Die Stichwahl um das Präsidentenamt in Kolumbien hat der rechtslibertäre Kandidat Abelardo de la Espriella nach offiziellen Angaben knapp für sich entschieden. Auf ihn entfielen nach laut Behördenangaben 49,66 Prozent der Stimmen. Sein sozialistischer Kontrahent Iván Cepeda kam auf 48,7 Prozent. Zudem gab es gut 1,6 Prozent Stimmenthaltungen, sogenannte „weiße Stimmen“.
De la Espriella folgt damit ab 7. August auf den amtierenden Linkspopulisten Gustavo Petro, der wegen einer in der Verfassung verankerten Amtszeitbegrenzung nicht erneut antreten durfte. Noch-Präsident Petro wie auch Cepeda erkannten am Wahlabend das offizielle Ergebnis nicht an und forderten eine Neuauszählung der Stimmen von mehr als 30.000 Wahllokalen.
„Entfacht keinen sozialen Aufruhr“
Petro forderte in einem Kommentar auf der Plattform X: Ich bitte alle demokratischen Anwältinnen und Anwälte, bei den Auszählungen in ganz Kolumbien anwesend zu sein.“ Am Abend wurden aus einzelnen Städten Ausschreitungen gemeldet. De la Espriella rief seine Rivalen auf: „Entfacht keinen sozialen Aufruhr ... - akzeptiert das Ergebnis.“ Zuvor hatte er der Opposition eine Zusammenarbeit angeboten: „Ihre Rechte werden respektiert, ihre Meinungen gehört.“
Der unterlegene Cepeda kündigte eine Mobilisierung der Straße an, sollte künftig versucht werden, „soziale Errungenschaften“ anzutasten. De la Espriella kündigte an, massiv gegen Drogenhandel und Kokain-Produktion vorgehen zu wollen, dabei aber die Verfassung des Landes zu respektieren. Er tritt als konservativer Christ auf; seinen Wahlsieg widmete er Gott. Außenpolitisch gilt der Rechtslibertäre als prowestlich und als potentieller Verbündeter von US-Präsident Donald Trump, der sich mit Petro überworfen hatte.
Die katholische Kirche hatte im Vorfeld der Stichwahl beide Lager aufgerufen, nach teils heftigen verbalen Attacken gegeneinander „sprachlich abzurüsten“ und das Ergebnis und die Institutionen des Landes zu respektieren.

