Während sich das Klima zwischen Washington und London täglich weiter verschlechtert, rüstet der britische Monarch zu seiner bislang schwierigsten diplomatischen Mission. Mit seinem Staatsbesuch in den Vereinigten Staaten noch vor Ende des Monats soll König Charles III. die schwer angeschlagene bilaterale Beziehung kitten helfen – soweit das überhaupt möglich ist.
Immerhin finde sich die berühmte „special relationship“ zwischen Großbritannien und den USA „in einem traurigen Zustand“, hatte US-Präsident Donald Trump erst diese Woche verkündet. Damit reagierte Trump auf die Erklärung des britischen Premierministers Sir Keir Starmer, er finde sich „unter einer Menge Druck“, werde aber unter keinen Umständen zulassen, dass sich Großbritannien an Trumps Iran-Krieg beteilige. Vor allem gehe es ihm „gegen den Strich“, hatte Starmer gesagt, dass seine Landsleute den Preis für diesen Krieg zu bezahlen hätten. Tatsächlich wird Großbritannien laut IWF vom Iran-Krieg schlimmer getroffen werden als irgendein anderer G7-Staat. Schatzkanzlerin Rachel Reeves zeigte sich sogar regelrecht „frustriert und zornig“ darüber, dass die USA den Krieg „ohne klare Zielvorstellungen“ vom Zaum gebrochen hätten.
Trump: Briten sollten sich besser vorsehen
Auf derlei Unbotmäßigkeit reagierte Trump mit der Drohung, die Briten sollten sich besser vorsehen. Die mit London getroffene Vereinbarung, die Großbritannien etwas niedrigere Zölle als anderen Staaten auf Autos, Aluminium und Stahl einräumte, könne schließlich „jederzeit wieder geändert werden“, wenn ihm danach sei. Starmers Politik sei eh „wahnsinnig“ und „tragisch“. Und verlassen könne man sich auf die britischen Alliierten kein bisschen.
Im Gegensatz dazu hält der US-Präsident große Stücke auf den britischen König. Trump freut sich ungemein auf dessen Staatsbesuch. Der Besuch werde „grandios“ werden. Er werde „ein wunderschönes Bankett“ im Weißen Haus für den König und für Königin Camilla ausrichten. Während Briten-Premier Starmer ihn bitter enttäuscht habe und „kein Winston Churchill“ sei, sei Charles wiederum „ein ganz wunderbarer und tapferer Mensch“, „ein Freund von mir“.
Charles und Camilla sind vom 27. bis zum 30. April in den USA
Wie der Buckingham-Palast bestätigte, werden Charles und Camilla sich vom 27. bis zum 30. April in den USA aufhalten. Sie werden zwei Tage in Washington verbringen und dort unter anderem zu einer Tee-Party, dem Staatsbankett und zeremoniellen Aufmärschen des Militärs eingeladen sein. Der König wird Gelegenheit zu privaten Gesprächen mit dem Präsidenten und – dies dürfte der Höhepunkt werden – zu einer Ansprache an den Kongress erhalten. Bei dieser Ansprache wird Trump wohl nicht anwesend sein.
Dass König Charles mit sehr gemischten Gefühlen in die Staaten reisen wird, wird von kaum jemandem auf den Britischen Inseln bezweifelt. Allein schon Trumps diverse verächtliche Bemerkungen über die britischen Streitkräfte, deren nominelles Oberhaupt der Monarch ist, haben ihm wenig Sympathien in der „alten Heimat“ gebracht.
Absage wäre in Washington als Provokation verstanden worden
Trumps selbsterklärte Bereitschaft zur Vernichtung der iranischen Zivilisation und zuletzt seine scharfen Attacken gegen Papst Leo laufen eh allen Wertmasstäben in Windsor zuwider. Besorgnis herrscht auch in der britischen Regierungszentrale angesichts der Möglichkeit, dass Trump sich während des Staatsbesuchs zu einer unbedachten Äußerung irgendwelcher Art hinreißen lassen könnte – oder dass ausgerechnet zum Zeitpunkt, zu dem Charles beim Bankett das Glas auf Trump erhebt, der Präsident doch noch Bomben auf iranische Brücken und Kraftwerke regnen lässt.
Aber der Forderung der britischen Liberalen, der Grünen und vieler Labour-Leute, den Trip abzublasen oder ihn wenigstens zu verschieben, wollte man in der Regierungszentrale nicht nachkommen. Eine solche Geste wäre in Washington nur als enorme Provokation verstanden worden, glaubt man in Downing Street. Sir Ed Davey, der Vorsitzende der Liberaldemokraten, sieht das anders. Für ihn ist Donald Trump schlicht „ein gefährlicher und korrupter Gangster“, der jedenfalls keinen Königsbesuch verdient hat.

