Politik

Warum saß der CDU-Politiker im Rollstuhl?

In seiner politischen Laufbahn erlebte Wolfgang Schäuble viele Höhen und Tiefen – seit einem Attentat im Oktober 1990 saß der Politiker im Rollstuhl. Seiner Karriere tat das keinerlei Abbruch.

  • Seit einem Attentat saß CDU-Politiker Wolfgang Schäuble im Rollstuhl.Foto: AFP/Ronny Hartmann

    Seit einem Attentat saß CDU-Politiker Wolfgang Schäuble im Rollstuhl.Foto: AFP/Ronny Hartmann

  • Wolfgang Schäuble  war Bundesminister in vier Kabinetten. Unter Kohl war er Kanzleramts- und Innenminister, unter Angela Merkel ebenfalls Innen- und dann Finanzminister. Er hat die Unionsfraktion geführt, er handelte den Einigungsvertrag mit der DDR aus, und ohne seine wirksame Rede im Bundestag wäre Bonn wohl immer noch der deutsche Regierungssitz.Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

    Wolfgang Schäuble war Bundesminister in vier Kabinetten. Unter Kohl war er Kanzleramts- und Innenminister, unter Angela Merkel ebenfalls Innen- und dann Finanzminister. Er hat die Unionsfraktion geführt, er handelte den Einigungsvertrag mit der DDR aus, und ohne seine wirksame Rede im Bundestag wäre Bonn wohl immer noch der deutsche Regierungssitz.Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

  • Ein Bild aus dem vergangenen Jahr: Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) nahm an einem Festakt anlässlich seines 80. Geburtstags teil. Kritisch äußerte er sich damals zur geplanten Wahlrechtsreform: „Hier wird ein System geschaffen, das auf Täuschung und Enttäuschung des Wählers ausgelegt ist. Ihm wird suggeriert, er könne seine Wahlkreiskandidaten direkt wählen – dabei wird der Kandidat am Ende womöglich gar nicht ins Parlament gelangen.“Foto: picture alliance/dpa/Marijan Murat

    Ein Bild aus dem vergangenen Jahr: Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) nahm an einem Festakt anlässlich seines 80. Geburtstags teil. Kritisch äußerte er sich damals zur geplanten Wahlrechtsreform: „Hier wird ein System geschaffen, das auf Täuschung und Enttäuschung des Wählers ausgelegt ist. Ihm wird suggeriert, er könne seine Wahlkreiskandidaten direkt wählen – dabei wird der Kandidat am Ende womöglich gar nicht ins Parlament gelangen.“Foto: picture alliance/dpa/Marijan Murat

  • Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2013. Der damalige Bundesfinanzminister stellte in der Bundespressekonferenz den Haushalt 2014 sowie den Finanzplan bis 2017 vor.Foto: dpa/Tim Brakemeier

    Dieses Bild stammt aus dem Jahr 2013. Der damalige Bundesfinanzminister stellte in der Bundespressekonferenz den Haushalt 2014 sowie den Finanzplan bis 2017 vor.Foto: dpa/Tim Brakemeier

  • Oft auf Augenhöhe, oft aber auch im Schatten des Bundeskanzlers: Wolfgang Schäuble hatte kein ungestörtes Verhältnis zu Helmut Kohl.   Dieses Bild entstand bereits vor 25 Jahren.Foto: dpa/Michael Jung

    Oft auf Augenhöhe, oft aber auch im Schatten des Bundeskanzlers: Wolfgang Schäuble hatte kein ungestörtes Verhältnis zu Helmut Kohl. Dieses Bild entstand bereits vor 25 Jahren.Foto: dpa/Michael Jung

  • Auch ein Bild aus dem Jahr 1998:  Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende und damals zukünftige CDU-Chef Wolfgang Schäuble  auf einer Pressekonferenz in der Parteizentrale der CDU in Bonn mit Angela Merkel, die damals vom CDU-Vorstand für das Amt der Generalsekretärin nominiert wurde. Später hatten sie eine durchaus komplizierte Beziehung.Foto: dpa/Thomas Köhler

    Auch ein Bild aus dem Jahr 1998: Der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende und damals zukünftige CDU-Chef Wolfgang Schäuble auf einer Pressekonferenz in der Parteizentrale der CDU in Bonn mit Angela Merkel, die damals vom CDU-Vorstand für das Amt der Generalsekretärin nominiert wurde. Später hatten sie eine durchaus komplizierte Beziehung.Foto: dpa/Thomas Köhler

  • Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble unterhalten sich 2018 auf dem sogenannten Scheidemann-Balkon des Reichstagsgebäudes anlässlich des 100. Jahrestags der Ausrufung der Republik miteinander.Foto: dpa/Sandra Steins

    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble unterhalten sich 2018 auf dem sogenannten Scheidemann-Balkon des Reichstagsgebäudes anlässlich des 100. Jahrestags der Ausrufung der Republik miteinander.Foto: dpa/Sandra Steins

  • Als  Bundestagspräsident erinnert Wolfgang Schäuble 2020 bei der Gedenkstunde an die  Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag.Foto: dpa/Kay Nietfeld

    Als Bundestagspräsident erinnert Wolfgang Schäuble 2020 bei der Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag.Foto: dpa/Kay Nietfeld

  • Das waren die Vorsitzenden der Christlich Demokratischen Union (CDU) von 1950 bis heute, Reihe oben, von links nach rechts: Konrad Adenauer (Foto von 1963), Ludwig Erhard (Foto von 1972), Kurt Georg Kiesinger (Foto von 1980). Reihe unten von links nach rechts:  Rainer Barzel (Foto von 1969), Helmut Kohl (Foto von 1998), Wolfgang Schäuble (Foto von 1996). Und rechts Angela Merkel (Foto von 2015).Foto: picture alliance/dpa/dpa Team

    Das waren die Vorsitzenden der Christlich Demokratischen Union (CDU) von 1950 bis heute, Reihe oben, von links nach rechts: Konrad Adenauer (Foto von 1963), Ludwig Erhard (Foto von 1972), Kurt Georg Kiesinger (Foto von 1980). Reihe unten von links nach rechts: Rainer Barzel (Foto von 1969), Helmut Kohl (Foto von 1998), Wolfgang Schäuble (Foto von 1996). Und rechts Angela Merkel (Foto von 2015).Foto: picture alliance/dpa/dpa Team

  • Einen seiner wichtigsten Sätze sagte Schäuble  2019 vor Schülern im schwäbischen Schorndorf: „Das ist das Schöne an der Demokratie: Wir müssen nicht resignieren, wir können immer etwas ändern.“Foto: dpa/Michael Kappeler

    Einen seiner wichtigsten Sätze sagte Schäuble 2019 vor Schülern im schwäbischen Schorndorf: „Das ist das Schöne an der Demokratie: Wir müssen nicht resignieren, wir können immer etwas ändern.“Foto: dpa/Michael Kappeler

  • Ein Bild aus vergangenen Tagen. Der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zu Beginn des zweitägigen Parteitags der baden-württembergischen CDU in Karlsruhe am 28. April 1989.Foto: dpa/Harry Melchert

    Ein Bild aus vergangenen Tagen. Der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zu Beginn des zweitägigen Parteitags der baden-württembergischen CDU in Karlsruhe am 28. April 1989.Foto: dpa/Harry Melchert

Der baden-württembergische CDU-Politiker Wolfgang Schäuble ist am Dienstagabend verstorben, wie seine Familie am Mittwoch mitteilte. Schäuble starb nach langer schwerer Krankheit. In seiner politischen Laufbahn erlebte er viele Höhen und Tiefen – seit einem Attentat auf ihn saß der Politiker im Rollstuhl.

Warum saß Wolfgang Schäuble im Rollstuhl?

Der CDU-Politiker hatte am 12. Oktober 1990 eben eine Wahlkampfrede beendet. Kurz nach 22 Uhr verließ er im Gedränge den Saal des Gasthauses der Brauerei Bruder im südbadischen Oppenau – mitten in seiner Heimat. Ein damals 37 Jahre alter Mann, der zuvor unauffällig im Publikum gesessen hatte, näherte sich unbemerkt, zog einen Revolver und feuerte aus einem halben Meter Distanz.

Schäuble wurde im Rücken und am Hals getroffen. Die dritte Kugel bohrte sich in den Körper eines Personenschützers, der ihn gegen den Angriff abzuschirmen versuchte. Der Minister sank zu Boden. Im Krankenhaus rangen die Ärzte fünf Stunden lang um sein Leben. Schnell war offenkundig, dass Schäuble nie wieder wird gehen können. Er blieb vom dritten Brustwirbel an abwärts gelähmt – und für sein weiteres Leben auf einen Rollstuhl angewiesen.

Das Foto von Wolfgang Schäuble im Rollstuhl brennt sich ein

Sechs Wochen nach der Tat wagte Schäuble sich wieder ins Scheinwerferlicht der Kameras – ein Moment, der sich in die Ikonografie der Republik eingebrannt hat: der Minister im Rollstuhl, Trainingsjacke statt dunklem Anzug, die Wange mit einem großen weißen Pflaster beklebt.

Öffentlich hatte Wolfgang Schäuble über den Attentäter kaum ein Wort verloren. Der Mann war nicht bei Sinnen, als er seinen Revolver abfeuerte: ein gescheiterter Kneipier, zeitweise drogenabhängig, von Wahnideen getrieben. Er habe sich für „psychischen und physischen Terror“ rächen wollen, die ihm der Staat angetan hätten, gab er im Polizeiverhör zu Protokoll.

Wolfgang Schäuble macht weiter politische Karriere

Wolfgang Schäuble arbeitete nach dem Attentat weiter an seiner politischen Karriere. Von 1991 bis 2000 führte er die CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Nach dem Machtverlust der Union 1998 wurde Schäuble im Zuge der Neuaufstellung der CDU Parteichef.

In den Turbulenzen der CDU-Spendenaffäre und nach Aussagen zu einer 100.000-Mark-Barspende trat Schäuble im Februar 2000 als CDU-Chef zurück. Merkel wurde Parteichefin, 2005 machte sie als Kanzlerin Schäuble zum Innenminister, vier Jahre darauf zum Finanzminister.

Nach der Bundestagswahl 2017 wurde Schäuble zum Bundestagspräsidenten gewählt, das zweithöchste Amt im Staat. Das höchste Amt im Staat, das des Bundespräsidenten, blieb Schäuble verwehrt.

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