Vor zwanzig Jahren trat die blutjunge Anne Hathaway in „Der Teufel trägt Prada“ als neue Assistentin Andy mit blauem Schlabberpullover und Tweetrock vor Meryl Streep, die die glamouröse Chefin des Modemagazins „Runway“ mit biestiger Hingabe verkörperte. Maximal herablassend blickte Streeps Miranda Priestly auf das Fashion-Desaster, das sich da vor ihren Augen ausbreitete. Nur wenig später hielt sie einen qualifizierten Vortrag über eben jenes Caeruleanblau, das als Modefarbton seinen Weg von den Laufstegen in Paris bis zu den Grabbeltischen der Textil-Discounter und in Andys Pulloversortiment gefunden hatte.
Es ist unmöglich angesichts des sagenhaften Laufs, den Streep seit fünfzig Berufsjahren hingelegt hat, vom Höhepunkt ihrer Karriere zu sprechen. Dennoch war der Part in „Der Teufel trägt Prada“ so etwas wie die Rolle ihres Lebens. Mit einem brodelnden Minimalismus spielte sie diese Frau auf dem Höhepunkt ihrer Macht, deren Arroganz und Kompetenz nicht den geringsten Widerspruch duldete. Damit brach sie eine Lanze für Frauen in Führungspositionen und zeichnete eine Chefin, die Heldin und Schurkin zugleich war.
Nun zwei Jahrzehnte später schlüpft Meryl Streep im zarten Alter von 76 erneut in die Rolle, die ihr weiterhin so gut steht wie ein maßgeschneidertes Designer-Kostüm. Regisseur David Frankel, der schon das Original verantwortete, hat für dieses Spät-Sequel die bewährte Crew unter Vertrag genommen. Neben Streep sind auch Anne Hathaway, Emily Blunt und Stanley Tucci sowie Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna wieder mit an Bord.
Erneut beginnt auch dieser Film mit Einstellungen aus der urbanen Lebendigkeit Manhattans, durch dessen Straßen Andy Sachs sich beschwingt ihren Weg bahnt. Seit ihrem Weggang von „Runway“ hat sie sich als investigative Journalistin bei einer renommierten Tageszeitung einen Namen gemacht. Gerade als sie erneut einen Preis für ihre Arbeit entgegen nimmt, werden sie und mehrere Kollegen einfach per Textnachricht gefeuert, nachdem der Verlag von einem Großunternehmen gekauft wurde.
Aus Andys Dankesansprache wird eine Wutrede gegen den Ausverkauf des engagierten Journalismus, die viral geht und die Aufmerksamkeit des „Runway“-Verlegers Irv Rabitz (Tibor Feldman) erregt. Das Modemagazin ist in einen Social-Media-Shitstorm geraten, nachdem es eine Modemarke beworben hat, die ihre Produkte mit Kinderarbeit herstellt.
Kurzerhand nimmt Irv Rabitz die renommierte Journalistin unter Vertrag, die als Leiterin der Feature-Redaktion den Schaden begrenzen und dem Magazin ein ganz neues politisches Profil geben soll. Dessen Chefredakteurin Miranda Priestly ist „not amused“ – also so gar nicht erfreut – über die Entscheidung, die über ihren Kopf hinweg getroffen wurde. Immerhin kann sich Andy mit ihrer früheren Kollegin Emily (Emily Blunt) wieder anfreunden, die nun die Fäden in der New Yorker „Dior“-Filiale zieht.
Erst als Andy ein Interview mit der mondän und zurückgezogen lebenden Milliardärs-Ex-Gattin Sasha Barnes (Lucy Liu) arrangiert, bekommt sie die Anerkennung ihrer Chefin. Die Auflagenzahlen klettern wieder in die Höhe. Miranda sieht einer Beförderung entgegen, als der Verleger kurz vor deren Verkündung einem Herzinfarkt erliegt.
Nun übernimmt der verwöhnte Hipstersohn Jay (B.J. Novak) das Ruder und der kann es kaum erwarten „Runway“ an den Meistbietenden zu verkaufen. Während einer Modeschau im dekorativen Mailand, tun sich Miranda und Andy zusammen, um eine feindliche Übernahme durch den unterbelichteten Milliardär Benji (Justin Theroux) zu verhindern.
In „Der Teufel trägt Prada 2“ setzen Regisseur Frankel und Drehbuchautorin McKenna auf Vertrautes und Bewährtes mit ein paar neuen Akzenten. Dass neben der schillernden Modeindustrie, deren Glamoureffekte Kameramann Florian Ballhaus erneut berückend einfängt, auch die kriselnde Magazin- und Zeitungsbranche ins Visier genommen wird, gibt dem Sequel punktuell gesellschaftspolitische Tiefe und satirischen Biss.
Justin Theroux zeichnet eine äußerst gelungene Karikatur eines Neokapitalisten, der am lautesten über seine schlechten Witze lacht und wie ein gelangweiltes Kind mit seinen Millioneninvestitionen spielt. Erneut überzeugt das Skript mit messerscharfen Pointen und reichhaltigen Figurenzeichnungen. Vor allem aber ist „Der Teufel trägt Prada 2“ ein Fest der Schauspielenden. Das gilt natürlich vor allem für Meryl Streep, die ihrer biestigen, selbstbewussten Frauenfigur noch einiges mehr an emotionaler Tiefe verleiht als im ersten Film.
Anne Hathaway schaut man auch hier wieder gerne bei der Arbeit zu und die Gastauftritte von Lady Gaga und Lucy Liu, die man gerade noch einmal in Tarantinos „Kill Bill“ (2003) auf der großen Leinwand bewundern kann, sind kleine, feine Schmuckstücke. Und dann ist da noch der stets fabelhafte Stanley Tucci, der sich erneut als ruhender Pol unter das Frauen-Power-Ensemble mischt und der Figur von Mirandas engstem Berater Stil, Würde und herzerwärmende Menschlichkeit verleiht.
Der Teufel trägt Prada 2. USA 2026. Regie: David Frankel. Mit Meryl Streep, Anne Hathaway, Stanley Tucci. 119 Minuten.

