Es hat längst Tradition, dass Schmutzki ihre Tournee bei einem Mini-Festival im Stuttgarter LKA zu Ende bringen. Auch dieses Finale wird Band und Publikum in Erinnerung bleiben.
Schon zum fünften Mal taufen Schmutzki Stuttgart kurzerhand in Schmutzgart um. Traditionen wie diese muss man nun mal pflegen, klar, es gibt derzeit ja sonst nicht viel zu feiern. Also kommt es an einem frühlingshaften Samstagabend mal wieder zu einem denkbar angenehmen Déjà-vu. Schon gegen 18 Uhr sammelt sich der getreue Schmutzki-Mob vor den Toren des LKA in Stuttgart-Wangen, wo man dann getreu dem ungeschriebenen Gesetzbuch der Stuttgarter Punkrocker erst den eigens angereisten Wulle-Bus leer trinkt und dann den Club stürmt. Hat Tradition.
Zum Auftakt Katja Ebstein
Im LKA dann ein ähnlich gewohntes Bild. Insbesondere vom Backstage oberhalb der Bühne wird das Meer an roten T-Shirts deutlich, die seit vielen Jahren eines sagen: Wir sind gekommen, um gemeinsam zu eskalieren. Treuere Fans kann man sich als Band wirklich kaum wünschen. Bessere Support-Bands allerdings auch nicht: Erst dürfen Bikini Beach ihre sehr laute und wilde Mischung aus Surf Punk und Garage Rock ins sehr dankbare Publikum pfeffern, danach empfiehlt sich der niederländische Akustik-Punk Tim Vantol mit schmissigen Songs und liebenswerter Art.
Irgendwann um kurz vor zehn folgt dann der Höhepunkt eines herrlich sorgenfreien, unbeschwerten und rauschhaften Abends. Zu den Klängen von Katja Ebsteins Gassenhauer „Wunder gibt es immer wieder“ betreten Schmutzki diese Bühne, die sie so gut kennen und auf der sie sprichwörtlich zuhause sind. Das merkt auch Stuttgart, Verzeihung: Schmutzgart von Anfang an. Alles ist direkt auf elf gedreht, alles ist ein bisschen wilder als anderswo. An diesem Abend gilt es, das wissen Band und Publikum, die eh immer eine unerklärliche Beziehung miteinander eingehen.
Nach mittlerweile 15 Karrierejahren haben Schmutzki nicht nur mehr Kilometer auf den Autobahnen gefressen als viele andere Bands; sie haben auch eine veritable Latte an Hits. „Eine dieser Nächte“, „Hey du“ und „Wir sind der Schmutzki Mob“ bringen das volle LKA schon früh zum kollektiven Eskalieren, in der Mitte des Sets sorgen „Zu jung“ und „Beste Bar“ für Moshpit-Eskalation vom Feinsten. Es ist laut, es ist wild, es ist bierselig. Punkrock-Heimspiel eben.
Vertraute Klänge an der Heimorgel
Natürlich ist auch wieder Jesus „Freddy“ Schmutzki an der Heimorgel dabei, was am Eröffnungstag des Frühlingsfests natürlich irgendwie wieder besonders gut passt. Eh passiert auf der Bühne so viel, dass man wirklich ständig hinschauen muss. Sänger und Gitarrist Beat Schmutz haut mal auf ein Piano ein, Sänger und Bassist Dany Horowitz macht eh seine 10 000 Schritte vor der Hälfte des Sets, Drummer Flo Hagmüller steht auch mal vorn am Bühnenrand, um sich das alles genau anzuschauen.
Schmutzki sind eben in der Stadt. Und da ist alles ein bisschen anders. Vor allem, wenn gegen Ende des Sets noch Kracher wie „Rodeo“ kommen, die den ganzen Saal in ein wogendes Meer aus roten Shirts und ohrenbetäubend lauten Chören verwandeln. Zum fünften Mal in Folge zeigen Schmutzki eindrucksvoll, wie Fannähe funktioniert. Und bringen eine weitere Tour mit einer ziemlich wilden Backstage-Party zu Ende.

