Politik

Anne Applebaum erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Die US-polnische Journalistin Anne Applebaum erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sie beschäftigt sich in ihren Analysen unter anderem mit dem russischen Kommunismus.

  • Die Journalistin beschäftigte sich mit den kommunistischen Systemen Russlands. (Archivbild)Foto: IMAGO/GlobalImagens//Ãlvaro Isidoro

    Die Journalistin beschäftigte sich mit den kommunistischen Systemen Russlands. (Archivbild)Foto: IMAGO/GlobalImagens//Ãlvaro Isidoro

Die US-polnische Journalistin und Historikerin Anne Applebaum erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Die 59-Jährige werde für ihre Analysen der kommunistischen und postkommunistischen Systeme der Sowjetunion und Russlands geehrt, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Dienstag in Frankfurt am Main mit. Mit ihren „tiefgründigen wie horizonterweiternden Analysen“ habe sie die Mechanismen autoritärer Machtergreifung offengelegt, hieß es zur Begründung.

Mit ihren Forschungen zur Wechselwirkung von Ökonomie und Demokratie sowie zu den Auswirkungen von Desinformation und Propaganda auf demokratische Gesellschaften habe sie gezeigt, wie fragil diese seien. „In einer Zeit, in der die demokratischen Errungenschaften und Werte zunehmend karikiert und attackiert werden, wird ihr Werk zu einem eminent wichtigen Beitrag für die Bewahrung von Demokratie und Frieden“, erklärte die Vorsitzende des Börsenvereins, Karin Schmidt-Friderichs.

Applebaum zähle zu den wichtigsten Analytikerinnen autokratischer Herrschaftssysteme. Sie gilt als große Expertin der osteuropäischen Geschichte und warnte bereits früh vor einer möglichen gewaltsamen Expansionspolitik des russischen Staatschefs Wladimir Putin. Zu Applebaums bekanntesten Werken gehören „Der Gulag“, „Der Eiserne Vorhang“ und „Die Verlockung des Autoritären“. 2004 wurde sie mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erhielt sie den Carl-von-Ossietzky-Preis.

Applebaum wurde 1964 in Washington D.C. geboren. Sie studierte an der Yale University russische Geschichte und Literatur. In London und Oxford setzte sie ihren Schwerpunkt auf internationale Beziehungen. 1988 wurde sie Auslandskorrespondentin in Polen für die britische Zeitschrift „The Economist“. Für die Zeitschrift berichtete sie über den Fall der Berliner Mauer.

Später arbeitete sie unter anderem für die britischen Zeitungen „Evening Standard“ und „Daily Telegraph“. Zwischen 2002 und 2006 war sie Mitglied im Herausgebergremium der „Washington Post“. Bis 2019 war sie für die Zeitung Kolumnistin.

2012 übernahm Applebaum für ein Jahr den Philippe-Roman-Lehrstuhl für Geschichte an der London School of Economics ans Political Science. Für den internationalen Think Tank „Transitions Forum“ leitete sie zwei Jahre lang ein Programm, das die Wechselwirkung von Demokratie und Wachstum in Brasilien, Indien und Südafrika untersuchte.

Später nahm sie an weiteren Programmen teil, in denen sie sich unter anderem mi Autokratien, Desinformation und Propaganda beschäftigte. Sie lehrte zudem an Universitäten in London und in Baltimore in den USA. Applebaum lebt mit Unterbrechungen seit 30 Jahren in Polen.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird ihr am 20. Oktober im Rahmen der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche übergeben. Der Preis wird seit 1950 verliehen und ist mit 25.000 Euro dotiert.

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