Stuttgart - Der VfB Stuttgart, sagte am Sonntag auf der Mitgliederversammlung Alexander Wehrle, sei ja nicht nicht nur der Verein für Bewegungsspiele, wie es der Namen sagt. Sondern auch: ein Club in Bewegung. Und wer sich bewegt, benötigt Platz. Mehr denn je gilt das für den VfB.
Der Vorstandsvorsitzende der VfB AG benannte daher auch gleich ein Dilemma. Zwar werde man als „Institution“ immer größer und wichtiger. Die ganze Gruppe kann aber so gut wie nie an einem Ort zusammenkommen und -arbeiten. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aktuell auf vier Standorte verteilt“, beklagte Alexander Wehrle – und ist bereits um Abhilfe bemüht.
Direkt im Clubzentrum wird derzeit am weiß-roten Erfolg gearbeitet, dazu in einem kleinen Containerbau direkt daneben. In der MHP-Arena hat der VfB zudem Räumlichkeiten angemietet, ebenso im Quartier Q8 unweit des Neckarparks in Bad Cannstatt. Im früheren Carl Benz Center (es heißt offiziell Wolff & Müller Energy Center) sind zudem die VfB-Rehawelt, der Fanshop und die Jugendakademie untergebracht. Und genau dort will der VfB nun räumlich expandieren. „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagt Wehrle am Tag nach der Mitgliederversammlung zum Stand der Gespräche mit der Firma Stihl, die Eigentümerin des multifunktionalen Baus zwischen der Porsche-Arena und der MHP-Arena ist. Dabei geht es nicht um weitere Mietverträge, sondern um den Kauf des ganzen Gebäudes, dessen Wert auf rund 50 Millionen Euro taxiert wird. Kann sich der VfB Stuttgart das leisten?
Der Club musste sich ja früher schon anhören, lieber in Steine statt in Beine zu investieren. In diesem Fall soll das Geld für den Kauf aber explizit nicht die Investitionsfähigkeit im sportlichen Bereich schwächen. Im Gegenteil. Im ersten Schritt würde der Kauf über Kredite finanziert, deren Tilgung durch Mieteinnahmen oder -einsparungen geleistet werden soll. Für Fanshop, Rehawelt und Jugendakademie müsste der VfB keine Miete mehr zahlen, die „Ankermieter mit teils langfristigen Verträgen“ (Wehrle) würden dagegen dann an den Fußball-Bundesligisten überweisen. Derzeit sind eine Hotelkette, zwei Gastronomiebetriebe und ein Parkhausbetreiber die Mieter. Sind die Kredite erst einmal komplett getilgt, wären die Mieten weitere Erlösquellen für den VfB.
Für den Club würde sich bei einem Kauf und Umbau ein positiver Nebeneffekt ergeben. Die Suche nach einem geeigneten Standort für das ersehnte Vereinsmuseum wäre beendet, es würde eben hier integriert werden. Alles zusammen, sagt Wehrle, würde das Vorhaben „dem Verein infrastrukturell Luft verschaffen“. Und zwar auf eine nahezu ideale Art und Weise: „Wir könnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammenführen, hätten einen Heimatbezug und verdienen ganz am Ende auch noch Geld damit.“ Im Nachgang würde dann das jetzige Clubzentrum für den sportlichen Bereich bei Männern und Frauen modernisiert.
Auf der gegenüber liegenden Seite der Mercedesstraße hat der VfB zuletzt in zwei Rasenplätze investiert, die nun vor allem von den Frauen genutzt werden können. Auch das erste öffentliche Training der Männer fand hier statt. Die Fläche neben dem Mercedes-Museum ist dem VfB für zunächst sieben Jahre überlassen worden – was die kritische Platzsituation auf dem eigentlichen Clubgelände entspannt. Demnächst soll auch noch eine Flutlichtanlage installiert werden. Die Gespräche über einen Erwerb der Flächen des Polizeisportvereins (PSV) haben daher erst einmal keine Priorität mehr.
Quasi vom Tisch ist zudem der Plan, im Neckarpark ein Stadion zu bauen, in dem die VfB-Frauen und die Drittligamannschaft ihre sportliche Heimat haben könnten. Ein Umbau des Stadions Festwiese wäre zu kostenintensiv und langwierig gewesen. Auch auf dem Clubgelände lässt sich eine kleinere Arena mit bis zu 15.000 Plätzen nicht realisieren. Die Frauen starten daher im Gazistadion auf der Waldau in ihre erste Bundesligasaison und werden dort auch erst einmal bleiben.
Baulich investiert werden soll in den weiblichen Bereich dennoch weiter – in Form eines Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) für die kickenden Mädchen. Hier gibt es bereits Pläne, ein solches Gebäude an der Hafenbahnstraße in Obertürkheim zu errichten. Dort hat der Kooperationspartner des VfB seine Heimat. Wie schnell dieses Vorhaben mit einem finanziellen Volumen im mittleren einstelligen Millionenbereich angegangen werden kann, hängt auch von möglichen Förderzusagen ab. Das NLZ für die Mädchen fällt in den Verantwortungsbereich des VfB e.V.
