Der Sieger der Caucuses in Iowa stand so rasend schnell fest, wie die Wahlnacht eisige Rekorde brach. Nach nicht einmal 30 Minuten riefen die US-Medien Donald Trump zum Gewinner der ersten Vorwahlen der Republikaner aus. Die weit rechts stehenden Parteianhänger in dem Bauernstaat im Mittleren Westen wollen den MAGA-Führer noch einmal ins Rennen um das Weiße Haus schicken. Obwohl der Ex-Präsident mehr Zeit mit seinen Prozessen verbrachte als im Wahlkampf, deklassierte er das Feld.
Die Nachwahlumfragen verraten, wer sich bei den tiefsten Temperaturen einer Wahlnacht in der Geschichte auf den Weg zu den mehr als 1600 Versammlungsorten gemacht hat. Die Hälfte der Teilnehmer identifizierte sich als Anhänger der „Make America Great Again“-Bewegung. Das überschneidet sich mit den Wählern, die von sich sagen, sie seien „sehr konservativ“. Zählt man die 37 Prozent „konservativen“ Caucus-Besucher hinzu, gehören fast neun von zehn dem rechten Flügel der Partei an.
Trumps Unterstützer waren die motiviertesten. Besorgt über Einwanderung und die Wirtschaft, folgten sie dem dringenden Appell des MAGA-Führers und begaben sich auf eisige Straßen, durch Schneegestöber und nahmen Nordpol-Temperaturen in Kauf. Wie die Angehörigen einer Sekte glauben sie an die „große Lüge“ von den gestohlenen Wahlen. Zwei von drei Caucus-Besuchern sagen, Joe Biden habe die Wahlen 2020 nicht gewonnen.
Acht von zehn sagen, Trump kämpfe für Leute wie sie
Noch schockierender die Antwort auf die Frage, ob Trump fit für das Weiße Haus sei, wenn er von einem Strafgericht verurteilt wird. 63 Prozent hätten kein Problem damit, einen verurteilten Kriminellen zu wählen. Fast genauso viele würden Abtreibungen ohne Ausnahmen USA-weit verbieten. Und die größte Qualität, die Republikaner in dem notorischen Lügner sehen? Acht von zehn sagen, Trump kämpfe für Leute wie sie.
Das ist die erschütternde Realität von Iowa, die Nikki Haley, Ron DeSantis und Vivek Ramaswamy zu Zählkandidaten gemacht hat. Selbst unter den Republikanern mit College-Abschluss ging Trump als Erster über die Ziellinie. Ideologisch hätte DeSantis am ehesten konkurrieren können. Doch warum die Kopie wählen, wenn das Original antritt? Und dieses obendrein sehr viel größeren Unterhaltungswert hat?
Trump ist mit dem Erfolg von Iowa seiner Nominierung einen großen Schritt näher gekommen. DeSantis, der die Unterstützung der beliebten Gouverneurin und führender Evangelikalen hatte, hat das Ende der Fahnenstange erreicht. Selbst wenn er am Ende knapp vor Haley liegt, gibt es für ihn keinen realistischen Weg zur Nominierung. Er sollte aus dem Rennen ausschneiden, um der Frau mit Momentum in New Hampshire eine kleine Chance zu geben.
Trump tritt wie ein Amtsinhaber an
Doch auch für Haley ist der Pfad nach dieser Caucus-Nacht schmal geworden. Sie muss jetzt in dem Neuenglandstaat alles auf eine Karte setzen. Im Unterschied zu Iowa gibt es in New Hampshire deutlich mehr Moderate und Unabhängige, die ihr die Chance für einen Überraschungssieg geben. Dann - und nur dann - geht es für die ehemalige Gouverneurin von South Carolina bei den Primaries in ihrem Heimatstaat in vier Wochen um alles.
Doch niemand sollte die Luft anhalten. Trump hat die Republikaner davon überzeugt, dass er der eigentlich legitime Präsident wäre. Deshalb tritt er wie ein Amtsinhaber an. Das verschafft ihm einen enormen Vorteil bei den Vorwahlen seiner Partei.
Was danach kommt, ist eine andere Sache. Die Sieger der Caucuses von Iowa bei den Republikanern ziehen selten ins Weiße Haus ein.

