Unterhaltung

Darf man jetzt fröhlich feiern?

Wer jetzt Weihnachten feiert, ist nicht automatisch gleichgültig gegenüber dem Leid in der Welt. Stattdessen bewahrt man sich, was wichtiger denn je ist: Hoffnung und Zuversicht. Ein Plädoyer zum Weihnachtsfest in Krisenzeit von Susan Jörges.

  • Lichterglanz und Familienzeit – das gehört für viele zum Weihnachtsfest dazu.Foto: Unsplash

    Lichterglanz und Familienzeit – das gehört für viele zum Weihnachtsfest dazu.Foto: Unsplash

An wohl niemandem gehen die Krisen dieses Jahres spurlos vorbei. Terror und Krieg im Nahen Osten wecken Ängste. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine nimmt kein Ende. Dazu kommen noch die Sorgen um die Zukunft des Globus angesichts der Klimakrise. Und jetzt soll Weihnachten werden? Jetzt soll es ein schönes, möglichst harmonisches Fest geben? Eine besinnliche Zeit mit der Familie, Freunden oder Verwandten, mit Lichterglanz, Geschenken und womöglich einem leckeren Menü? Viele von uns lassen nun für wenige Tage die Sorgen des Alltags und die Konflikte in der Welt außer Acht. Doch kann man das guten Gewissens tun – in Zeiten der Not und der Krisen?

Unbedingt. Man sollte es sogar. Denn wer jetzt Weihnachten feiert, ist deshalb nicht automatisch gleichgültig gegenüber dem Leid in der Welt. Vielmehr darf dieses uns eben nicht überwältigen und lähmen. Deshalb brauchen wir Phasen der Ruhe, der Entspannung – und ein wenig auch des Glaubens daran, dass alles besser werden könnte. So finden wir Kraft und neue Energie. Wer Weihnachten derart begeht, übernimmt damit Verantwortung für sich, für sein eigenes Wohlbefinden und für das der Mitfeiernden.

Weihnachten – Zeit der Hilfsbereitschaft

Auf den ersten Blick erscheint es ja als rätselhaft, dass manche Menschen in schlimmen Phasen wesentlich robuster sind als andere. Psychologen erklären dies mit Resilienz: Widerstands- und krisenfester seien diejenigen, die bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen an den Tag legen. Es nütze zum Beispiel, Zeit mit guten Freunden und geliebten Menschen zu verbringen – wie an Weihnachten.

Es helfe ebenfalls, an sich selbst zu glauben, und daran, dass man durchaus etwas verändern kann. Eine solche Haltung mache auch belastbarer, sagen die Forscher. Und diese wird offenbar auch durch das Fest der Liebe stimuliert. Die Sehnsucht nach Besinnlichkeit und Ruhe ist nämlich nur die eine Seite der Adventszeit.

Die Ansprüche an sich und andere herunterschrauben

Die andere ist eine starke Hilfsbereitschaft und Zuwendung zum Nächsten. Zahlreiche Menschen leisten gerade jetzt ihren Beitrag, um die Welt ein klein wenig besser zu machen. Nie gibt es so viele Aktionen der Solidarität. Und nie ist die Spendenbereitschaft größer als in der Vorweihnachtszeit.

Ebenfalls fördert die Resilienz, wer die eigenen Bedürfnisse wahrnimmt, achtsam ist und mit seinen psychischen Ressourcen nachhaltig umgeht. Das mag in der zum Teil hektischen, terminbeladenen und konsumfreudigen Vorweihnachtszeit womöglich schwierig gewesen sein. Nun aber kann es gelingen – wenn man die Ansprüche an sich und die anderen an den Feiertagen nicht zu hochschraubt. Und wenn man sich auf die Zeit zwischen den Jahren wirklich einlässt, in der das gesellschaftliche Leben ebenfalls in einem gemächlicheren Takt schlägt.

Wann, wenn nicht an Weihnachten, ist es Zeit für Zuversicht?

Resilient sein, heißt gewiss nicht, sich eine eiserne Rüstung anzulegen. Man bleibt vielmehr verletzlich und nahbar, schaut jedoch mit Optimismus in die Zukunft. Wer so hoffnungsvoll und positiv auf die Welt blickt, kommt schließlich dem Ursprung des Weihnachtsfestes und seinem zentralen Gedanken sehr nahe.

Die Umstände bei Jesu Geburt waren nämlich ebenfalls alles andere als einfach. Laut der Bibel fanden Maria, Josef und ihr Sohn nur Platz in einem Stall und musste bald wegen Verfolgung fliehen. Am Ende winkt aber, so das Neue Testament, das große Heil. Damit lautet die Botschaft von Weihnachten für Christen: Das Leid hat nie das letzte Wort, die Zukunft ist trotz aller Probleme gesichert. Diesen Glauben mögen heute zwar immer weniger Menschen teilen. Doch wann – wenn nicht an Weihnachten – ist es Zeit für Zuversicht.

Datenschutz-Einstellungen