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Zwischen Hundertsteln und Höhenflügen

Die Leichtathletik-EM in Birmingham verspricht Höchstleistungen und große Geschichten, wenn Olympiasieger, Weltmeister und zukünftige Stars aufeinandertreffen.

Birmingham - London war 2017 Gastgeber der Leichtathletik-WM, nun finden 92 Jahre nach der Premiere erstmals Europameisterschaften in Großbritannien statt. Vom 10. bis 16. August werden in Birmingham 51 Entscheidungen ausgetragen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Großereignis.

Wie groß ist der Stellenwert der EM?

Sehr groß. In nicht-olympischen Jahren sind die Europameisterschaften der Saisonhöhepunkt für Europas Elite, dementsprechend starten alle (gesunden) Stars. 2024 wurde kurz vor den Sommerspielen von Paris wie üblich ein reduziertes Programm (ohne Marathon und lange Geh-Distanz) absolviert. Die deutsche Heim-EM 2022 in München stand im Schatten der WM von Eugene, die wenige Wochen zuvor mit einem Jahr Verspätung wegen der Coronakrise ausgetragen wurde. Die letzte „konkurrenzlose“ EM gab es somit 2018 in Berlin. Zudem sind die Titelkämpfe eine wichtige Standortbestimmung auf halbem Weg zu den Olympischen Spielen 2028.

Welche internationalen Stars starten?

Zehn Weltmeister und Weltmeisterinnen von Tokio 2025 treten in Birmingham an, zudem sechs Olympiasieger und -Siegerinnen von Paris 2024. „A-Promi“-Status tragen vor allem die Weltrekordler Armand Duplantis (Schweden/Stabhochsprung), Karsten Warholm (Norwegen/400 Meter Hürden) und Jaroslawa Mahutschich (Ukraine/Hochsprung) sowie Italiens Tokio-Olympiasieger Marcell Jakobs (100 Meter/Staffel).

Wie sind die deutschen Aussichten?

Vor vier Jahren in München war Deutschland mit siebenmal Gold und 16 Medaillen erfolgreichste Nation. 2024 in Rom holte nur Weitspringerin Malaika Mihambo Gold, insgesamt elf Medaillen waren aber zufriedenstellend. Das München-Ergebnis scheint außer Reichweite, zu stark ist die Konkurrenz aus Großbritannien, Italien, Frankreich und den Niederlanden. Dennoch schickt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) diverse Titelkandidaten ins Rennen. Neben Tokio-Olympiasiegerin Mihambo (Weitsprung) reisen Leo Neugebauer (Zehnkampf) vom VfB Stuttgart, Julian Weber (Speerwurf), Frederik Ruppert (Hindernis) und Amanal Petros (Marathon) als Goldhoffnungen an. Große Medaillenchancen haben zum Beispiel Paris-Olympiasiegerin Yemisi Mabry (Kugel), Dauerbrennerin Gesa Krause (Hindernis) oder Emil Agyekum (400 Meter Hürden) und Robert Farken (1500 Meter) aus dem boomenden Männer-Laufbereich. Langstrecken-Ass Mo Abdilaahi musste verletzungsbedingt kurzfristig absagen.

Wie ist die Lage bei Owen Ansah?

Schwierig. Der schnellste Deutsche, der im Juni den nationalen 100-Meter-Rekord auf 9,98 Sekunden drückte, hatte Anfang Juli „im Reisestress“ einen Dopingtest verweigert. Dem Hamburger droht eine mehrjährige Sperre. Eine Entscheidung der Nationalen Anti-Doping-Agentur steht aus. Weil Ansah nicht positiv getestet wurde, ist er nicht suspendiert und darf bis zum Urteil laufen - zuletzt wurde er deutscher Meister über 100 und 200 Meter. Bei der EM soll Ansah beide Einzelstrecken besetzen, über 100 Meter ist er Europas Nummer drei. Ob bei einer Sperre rückwirkende Sanktionen greifen, ist unklar - ein Staffel-Start Ansahs ist nicht risikofrei.

Was ist neu?

51 Entscheidungen bedeuten eine Rekordzahl für Europameisterschaften. Neu dabei ist die 4x100-m-Mixedstaffel. Die Geher-Distanzen werden an die gängigen Laufdistanzen angeglichen: Statt 20 und 50 km - wie jahrzehntelang praktiziert - feiern nun Halbmarathon (21,0975 km) und Marathon (42,195) internationalen Premiere.

Was ist mit Russland?

Der Kontinentalverband folgt der Linie des Weltverbandes, die Verbände Russlands und Belarus’ sind wegen des Angriffs auf die Ukraine weiterhin vom internationalen Geschehen ausgeschlossen. Auch neutrale Athleten sind nicht zugelassen. Der russische Verband ist wegen Dopingvergehen bereits seit 2015 suspendiert.

Was muss man über das Stadion wissen?

Das Alexander Stadium ist nach den Fußball-Arenen Villa Park (Aston Villa) und St. Andrew’s Stadium (Birmingham City) sowie dem Edgbaston Cricket Ground nur das viertgrößte Stadion der 1,1-Millionen-Einwohner-Stadt Birmingham. Für die Commonwealth Games 2022 wurde das Alexander Stadium umgebaut, bei der anstehenden Europameisterschaft fasst die kompakte Wettkampfstätte im Norden der Stadt 18.000 Zuschauer.

Wo ist die EM im TV zu sehen?

ARD und ZDF übertragen fast alle Wettkämpfe inklusive der Morgen- und Mittag-Sessions im täglichen Wechsel im Hauptprogramm sowie im Stream. Auch Eurosport zeigt die Europameisterschaft im Free-TV und/oder Stream.

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