Politik

Die Hilferufe der Hausärzte sind berechtigt

Der Wegfall der Budgetobergrenze für Hausärzte ist richtig, verschiebt den Druck aber in Richtung Kassen, glaubt unser Berliner Korrespondent Norbert Wallet.

  • Will den Forderungen der Hausärzte entgegenkommen: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

    Will den Forderungen der Hausärzte entgegenkommen: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Das demografisch bedingte Praxissterben führt dazu, dass die verbleibenden Hausärzte mehr Patienten zu versorgen haben. Gleichzeitig lohnt die Mehrarbeit aufgrund einer festen Budget-Obergrenze kaum. Umfangreiche Dokumentationspflichten binden Energie und Zeit, und bis die Digitalisierung wirklich zu Vereinfachungen führt, wird es wohl noch dauern. Bis dahin haben die Praxen viel zu organisieren.

Die Hilferufe haben ihre Berechtigung

Während die Belastung steigt, steigt aber auch die Wichtigkeit der Hausärzte im Gesundheitssystem. Als Lotsen haben sie die wichtige Funktion, Doppelbehandlungen zu vermeiden, den Patienten den richtigen Facharztpfad zu weisen und damit auch unnötige Behandlungskosten zu sparen. Die Hilferufe der Hausärzte, die zuletzt sogar zum Mittel des Streiks griffen, haben also durchaus ihre Berechtigung. Es ist gut, dass es nun zu einem Gipfel mit Minister Lauterbach gekommen ist.

Viele Stellschrauben hat Lauterbach nicht

Viele Stellschrauben hat er allerdings nicht. E-Rezepte und telefonische Krankschreibung können den Massenandrang etwas reduzieren. Sicher kann die Bürokratieflut heruntergeschraubt werden. Und die Budgetgrenzen werden endgültig fallen. Der Effekt ist aber begrenzt, da es sie in vielen Bundesländern schon nicht mehr gibt. Wenn das dann zu höheren Honorarkosten führt, steigt der Druck auf die Beiträge. Wie bei einer zu kurzen Decke: entweder Füße oder Kopf – irgendwo muss man frieren.

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