Die Archäologie ist immer wieder für Überraschungen gut. So wurde Mitte August bekannt, dass Forscher von der L. N. Gumilyov Eurasien National University in der kasachischen Hauptstadt Astana im südöstlichen Teil der kasachischen Steppe im Distrikt der 30 000-Einwohner-Stadt Abai beim Dorf Toktamys eine sechseckige Steinpyramide aus der Bronzezeit entdeckt hatten. Ein solches Bauwerk in Form eines Hexagons (Sechseck) ist absolut einzigartig für Eurasien.
Acht unbekannte Räume im Innern der Pyramide entdeckt
Nun haben Altertumswissenschaftler in der Sahure-Pyramide in der Nekropole des Dorfes Abusir, 25 Kilometer südwestlich der ägyptischen Millionenmetropole Kairo, neue Räume entdeckt.
Bei der Erkundung und Restaurierung der schon erforschten Innenräume der rund 4500 Jahre alten Grabstätte stießen sie auf acht bisher unbekannte Kammern, bei denen es sich wohl um Lagerräume für königliche Grabbeigaben handelte.
Der Fund gebe neue Einblicke in das Innere der Pyramide und liefere neue Erkenntnisse über die Entwicklung des Pyramidenbaus, schreibt das Team um den Archäologen Mohamed Ismail Khaled von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
Erbaut unter Pharao Sahure vor 4500 Jahren
Die Sahure-Pyramide ist die erste Pyramide, die in der Nekropole von Abusir errichtet wurde. Das Dorf Abusir gehört seit 1979 als Teil der Stätte Memphis und seine Nekropole – die Pyramidenfelder von Gizeh bis Dahschur – zum Unesco-Welterbe.
Ihr Erbauer Sahure war der zweite Pharao in der 5. Dynastie des Alten Reiches und regierte von 2490 bis 2475 v. Chr.. Die mit 138,75 Metern höchste Pyramide der Welt, das Grabmal für den ägyptischen Pharao Cheops, wurde während der 4. Dynastie von etwa 2620 bis 2580 v. Chr. erbaut.
Zufällig entdeckt bei Reinigungsarbeiten
Das 47 Meter hohe Bauwerk der hat eine fast quadratische Grundfläche mit einem Basismaß von 78,75 Meter. Obwohl sie seit Jahrzehnten untersucht wird, werden in der Sahure-Pyramide immer wieder neue Rätsel gelüftet – so auch jetzt durch Mohamed Ismail Khaled. Bei Reinigungs- und Stabilisierungsarbeiten im Innern der Pyramide stießen die Forscher auf die zuvor nicht zugängliche Grabkammern.
Dabei fanden die Archäologen Reste eines Gangs, dessen Existenz bisher in Fachkreisen umstritten war. Der britische Spatenforscher John Perring war der erste, der den Gang während einer Grabung im Jahr 1836 bemerkte. Da der Zugang aber aufgrund vo Schutt und Instabilität unbetretbar war, untersuchte er ihn nicht näher.
Räume wurden stabilisiert, restauriert und kartiert
Khaleds Team nahm die abgebrochenen Untersuchungen von Perring wieder auf und legten den Gang frei. Dabei fanden sie dahinter bislang acht Lagerräume, die noch Reste der ursprünglichen Wände und Teile des Bodens enthalten. Die Forscher vermuten, dass die Räume königlichen Grabbeigaben enthielten.
Nachdem der Gang und die Räume stabilisiert und restauriert worden war, wurden sie mit 3D-Laserscannern vermessen. Auf diese Weise sind sowohl die Gänge und Kammern im Innern der Pyramide wie auch ihr Außenbezirk mit neuester Technik umfassend kartiert worden.
Bedeutender Meilenstein in der Pyramidenforschung
Die Entdeckungen seien nicht nur ein „bedeutender Meilenstein“ im Verständnis der historischen Bedeutung der Sahura-Pyramide, ihrer Baugeschichte und Architektur.
Nach Aussage Khaleds werfen die Funde auch ein neues Licht auch auf andere ägyptische Pyramiden. Die in ihr entdeckten Räume würden neue Erkenntnisse darüber vermitteln, wie sich der Bau von Pyramiden im alten Ägypten historisch entwickelt habe.

