Wirtschaft

Zusatzbeitrag steigt trotz Sparpaket für 2,3 Mio. Versicherte

In der GKV wird es ab 1. August für viele noch einmal teurer – trotz Kostenstabilisierungsversuchen der Merz-Regierung. Welche Kassen erhöht haben.

  • Bei manchen Krankenkassen wird es schon wieder teurer – eine hat die Beiträge aber sogar gesenkt.IMAGO/Sven Simon

    Bei manchen Krankenkassen wird es schon wieder teurer – eine hat die Beiträge aber sogar gesenkt.IMAGO/Sven Simon

Eigentlich sollte alles besser werden: Mit dem großen Sparpaket der Bundesregierung wollte die Politik die gesetzlichen Krankenkassen finanziell spürbar entlasten und die Beiträge für Millionen Bürger stabil halten. Doch die Realität sieht zum Teil anders aus. Weil die Kosten für medizinische Behandlungen unaufhaltsam zu steigen scheinen, gibt es weitere Beitragserhöhungen.

Als einer der ersten Branchenriesen zieht nun die IKK Classic die Reißleine. Für die rund 2,3 Millionen beitragszahlenden Mitglieder der bundesweit geöffneten Innungskrankenkasse wird es ab dem 1. August 2026 spürbar teurer. Inklusive Familienversicherung sind bei der Kasse sogar 2,89 Millionen Menschen versichert.

Zusatzbeitrag steigt um 0,45 Prozent

Der Verwaltungsrat der IKK Classic hat eine unterjährige Erhöhung beschlossen. Die Anpassungen sehen wie folgt aus:

  • Der neue Zusatzbeitrag: Er klettert um 0,45 Prozentpunkte nach oben – von zuvor 3,40 Prozent auf 3,85 Prozent.
  • Der Gesamtbeitragssatz: Gemeinsam mit dem gesetzlich festgeschriebenen allgemeinen Beitragssatz von 14,60 Prozent liegt der Gesamtbeitrag künftig bei 18,45 Prozent.

Da sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge zur Krankenversicherung teilen, wird die Erhöhung je zur Hälfte für beide Seiten fällig. Bei einem Bruttoeinkommen von 3.000 Euro sind insgesamt etwa 13,50 Euro mehr pro Monat fällig. Gutverdiener, deren Einkommen an oder über der Beitragsbemessungsgrenze von 5.812,50 Euro liegt, müssen mit einer zusätzlichen monatlichen Gesamtbelastung von 26,16 Euro rechnen. Selbstständige und freiwillig Versicherte zahlen ihre Beiträge indes allein ohne Arbeitgeberbeitrag.

Krankenkassen: Warum greift das Sparpaket nicht?

Der Plan der Bundespolitik sah vor, die Kassenfinanzen zu ordnen. Für manche Kassen scheint das allerdings immer noch nicht genug zu sein. Oder es wurden Beitragserhöhungen zurückgehalten, während viele schon zum Jahreswechsel erhöht haben und somit transparent waren. Neben der IKK Classic haben auch weitere Anbieter unterjährig erhöht.

Zusatzbeitrag steigt – und sinkt bei einer Kasse

  • BKK Würth (zum 1. April): Die betriebsbezogene Krankenkasse hob ihren Zusatzbeitrag deutlich an – von 2,89 % auf 3,40 %.
  • IKK Südwest (zum 1. April): Die regional geöffnete Krankenkasse erhöhte den Zusatzbeitrag ebenfalls spürbar von 3,25 % auf 3,87 %.
  • BMW BKK (zum 1. Juli): Die betriebsbezogene Kasse geht den umgekehrten Weg. Sie senkte ihren Zusatzbeitrag um einen vollen Prozentpunkt – von 3,90 % auf 2,90 %.
  • IKK Classic (zum 1. August): Der Zusatzbeitrag steigt von 3,40% auf 3,85%.

Sonderkündigungsrecht wegen Zusatzbeitrag

Niemand zahlt gerne mehr. Wenn eine Krankenkasse unterjährig ihren Zusatzbeitrag erhöht, haben gesetzlich Versicherte ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht.

Das bedeutet: Man kann die Mitgliedschaft bei der IKK Classic bis zum Ende des Monats, in dem der erhöhte Beitrag das erste Mal verlangt wird außerordentlich kündigen. Der Wechsel zu einer günstigeren Kasse ist heute relativ unkompliziert und manchmal mit wenigen Klicks im Internet erledigt.

Weitere Erhöhungen 2026/2027?

Achten Sie beim Vergleich nicht nur auf das Geld, sondern auch auf die Zusatzleistungen. Oft lohnen sich Angebote wie professionelle Zahnreinigung, Kostenübernahme für Reiseschutzimpfungen oder alternative Heilmethoden mehr als ein minimal niedrigerer Beitragssatz. Weitere Beitragserhöhungen hat der GKV-Spitzenverband bislang nicht bekannt gegeben. Die weitere Entwicklung hängt auch von den Empfehlungen aus dem Schätzerkreis ab, der immer im Dezember zusammentritt. Erst dann lässt sich das Sparpaket von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und Kanzler Friedrich Merz vorläufig bewerten.

IKK Classic senkt Umlage U1

Bei der IKK Classic gibt es unterdessen auch eine gute Nachricht: Die Umlagesätze bei der Arbeitgeberversicherung (U1-Umlage) sinken um 0,3 Prozentpunkte. Dieser Posten deckt eine prozentuale Rückerstattung für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ab und ist vor allem für Unternehmer relevant. Zwar bestimmt der Mitarbeiter seine Kasse selbst, doch dürfen Firmen unterschiedliche Erstattungsprozente wählen. Gerade kleinere Betriebe können dadurch spürbar Geld sparen – oder verlieren, wenn sie einen hohen Krankenstand haben. Die IKK Classic bleibt durch die Senkung also interessant für Handwerker.

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