Das Vorkommen von industriellen PFAS, sogenannten Ewigkeits-Chemikalien, in Europas Flüssen und Gewässern hat nach Angaben von Umweltorganisationen ein alarmierendes Ausmaß erreicht.
Ewigkeits-Chemikalien sind weit verbreitet
Die Abkürzung PFAS steht für Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, eine große Gruppe von synthetisch hergestellten Molekülen. Wegen ihrer Hitzebeständigkeit und Undurchlässigkeit kommen sie bereits seit den 1940er Jahren zum Einsatz, etwa in wasserfesten Textilien, Anti-Haft-Beschichtungen, Waschmitteln und Kosmetika.
Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurden einige PFAS mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht, wie Erkrankungen des Hormonsystems, Schilddrüsenerkrankungen, Lebererkrankungen und einer verringerten Impfwirkung bei Kindern.
Vor allem bei der chemischen Verbindung Trifluoressigsäure (TFA) würden die EU-Grenzwerte teilweise weit überschritten, heißt in einem am Montag (27. Mai) in Paris vorgestellten Bericht des Europäischen Pestizid-Aktions-Netzwerks (PAN Europe) und weiterer Organisationen. Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind in Deutschland die Elbe und die Spree betroffen.
Elbe, Spree und Seine im Fokus der Forscher
Für den Bericht waren mehr als zwei Dutzend Oberflächen- und Grundwasserproben aus zehn europäischen Ländern durch das Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe untersucht worden, darunter aus Elbe und Spree und aus der Seine in Frankreich. In allen Proben wurde demnach TFA nachgewiesen, was dem Bericht zufolge ungehindert ins Grundwasser eintreten und dort jahrhundertelang verbleiben kann.
In der EU-Pestizidverordnung wird TFA als „nicht relevant“ eingestuft. Verschiedene Verbände verweisen allerdings auf die Langlebigkeit des Stoffes in der Umwelt und die Unmöglichkeit, ihn mit den üblichen Verfahren zur Trinkwasseraufbereitung herauszufiltern.
Elbe am stärksten durch TFA verschmutzte Fluss Europas
Laut dem BUND ist die Elbe bei Hamburg am stärksten von der Verunreinigung durch TFA betroffen. Dort wurde demnach mit 3300 Nanogramm pro Liter die höchste Konzentration unter allen Proben festgestellt. Der von der EU vorgeschlagene Grenzwert für alle PFAS im Trinkwasser liegt bei 500 Nanogramm pro Liter.
„Wir brauchen jetzt ein PFAS-Verbot, damit die Konzentrationen der Ewigkeits-Chemikalien in unserer Umwelt nicht noch weiter zunehmen“, forderte BUND-Vorstand Olaf Bandt. Dabei müssten auch Pestizide verboten werden.
Warum TFA und PFAS so gefährlich sind
Wegen ihrer in der Industrie geschätzten Eigenschaften sind TFA und PFAS gleichzeitig praktisch unzerstörbar und reichern sich in der Natur und im menschlichen Körper an.
Was haben Teflon-Pfannen und Outdoor-Kleidung mit PFAS zu tun?
Zu den PFAS zählen geschätzt über 10 000 einzelne Substanzen, die in Alltags- und industriellen Produkten verarbeitet sind. In der Industrie werden sie etwa in Dichtungen, Isolierungen oder Kabeln eingesetzt. Auch Lithium-Ionen-Batterien sind auf PFAS angewiesen. Und: Teflon-Pfannen und Outdoor-Kleidung.
Die korrekte chemische Bezeichnung für den Markennamen Teflon ist PTFE – Polytetrafluorethylen. Dabei handelt es sich um eine Chemikalie aus der Stoffgruppe der PFAS, die in unzähligen Alltagsprodukten enthalten sind, wie beispielsweise:
Wären diese industriell hergestellten Stoffen aufgrund ihrer Eigenschaften nicht so giftig, wären sie einfach nur genial: Durch PFAS klebt nichts aneinander, alles perlt ab und ist leicht zu reinigen. Ein Traum für jede Hausfrau und jeden Hausmann – und ein Albtraum für die Umwelt.

