Wirtschaft

Mahle-Werk: Abfindungen für Belegschaft erstreikt

Nach vier Tagen Erzwingungsstreik im Mahle-Werk Neustadt an der Donau hat sich die IG Metall mit dem Unternehmen auf eine sozialverträgliche Lösung geeinigt. Es wird weiter gestreikt.

  • Vier Tage lang wurde am Stück gestreikt – nun sollen die Beschäftigten über das Verhandlungsergebnis abstimmen.Foto: Sven Hoppe/dpa

    Vier Tage lang wurde am Stück gestreikt – nun sollen die Beschäftigten über das Verhandlungsergebnis abstimmen.Foto: Sven Hoppe/dpa

Mit einem viertägigen Erzwingungsstreik hat die IG Metall eine soziale Abfederung für die Belegschaft beim Aus eines bayerischen Mahle-Werks erzwungen. Die Schließung des Standorts Neustadt an der Donau konnte damit nicht verhindert werden, doch hat sich die Gewerkschaft mit der Arbeitgeberseite auf eine tarifliche Lösung verständigt. Den IG-Metall-Angaben zufolge erhalten die Beschäftigten „hohe Abfindungen – weit über das übliche Maß hinaus“. IG-Metall-Mitglieder sollen darüber hinaus einen zusätzlichen Mitgliederbonus bekommen.

Höhe der Abfindung abhängig vom Alter der Beschäftigten

„Das Management ist nicht bereit, seine Fehlentscheidung zurückzunehmen“, kritisiert Rico Irmischer, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg. Es sei aber gelungen, wichtige soziale Absicherungen durchzusetzen. „Ohne den Druck der Belegschaft hätte sich das Unternehmen nicht bewegt.“

Die konkrete Höhe der Abfindungen sei abhängig vom Alter der Beschäftigten und der Dauer ihrer Betriebszugehörigkeit. Zusätzliche Abfindungen gebe es etwa für Beschäftigte mit Kindern. Ein Mitgliederbonus bringe in der Gewerkschaft organisierten Beschäftigten mit langen Mitgliedschaften deutlich mehr Abfindung ein. Außerdem seien ein Härtefall-Fonds sowie eine Transfergesellschaft vereinbart worden.

Peter Meier, Betriebsratsvize und Mitglied der Verhandlungskommission, betonte: „Die Beschäftigten haben bis zuletzt geschlossen für ihre Interessen gekämpft.“ IG-Metall-Bezirksleiter Horst Ott prophezeite: „Die Schließung des Standorts wird Mahle nun teuer zu stehen kommen.“ Gerade der Mitgliederbonus sei mehr als nur ein finanzielles Signal – er sei Ausdruck der Anerkennung für all jene Mitglieder, „die diese Bewegung mit großem persönlichem Einsatz getragen haben“.

Der Streik wird fortgesetzt, bis die IG Metall-Mitglieder in einer zweiten Urabstimmung über die Annahme des Verhandlungsergebnisses abgestimmt haben. Dafür ist eine Zustimmung von mindestens 25 Prozent erforderlich. Geplant ist sie für diesen Montag.

Produktion soll in die Slowakei verlagert werden

In Neustadt an der Donau arbeiten etwa 400 Beschäftigte, die Klimaanlagen für Fahrzeuge aller Antriebsarten – unter anderem für BMW, Porsche, Volvo und Jaguar Land Rover – herstellen. Im Februar hatte Mahle den gemeinsamen Zukunftsprozess für den Standort mit IG Metall und Betriebsrat aufgekündigt, nachdem das Unternehmen laut Gewerkschaft „eigenständig den Verkauf des Betriebsgeländes und der Werkshallen vorangetrieben hatte“.

In den darauffolgenden Monaten organisierte die IG Metall mehrere Warnstreiks, einen über 24 Stunden. Die Verhandlungen über Zukunftsperspektiven blieben ergebnislos. Am 12. Mai kündigte Mahle die Schließung des Werks zum ersten Quartal 2027 an. Daraufhin startete die IG Metall nach einer Urabstimmung einen unbefristeten Arbeitskampf. Die Produktion solle in die Slowakei verlagert werden, hieß es.

Das Unternehmen war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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