Im Jahr 2023 floss rund ein Drittel des EU-Budgets in die Förderung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums – gut 58 Milliarden Euro. Dieser Betrag entspricht etwa zwei Prozent aller staatlichen Ausgaben in der EU. Wir beantworten wichtige Fragen dazu.
Wie ist das Fördersystem aufgebaut?
Es besteht aus zwei Säulen. Die erste Säule umfasst Direktzahlungen, die an bestimmte Auflagen gebunden sind. So dürfen etwa Grünlandflächen nicht durch Umpflügen in Äcker verwandelt werden. Zudem müssen Bauern vier Prozent der Fläche brachliegen lassen. Mit der von EU, Bund und Ländern finanzierten zweiten Säule werden zusätzliche Umweltleistungen sowie die Entwicklung des ländlichen Raums gefördert.
Wie viel Geld gibt es wofür?
Der größte Brocken ist die Flächenprämie von derzeit 158 Euro pro Hektar. Hinzu kommen je 69 Euro für die ersten 40 Hektar und je 41 Euro für die nächsten 20 Hektar. So sollen kleinere Höfe unterstützt werden. Im Rahmen sogenannter Ökoregeln gibt es beispielsweise zusätzliches Geld für die Anlage von Blühstreifen, vielfältige Fruchtfolgen oder den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel. Die Bedingungen für Gelder aus der zweiten Säule sind strenger und unterscheiden sich zwischen Bundesländern. Gefördert wird etwa der Erhalt von Magerwiesen und anderen ökologisch wertvollen Flächen oder die Umstellung auf Bio-Anbau, für die es in Baden-Württemberg anfangs zusätzlich 430 und danach 240 Euro pro Hektar und Jahr gibt.
Wie werden die Zahlungen begründet?
Die Zahlungen an die Bauern in der EU werden heute vor allem mit höheren Sozial- und Umweltstandards als in anderen Teilen der Welt begründet. Zudem unterstützen auch andere Länder ihre Landwirtschaft mit Steuergeldern. Bei der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft im Jahr 1957 hatte zunächst die Ernährungssicherheit im Vordergrund gestanden. Daher wurde die Produktion von Agrarprodukten über Garantiepreise subventioniert, was zu hohen Überschüssen führte. Dann wurde das System auf Prämien umgestellt, die weitgehend unabhängig von der Produktion gezahlt werden. Ein wachsender Teil der Gelder wird inzwischen nach Umweltkriterien gewährt.
Wohin fließt das meiste Geld?
Am meisten bekamen 2022 Frankreich (9,5 Milliarden Euro), Spanien (6,9) und Deutschland (6,3). In Baden-Württemberg belief sich das gesamte Fördervolumen 2022 laut Ernährungsministerium auf rund 600 Millionen Euro, wovon rund 20 Millionen auf reine Landesprogramme entfielen. Pro Hektar und Jahr ergeben sich so durchschnittliche Zahlungen von 425 Euro.
Warum steht die Agrarförderung in der Kritik?
Trotz der Umschichtung von Geldern zugunsten kleinerer Höfe geht der Löwenanteil der Zahlungen an große Betriebe, die ohnehin niedrigere Produktionskosten haben. Auf der Liste der Top-Subventionsempfänger sind meist gar keine Bauern zu finden. Hohe Beträge fließen an öffentliche Institutionen – etwa an Landesbetriebe für Küsten- und Hochwasserschutz – so wie große Unternehmen wie die Südzucker-AG. Umweltschützer kritisieren zudem, dass sich die Förderung zu wenig an ökologischen Kriterien orientiere.

