Als das Jahr 2024 begann, hatten viele Menschen den Begriff „Remigration“ noch nie gehört. Das änderte sich in der vergangenen Woche, als das Recherche-Portal „Correctiv“ über ein rechtsradikales Treffen in Potsdam berichtete. Dort diskutierten Extremisten, auch Vertreter der AfD und der Werteunion, wie man Menschen aus Deutschland nach Afrika vertreiben könnte. Sie bezeichneten das als „Remigration“. Nun ist der Begriff zum Unwort des Jahres 2023 ernannt worden. Das ist eine unglückliche Wahl.
Bis zum „Correctiv“-Bericht war der Begriff vor allem in rechten und rechtsextremen Kreisen verbreitet. Das Wort „Remigration“ fiel auf dem Parteitag der AfD im Sommer in Magdeburg. Man findet ihn auch in ihrem aktuellen Europawahlprogramm, er stand sogar schon im Programm für die Bundestagswahl 2021. Doch man kann nicht behaupten, dass das Wort die gesamtgesellschaftliche Debatte geprägt hätte. Der Begriff war weder besonders bekannt noch verbreitet. Schon deshalb ist dessen Auswahl zweifelhaft.
Ein Augenzwinkern in Richtung der Radikalen
Sie ist aber auch verharmlosend. „Remigration“ ist eben kein Wort, das sich einfach so in den Sprachgebrauch eingeschlichen hat. Es ist ein rechter Kampfbegriff. Er ist bewusst vage gehalten, um ihn als harmlos zu tarnen, während er gleichzeitig rechten Fantasien alle Freiheiten lässt. Wirft man der AfD nun vor, sie strebe mit „Remigration“ Vertreibungen an, kann sie empört widersprechen, es ginge ja nur um Abschiebungen – aber immer mit einem Augenzwinkern in Richtung ihrer radikalen Anhänger, die genau wissen: Es geht um mehr. Sonst hätte man ja „Abschiebungen“ geschrieben.
Mit der Auszeichnung zum Unwort will die Jury zwar gerade auf diesen verharmlosenden Charakter aufmerksam machen. Aber sie trägt gleichzeitig dazu bei, dass der Begriff sich verbreitet. Es wird vor allem denen helfen, die den Begriff erfunden haben – und die ihn für sich zu nutzen wissen.

