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Die Menschheit lebt am Rand einer großen kosmischen Leere

Eigentlich sollte das Universum überall ähnlich aussehen – so das kosmologische Prinzip. Doch Studien zufolge befindet sich die Milchstraße in der sogenannten Großen Leere. Liegt unsere kosmische Heimat also an einem ungewöhnlichen Ort? Eine astronomische Spurensuche.

  • Unsere Galaxie, die Milchstraße (Bildmitte), liegt direkt am Rande einer ungewöhnlichen leeren Zone des Universums. Die Struktur dieses Lokalen Leere (Local Void) und seine Umgebung haben Astronomen kartiert.Foto: © R. Brent Tuly

    Unsere Galaxie, die Milchstraße (Bildmitte), liegt direkt am Rande einer ungewöhnlichen leeren Zone des Universums. Die Struktur dieses Lokalen Leere (Local Void) und seine Umgebung haben Astronomen kartiert.Foto: © R. Brent Tuly

Das Universum sieht, so besagt es das kosmologische Prinzip, im Großen und Ganzen überall gleich aus, egal wo sich der astronomische Beobachter befindet oder in welche Richtung er blickt.

Kosmologisches Prinzip

Selbstverständlich sind die Sterne nicht völlig gleichmäßig im Kosmos verteilt. Sie sammeln sich in Galaxien und diese wiederum in Galaxienhaufen. Aber, so die Idee, solche Strukturen gibt es überall und sie sehen überall ähnlich aus.

Das kosmologische Prinzip ist ein wichtiger Grundpfeiler der Erforschung des Universums. Denn erst die angenommene Gleichförmigkeit macht es möglich, das Weltall als Ganzes zu beschreiben und seine Entwicklung in Computermodellen zu simulieren.

Doch es mehren sich Zweifel an der Gleichförmigkeit des Weltalls. Ein Hinweis befindet sich quasi vor unserer eigenen kosmischen Haustür – in der Milchstraße.

Milchstraße und Große Leere

Die Milchstraße liegt direkt am Rande der Großen Leere – einer großen Zone kosmischer Leere. Sie balanciert dabei auf einer dünnen Brücke aus Materie, die sich mitten durch einen Lokalen Leere (englisch: Local Void) zieht.

Wie man sich die Struktur des Universum vorstellen muss

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.geheimnis-des-lebens-warum-ist-alles-aus-sternenstaub.f2838e33-ee9d-48ab-acec-d20320757af3.html

Milchstraße liegt am Rand einer Großen Leere

Die Milchstraße ist die Galaxie, in der sich das Sonnensystem mit der Erde befindet. Entsprechend ihrer Form als flache Scheibe, die aus Hunderten von Milliarden Sternen besteht, ist die Milchstraße von der Erde aus als bandförmige Aufhellung am Nachthimmel sichtbar, die sich über 360 Grad erstreckt.

Der Lokale Void in der Nachbarschaft der Milchstraße erstreckt sich von der Erde aus gesehen über 40 Prozent des Himmels und beginnt direkt am Rand der Lokalen Gruppe. Darunter muss man sich eine ausgedehnte leere Region des Weltraums vorstellen, die direkt an die Lokale Gruppe (Local Group) angrenzt. Das Ausmaß der Region beträgt schätzungsweise 150 bis 230 Millionen Lichtjahre. In der Lokalen Leere scheinen sich deutlich weniger Galaxien zu befinden, als kosmologisch zu erwarten wäre.

Ein ganzes Netz aus leerem Raum

Diese Lokale Leere ist nicht isoliert, sondern Teil eines ganzen Netzes von kosmischen Voids. Über mehrere Zonen geringer Materiedichte ist sie mit zwei noch größeren Voids in ihrer Nachbarschaft verbunden, den Hercules- und Sculptor-Voids.

Wie Astronomen um Brent Tully von der University of Hawaii herausgefunden haben, trennen kleinere Materie-Filamente trennen den lokalen Void von einem Tunnel, der diese beiden Voids verbindet.

Die Milchstraße und die sie umfassende Lokale Gruppe selbst sind Teil einer Materiebrücke, die sich quer durch die lokale Leere zieht. Die Milchstraße liegt unmittelbar am Rand dieser Materiebrücke in einer Zone, die selbst relativ stark ausgedünnt ist. Das bedeutet: Die Menschheit auf der Erde lebt direkt am Rand einer großen kosmischen Leere.

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