Panorama

Hier wüten im Süden Frankreichs die Flammen

Wind, Hitze und extreme Trockenheit: In Südfrankreich tobt ein Großbrand. Die höchste Warnstufe gilt. Sogar die Arbeit steht mancherorts still. Auch die Tour de France ist betroffen.

  • Feuerwehrleute bekämpfen einen Waldbrand in Ille-sur-Têt in Südfrankreich.Thibault Camus/AP/dpa

    Feuerwehrleute bekämpfen einen Waldbrand in Ille-sur-Têt in Südfrankreich.Thibault Camus/AP/dpa

Mehrere Feuer treiben die französischen Einsatzkräfte aktuell gleichzeitig vor sich her. Betroffen sind vor allem Regionen im Süden des Landes, darunter beliebte Urlaubsgebiete an der Mittelmeerküste sowie das Hinterland der Provence und der Pyrenäen.

4600 Hektar Wald bei Perpignan verbrannt

Wegen eines weiter um sich greifenden Naturbrandes in Südfrankreich sind inzwischen 10.000 Menschen evakuiert worden. Betroffen sind 26 Ortschaften in einem Gebirgsmassiv westlich von Perpignan, wo die Flammen sich inzwischen durch 4600 Hektar Fläche gefressen haben, wie die zuständige Präfektur mitteilt.

Der Brand wurde durch Wind, große Hitze und vor allem durch eine außergewöhnlich hohe Lufttrockenheit angefacht. Ein Feuerwehrmann sowie ein Anwohner wurden schwer verletzt.

Waldbrände wüten in diesem Jahr sehr früh

Die Präfektur des Departements Pyrénées-Orientales rief die Menschen in der betroffenen Region dazu auf, die Straßen vollständig für die Feuerwehrkräfte freizuhalten und nicht in die Häuser zurückzukehren, um dort Besitz in Sicherheit zu bringen.

Für Firmen, deren Beschäftigte nicht zur Arbeit kommen können, soll eine Kurzarbeitsregelung getroffen werden. Der regionale Bahnverkehr wurde beeinträchtigt und ein für Ausflügler auf einer Bergstrecke eingesetzte Zug stellte den Verkehr ein. Zur Unterstützung der Löscharbeiten sollten nach Angaben der EU-Kommission vier Flugzeuge aus Schweden und Zypern in den betroffenen Gegenden in den Frankreich ankommen.

„Noch nie zuvor sind in Südfrankreich in den letzten 20 Jahren so früh im Sommer 11.000 Hektar Land abgebrannt“, betont Waldbrandexperte Julien Ruffault vom französischen Forschungsinstitut INRAE (Nationales Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt) gegenüber der Zeitung „Le Monde“.

Brand bremst Tour de France aus

Der ausufernde Brand führte auch zu einer Anpassung der dritten Etappe der Tour de France, die heute durch die betroffene Region führt und nun ohne Zuschauer und Werbekarawane unterwegs sein wird. Alle Sicherheitskräfte müssten sich auf die Bekämpfung des Brandes konzentrieren, erklärt die Präfektur. Wer sich nicht an die Einschränkungen halte, müsse mit einem Bußgeld rechnen.

Die Brände sind in diesem Jahr etwa zwei bis drei Wochen früher als gewöhnlich ausgebrochen,  begünstigt durch die anhaltende Trockenheit, die Hitzewelle und kräftigen Wind, der die derzeitigen Löscharbeiten erschwert. Erwartet werden Höchsttemperaturen von 36 bis 40 Grad, örtlich bis 41 Grad. Feuerwehrleute befürchten eine extrem lange Brandsaison.

61 Départements gelten als hoch brandgefährdet

Der französische Innenminister Laurent Nuñez sprach zuletzt von rund 20 laufenden Bränden, darunter mehrere größere und kritische Brandherde. Der staatliche Wetterdienst Météo France warnt für größere Teile Frankreichs vor einer hohen Brandgefahr. Für sieben Departements im Südosten wurde die höchste Warnstufe Rot verhängt.

Auch in anderen Regionen Frankreichs brachen bereits Wald- und Vegetationsbrände aus. Gleichzeitig stuft Météo-France 61 Départements als hoch brandgefährdet ein, in Essonne, Deux-Sèvres und Vaucluse besteht sogar ein sehr hohes Waldbrandrisiko.

Für Mittwoch (8. Juli) erwarten die Meteorologen insbesondere im Süden Frankreichs eine weitere Verschärfung: In den Départements Aude, Hérault, Gard, Vaucluse und Drôme wird die Waldbrandgefahr als sehr hoch eingestuft. (mit dpa-Agenturmaterial)

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