Panorama

Ticketmaster soll Preise künstlich erhöht haben

Ein Urteil mit Sprengkraft: Ticketmaster und Mutterkonzern Live Nation sollen den Ticketmarkt jahrelang unrechtmäßig dominiert und Fans mit zu hohen Preisen zur Kasse gebeten haben.

  • In den USA fiel jetzt ein bedeutendes Urteil gegen Live Nation und Tochterfirma Ticketmaster.Foto: Koshiro K

    In den USA fiel jetzt ein bedeutendes Urteil gegen Live Nation und Tochterfirma Ticketmaster.Foto: Koshiro K

Ein US-Geschworenengericht hat den Konzertveranstalter Live Nation und dessen Tochter Ticketmaster in einem aufsehenerregenden Kartellverfahren für schuldig befunden. Nach mehrwöchigem Prozess in New York kamen die Juroren zu dem Schluss, dass das Unternehmen seine marktbeherrschende Stellung im Ticketgeschäft unrechtmäßig aufrechterhalten hat.

Vorwurf: Zu viel Macht im gesamten Konzertgeschäft

Die Klage war 2024 vom US-Justizministerium gemeinsam mit zahlreichen Bundesstaaten eingereicht worden. Der zentrale Vorwurf: Live Nation kontrolliere große Teile der Branche – von der Ticketvergabe über Konzertbuchungen bis hin zu Veranstaltungsorten und Promotion. Dadurch seien Wettbewerber verdrängt worden.

Laut Klägerseite führte dieses Verhalten dazu, dass:

Die Jury folgte dieser Argumentation.

Fans zahlten nachweislich zu viel

Konkret stellte das Gericht fest, dass Ticketmaster Konzertbesucher im Schnitt um 1,72 US-Dollar pro Ticket zu viel berechnet hat – zumindest bei großen Veranstaltungsorten in den klagenden Bundesstaaten. Auf Basis dieser Summe könnten nun Schadenersatzforderungen berechnet werden. Die endgültige Höhe wird der zuständige Richter zu einem späteren Zeitpunkt festlegen.

Live Nation betonte jedoch, dass sich diese Summe nur auf einen begrenzten Teil des Geschäfts beziehe: etwa 20 Prozent der verkauften Tickets in den vergangenen fünf Jahren. Insgesamt rechnet das Unternehmen mit einem Schaden von unter 150 Millionen Dollar – der im US-Kartellrecht allerdings noch verdreifacht werden kann.

Mögliche Folgen für die Branche

Das Urteil könnte weitreichende Konsequenzen haben. Im Raum stehen unter anderem eine Zerschlagung von Unternehmensteilen, eine Trennung von Live Nation und Ticketmaster sowie strengere Auflagen für Ticketverkäufe und Gebühren.

Beobachter erwarten, dass mehr Wettbewerb entstehen könnte – mit potenziell niedrigeren Preisen und besseren Chancen für kleinere Anbieter sowie weniger bekannte Künstler.

Live Nation weist Vorwürfe zurück

Das Unternehmen selbst bestreitet weiterhin, ein Monopol zu sein. Man sei zwar groß, aber ein „harter Wettbewerber“ in einem breiten Markt, argumentierte die Verteidigung. Live Nation kündigte an, gegen das Urteil vorzugehen.

In einer Stellungnahme heißt es, das Urteil sei „nicht das letzte Wort“. Noch ausstehende Anträge könnten sowohl die Haftungsfrage als auch die Schadenshöhe beeinflussen. Zudem plane man Berufung gegen mögliche nachteilige Entscheidungen.

Politik und Kläger sehen „historischen Sieg“

Vertreter der Klägerseite werteten das Urteil hingegen als bedeutenden Erfolg. Es sei ein „großartiger Tag für Verbraucher“, erklärte ein Vertreter des US-Justizministeriums. Auch mehrere Generalstaatsanwälte sprachen von einem historischen Urteil, das zeige, dass sich auch große Konzerne nicht über Wettbewerbsregeln hinwegsetzen könnten.

Hintergrund: Kritik seit Jahren

Die Marktmacht von Ticketmaster steht seit Jahren in der Kritik. Spätestens seit Problemen beim Vorverkauf der „Eras Tour“ von Taylor Swift 2022, bei dem das System zeitweise zusammenbrach, ist die Debatte auch politisch in den USA angekommen.

Live Nation organisierte allein im vergangenen Jahr mehr als 55.000 Konzerte weltweit mit rund 159 Millionen Besuchern – ein Hinweis auf die enorme Bedeutung des Unternehmens im Live-Entertainment-Markt.

Entscheidung noch nicht endgültig

Trotz des Schuldspruchs ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Neben möglichen Berufungen steht vor allem die Frage im Raum, welche konkreten Maßnahmen das Gericht anordnet, um den Wettbewerb wiederherzustellen.

Damit dürfte der Fall die Musikbranche noch länger beschäftigen. Welche Folgen das Urteil für den europäischen oder deutschen Ticketmarkt haben könnte, ist derzeit nicht absehbar.

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