dem Zeckenstich auf und dehnt sich immer weiter aus. Er deutet auf eine Borreliose hin.
Beobachten Sie die die Einstichstelle über 14 Tage genau. Bekommen Sie 5 bis 14 Tage nach dem Entfernen der Zecke Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen und fühlen sich matt und abgeschlagen. Diese Symptome sind sowohl für FSME als auch für Borreliose typisch.







