Panorama

Donald Trump attackiert den Papst und posiert als KI-Jesus

Donald Trump neueste Provokation: Der US-Präsident zeigt sich nach seiner harschen Kritik an Papst Leo XIV. in den sozialen Medien als patriotischer Erlöser, der wie Jesus einem Kranken heilend die Hand auflegt. Das neue Trump-Porträt als Jesus schlägt international hohe Wellen.

  • Donald Trump hat ein KI-generiertes Bild auf seinem offiziellen Social-Media-Account bei Truth Social veröffentlicht, das ihn selbst als Personifizierung von Jesus Christus bei der Heilung eines Kranken zeigt.Foto: © Truth Social / @realDonaldTrump

    Donald Trump hat ein KI-generiertes Bild auf seinem offiziellen Social-Media-Account bei Truth Social veröffentlicht, das ihn selbst als Personifizierung von Jesus Christus bei der Heilung eines Kranken zeigt.Foto: © Truth Social / @realDonaldTrump

Es war aber dort ein Mensch, der war seit achtunddreißig Jahren krank. Als Jesus ihn liegen sah und vernahm, dass er schon so lange krank war, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin! Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. (Die Bibel, Johannesevangelium, Kapitel 5, Verse 5-9).

Trump wandelt auf den Spuren von Jesus

Wer meint, US-Präsident Donald Trump könnte bei seinem Ego nicht noch etwas draufsetzen, irrt gewaltig. Der republikanische Politiker wandelt auf den Spuren von Jesus von Nazareth. Der 79-Jährige mit dem Selbstbewusstsein eines Thanos, dem wahnwitzigen Titans aus dem Marvel „Avengers“-Universum porträtiert sich Jesus von Nazareth.

Parallel zu seiner harschen und fast schon blaphemischen Kritik an Papst Leo XIV. Papstkritik hat Trump auch ein KI-generiertes Bild auf seinem offiziellen Social-Media-Account bei Truth Social veröffentlicht, das ihn selbst als Personifizierung von Jesus Christus bei der Heilung eines Kranken zeigt – samt dem gesammelten Sammelsurium an amerikanischen Pathos um ihn herum.

Selbstdarstellung als patriotischer Erlöser

Die Selbstdarstellung in den sozialen Medien als patriotischer Erlöser, der dem erschöpften Siechenden mit inbrünstiger Zuwendung Kranken heilend die Hand auflegt, schlägt international hohe Wellen.

Die Botschaft ist unmissverständlich: Seht her! Ich bin der Erlöser, der euch heilt, wenn ihr mir und meinen Worten folgt.

Nicht nur unter gläubigen Christen hat die KI-Selbstbeweirächerung irritierte Reaktionen ausgelöst. Der 79-Jährige erscheint im weißen Gewand und rotem Umhang in der Pose des heilenden Jesus, der einem bettlägrigen Mann segnend die rechte Hand auflegt, während in seiner geöffneten linken Hand ein göttliches Licht aufstrahlt.

Symbole des US-Patriotismus rahmen Trump ein

Zu seiner Rechten betet eine junge Frau, ein bärtiger alter Mann mit Baseball-Kappe verfolgt mit ernstem Blick die Heilung. Zu Trumps Linken stehen eine Krankenschwester und ein uniformierter Soldat.

Im Bild-Hintergrund sind neben einer dramatisch wehenden US-Flagge die Freiheitsstatue, das Lincoln-Memorial und weitere Symbole des US-Patriotismus wie zwei Weißkopf-Seeadler und ein Feuerwerk in Anspielung auf den US-amerikanischen Unabhängigkeitstag zu sehen.

Donald Trumps neueste Lieblingsprojekte: ein Trump-Tower auf dem Mond.

Groteske Anklänge an große Kunstwerke

Die Präsentation wurde am späten Abend (US-Ostküstenzeit, 3.49 Uhr MESZ) eine Woche nach Ostern ohne erklärenden Begleittext veröffentlicht. Das Bild im Stil eines neoklassizistischen Ölgemäldes enthält zudem Details, die noch seltsamer als die Darstellung selbst anmuten:

In der oberen Bildmitte schweben fünf transparente Wesen in einem „Corona radiata“ – besser bekannt als Strahlenkranz bzw. Heiligenschein – gen Himmel. Die skurrile Darstellung erinnert an Auferstehungszenen aus der Kunstgeschichte wie etwa das berühmte Gemälde „El entierro del conde de Orgaz“ – „Das Begräbnis des Grafen von Orgaz“ von El Greco, geschaffen zwischen 1586 und 1588.

Die vier Wesen ähneln im Krieg gefallenen US-Soldaten in Kampfmontur, die zum Himmel emporgehoben werden. Rechts neben ihnen sind drei Kampfjets zu sehen.

Im Zentrum der oberen Bildhälfte schwebt eine Figur mit Engelsflügeln und einer dreizackigen Krone, wie sie auch die Freiheitsstatue (allerdings mit fünf Zacken) in New York trägt. In der sakralen Kunst ist dieser Ort auf Gemälden oder Fresken wie in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan dem auferstanden Jesus vorbehalten.

Aufmerksamkeit ist Trump mal wieder sicher

 Wer der Schöpfer des neuen Trump-Porträts ist, ist ungeklärt. Auf Trumps Social-Media-Account wird regelmäßig KI-generiertes Bildmaterial veröffentlicht.

 Was auch man auch immer von der Trumpschen Jesus-Symbolik hält, der US-Präsident hat propagandistisch mal wieder ins Schwarze getroffen. Medien in aller Welt kommentieren den Post.

 Die Reaktionen reichen von Empörung über Spott bis zu Zweifeln am geistigen Zustand des Staatschefs. Das Bild sei „typisch für den KI-Schrott, der regelmäßig über den Social-Media-Account des Präsidenten verbreitet wird“, heißt es in der australischen Zeitung „Sydney Morning Herald“.

Trump: „Leo schadet der Kirche“

Bevor als Jesus-Double in die Welt inkarnierte, hat Trump kräftig ausgeteilt: Diesmal war sein Ziel niemand Geringeres als der Papst.

Trump hatte in der Nacht auf Montag auf seiner Plattform Truth Social geschrieben, Leo XIV. sei „SCHWACH im Umgang mit Kriminalität und eine Katastrophe in der Außenpolitik“.

Zuvor hatte sich das Kirchenoberhaupt wiederholt kritisch über Kriegsrhetorik und Kriegsführung des US-Präsidenten geäußert.„Leo sollte dankbar sein“, so Trump weiter. „Wäre ich nicht im Weißen Haus, wäre Leo nicht im Vatikan“, behauptete er. „Er stand auf keiner Liste der Papstkandidaten und wurde von der Kirche nur deshalb dort draufgesetzt, weil er Amerikaner war und man dachte, das wäre der beste Weg, um mit Präsident Donald J. Trump umzugehen.“

Trump warf seinem Landsmann vor, sich selbst und der Kirche mit seiner „laschen“ Haltung zu schaden: „Leo sollte sich als Papst zusammenreißen, seinen gesunden Menschenverstand einsetzen, aufhören, der radikalen Linken nach dem Mund zu reden, und sich darauf konzentrieren, ein großer Papst zu sein, kein Politiker“.

Leo XIV.: Ich fürchte die Trump-Regierung nicht

Papst Leo XIV. hat Trumps jüngste Kritik nichts auf sich sitzen gelassen un postwendend geantwortet: „Ich fürchte weder die Trump-Regierung noch das offene Aussprechen der Botschaft des Evangeliums“, erklärte er am Montag vor Journalisten. Er sei kein Politiker und wolle sich nicht auf eine Debatte mit Trump einlassen. „Aber wir glauben als Friedensstifter an die Botschaft des Evangeliums.“

Seine Botschaft sei immer gewesen, den Frieden zu fördern, betonte das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken. Dies sage er allen Staats- und Regierungschefs der Welt, nicht nur Trump. „Wir versuchen stets, Kriege zu beenden und Frieden und Versöhnung zu fördern.“ Er werde dies auch weiterhin tun, bekräftigte der Papst. Diese Botschaft sollte nicht missbraucht werden, „wie es manche tun“, so der erste US-Amerikaner im Papstamt.

Vatikan-Sprecher: „Deklaration der Ohnmacht“

In einer ersten Reaktion aus dem Vatikan hatte sich am Montagmorgen bereits der Untersekretär in der Kulturbehörde des Vatikans, Antonio Spadaro, geäußert. Er bezeichnete Trumps Verbalattacke als „Deklaration der Ohnmacht“. „Wenn politische Macht eine moralische Stimme attackiert, dann liegt es oft daran, dass sie diese Stimme nicht in ihre Schranken weisen kann“, stellte der Jesuit über Soziale Medien klar.

Auch die US-Bischöfe verurteilten die Äußerungen Trumps. „Ich bin bestürzt darüber, dass der Präsident derart abfällige Worte über den Heiligen Vater gewählt hat“, heißt es in einer Mitteilung vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Paul Coakley.

Der Papst sei weder ein Gegner des US-Präsidenten, noch ein Politiker. „Er ist der Stellvertreter Christi, der aus der Wahrheit des Evangeliums spricht und für das Heil der Seelen eintritt“, so der Erzbischof von Oklahoma City. (mit KNA-Agenturmaterial)

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