Astronomen zählen acht Planeten zu unserem Sonnensystem: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Bis vor einigen Jahren zählte noch Pluto dazu. Aber dieser wurde 2006 von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) in Paris zum Zwergplaneten herabgestuft. Eine der spannendsten Fragen in der Astronomie lautet nun: Gibt es einen neunten Planeten?
Acht Planeten – oder sind es doch neun?
Diese Frage beflügelt schon seit Generationen die Fantasie von Sternenguckern. Weit draußen im Weltall soll ein extrem dunkler und gefrorener Planet existieren, der die Umlaufbahnen einiger Zwergplaneten beeinflusst.
Ihre Bahnen um die Sonne scheinen von einem schweren Objekt verändert zu werden, das bislang noch der Entdeckung harrt. Astronomen suchen daher schon seit einigen Jahren nach dem neunten Planeten im Sonnensystem.
Wo ist Planet Neun?
Die beiden Astronomen Patryk Sofia Lykawka von der Kindai-University im japanischen Osaka und Takashi Ito vom National Astronomical Observatory of Japan in Tokio glauben nun nachweisen zu können, dass sich dieses geheimnisvolle Himmelsobjekt viel näher an der Erde befindet als bisher angenommen. Planet Neun soll ungefähr so groß wie unser eigener Planet sein – trotzdem dunkel und gefroren.
Ihre Studie „Is there an Earth-like-Planet in the Distant Kuiper Belt?” (Gibt es einen erdähnlichen Planeten im fernen Kuipergürtel?) ist im Fachmagazin „The Astronomical Journal“ erschienen.
Planet Neun soll weit hinter Neptun kreisen
Für ihre Hypothese hat das Forscherteam die Umlaufbahnen einiger sogenannter trans-neptunischer Objekte genauer untersucht. Dabei handelt es sich um Himmelskörper, deren Umlaufbahn außerhalb des Orbits von Neptun liegen. Der Zwergplanet Pluto ist eines dieser Objekte.
Neptun ist der achte und äußerste Planet unseres Sonnensystems und befindet sich rund 30 Astronomische Einheiten (AE) von der Sonne entfernt. Eine astronomische Einheit entspricht dem Abstand zwischen Sonne und Erde – circa 150 Millionen Kilometer. Neptun wurde 1846 aufgrund von Berechnungen aus Bahnstörungen des Uranus durch den französischen Mathematiker Urbain Le Verrier von dem deutschen Astronomen Johann Gottfried Galle entdeckt. Neptun ist durchschnittlich 4,5 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt.
Direkt hinter der Umlaufbahn Neptuns beginnt der sogenannte Kuipergürtel an – eine ringförmige, flache Region mit unzähligen Gesteinskörpern. Der „Kuiper Belt“, wie er im Englischen heißt, erstreckt sich über einen Bereich von 30 bis 50 AE.
Wie weit ist Planet 9 von der Erde entfernt?
Die bisherigen Theorien gehen davon aus, dass sich Planet Neun in einer Entfernung von 400 bis 1500 AE befinden soll. Das wäre weit außerhalb des Kuipergürtels im Bereich der Oort’schen Wolke, die wiederum eine Ausdehnung von bis 100 000 AE haben soll.
Den japanischen Forschern zufolge könnte Planet 9 gerade mal 250 bis 500 AE von der Sonne entfernt sein. Seine Masse soll etwas das 1,5- bis Dreifache der Erdmasse betragen.
Bisher hat man angenommen, dass Planet Neun die Sonne in durchschnittlich zwanzig Mal so großer Entfernung wie Neptun umkreist, der von den acht bekannten Planeten mit 4,5 Milliarden Kilometern am weitesten von der Sonne entfernt ist (die Erde zum Vergleich nochmals: 150 Millionen Kilometer).
Wenn all das zutrifft, wäre Planet Neun rund 180 Milliarden Kilometer von der Sonne. Kein Wunder, dass er so wenig Licht reflektiert und sich selbst stärksten Teleskopen wie dem im Weltraumbefindlichen Hubble-Teleskop entzieht.
Eris, Sedna und die Plutoide
Eris ist nach Pluto der massereichste und zweitgrößte bekannte Zwergplanet unseres Sonnensystems. Wie Pluto und Eris zählen noch Sedna, Quaoar, Orcus und Makemake zu den sogenannten Plutoiden, einer Unterklasse von Zwergplaneten, die abseits der Neptun-Umlaufbahn die Sonne umrunden.
Die Plutiode befinden sich in dem gewaltigen Ring aus eisigem Geröll rund um Neptun, dem Kuipergürtel. Benannt ist er ist nach dem niederländischen Astronomen Gerard Kuiper. Dieser stellte 1951 die Hypothese auf, dass einige Kometen aus dieser Region stammen könnten.
Der Kuipergürtel – ein gewaltiger Eis-Geröll-Ring rund um Neptun
Der Kuipergürtel enthält Schätzungen zufolge mehr als 70 000 Objekte mit über 100 Kilometern Durchmesser sowie zahlreiche kleinere Objekte. Die meisten von ihnen sind mit einem Durchmesser von zehn bis 50 Kilometern eher winzig. Mit einem Durchmesser von 2370 Kilometern gilt Pluto als größter Zwergplanet im Kuipergürtel.
Das erste Objekt des Kuipergürtels wurde 1992 entdeckt, womit Kuipers Theorie bestätigt wurde. Weil diese Objekte sehr wenig Licht abstrahlen und sich langsam bewegen, sind sie nur schwer zu erkennen. Um die Sonne einmal zu umrunden, brauchen sie mehrere hundert Jahre – im Fall von Planet Neun wahrscheinlich sogar 10 000 bis 20 000 Jahre.
Ähnlich wie bei unserem Mond handelt es sich bei all diesen Zwergplaneten wahrscheinlich um Überbleibsel aus der Zeit, als die Planeten unseres Sonnensystems vor mehr als vier Milliarden Jahren entstanden.
Nachdem sie den größeren Planeten wie Jupiter oder Neptun zu nahegekommen waren, wurden sie in weit entfernte Außenregionen des Sonnensystems geschleudert.
Die Suche nach Planet X
Dass da draußen etwas ist, was ein Planet sein könnte, vermuteten Astronomen schon seit langem. 1846 entdeckte der Astronom Johann Gottfried Galle den Planeten Neptun. Ab 1905 suchte Percival Lowell, Hobby-Astronom und Textilfabrikant-Erbe, nach dem sagenhaften Planeten X, der sich hinter Neptun verbergen sollte.
1930 wurde Pluto durch das Lowell-Observatorium in Flagstaff (US-Bundesstaat Arizona) entdeckt. Doch der größte bekannte Zwergplanet im Kuipergürtel, der für eine Sonnenumrundung 247,68 Jahre benötigt, war deutlich kleiner als Lowell angenommen hatte.
2014 entdeckten Sternenforscher eine ungewöhnliche Anhäufung von Himmelskörpern am äußersten Rand des Kuipergürtels. Sie konnten sich dieses Phänomen nur so erklären, dass es einen bisher unentdeckten Planeten mit eigenem Schwerefeld geben müsse.
Sechs dieser Objekte hatten elliptische Umlaufbahnen, wobei alle mit einem Ende in dieselbe Richtung wiesen – nämlich in Richtung des ominösen Planeten Neun.
Die beiden Forscher aus Japan haben all diesen Theorien nun eine weitere hinzugefügt. Egal wie vage oder plausibel ihre Überlegungen auch sein mögen, die Suche nach dem mysteriösen Planeten Neun ganz sicher geht weiter.
Info: Planeten und Zwergplaneten
Pluto und Pluto-ähnliche Himmelskörper
Der Begriff „Planet“ wird seit dem Altertum benutzt. Er hatte aber lange Zeit keine konkrete wissenschaftliche Definition. Erst 2006 verabschiedete die 26. Vollversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) in Paris eine Resolution, die Planeten und die neue Klasse der Zwergplaneten durch klare Kriterien definiert. Die Festlegung war nötig geworden, um neu entdeckte, Pluto-ähnliche Himmelskörper in unserem Sonnensystem einordnen zu können.
Was ist ein Planet?
Ein Planet ist demnach ein Himmelskörper, der . . .
• sich in einer Umlaufbahn um die Sonne befindet
• genug Masse besitzt, dass seine eigene Schwerkraft ihn in eine nahezu runde Form zwingt
• die Umgebung seiner Umlaufbahn von anderen Himmelskörpern freigeräumt hat.
Was ist ein Zwergplanet?
• sich in einer Umlaufbahn um die Sonne befindet
• genug Masse besitzt, dass seine eigene Schwerkraft ihn in eine nahezu runde Form zwingt
• die Umgebung seiner Umlaufbahn nicht von anderen Himmelskörpern freigeräumt hat und kein Mond ist.
Acht Planteten sind anerkannt
Die Internationalen Astronomischen Union (IAU) zählt in unserem Sonnensystem offiziell acht Planeten (in der Reihenfolge der Entfernung zur Sonne): Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun - sowie die fünf Zwergplaneten Ceres, Pluto, Haumea, Makemake und Eris. Es könnte jedoch Dutzende oder sogar Hunderte Zwergplaneten in unserem Sonnensystem geben. Der jetzt weit hinter Neptun vermutete große Himmelskörper Planet Neun würde in die Klasse der Planeten fallen.
Die Erde
Die Erde ist der dichteste, fünftgrößte und der Sonne drittnächste Planet des Sonnensystems. Sie hat Durchmesser von 12.756 Kilometern, ist rund 4,6 Milliarden Jahre alt und etwa 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.
Erdähnliche Planeten
Als erdähnliche Planeten, terrestrische Planeten oder Gesteinsplaneten werden Himmelskörper bezeichnet, die in ihrem Aufbau der Erde gleichen. Sie bestehen vollständig oder fast vollständig aus festen Bestandteilen und haben einen Schalenaufbau. Neben Merkur, Venus, Erde und Mars – den vier Planeten des inneren Sonnensystems – gehören auch unser Mond, die Jupitermonde Io und Europa sowie die größeren Eismonde Ganymed, Kallisto, Titan, und Triton zu dieser Gruppe.
Gasplaneten
Daneben gibt es noch die Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun (auch jupiterähnliche Planeten genannt), die überwiegend aus leichten Elementen wie Wasserstoff und Helium bestehen und nur einen geringen Anteil an schwererem Material wie Gesteine und Metalle aufweisen.

