Kleinglattbach. Das war bei diesen tropischen Temperaturen fast zu erwarten gewesen. Die 43. Auflage der S-VKZ-Tour für Radler und Wanderer reiht sich mit knapp 600 Gästen (513 mit dem Rad, 73 zu Fuß) weit hinten in der ewigen Teilnehmerskala ein. Schade, aber man kann es niemand verdenken, wenn bei Temperaturen von über 30 Grad nicht geradelt oder gewandert werden will.
Treffpunkt bei der Halle im See. Die Lage ist etwas unübersichtlich. Fragen: „In welche Richtung wird gestartet?“ VKZ-Verlagsleiter Volker Blessing versucht am Mikro aufzuklären und gibt wichtige Hinweise. Leider wird er nur im direkten Umfeld gehört …
Man trifft auf viele Gesichter, für die die Teilnahme an der Sommerveranstaltung fast schon Ehrenpflicht ist. Der Andrang am Startkartenschalter, besetzt mit Mitarbeiterinnen der VKZ und der Kreissparkasse, schafft den Andrang ohne Probleme. Die Elektroquote der Räder ist enorm hoch, doch es gibt auch noch die alten Drahtesel. So startet zum Beispiel Armin Knust mit einem gut 60, 70 Jahre alten Rad der Marke Gritzner. Immerhin hat es fünf Gänge. Und im Scheinwerfer ist ein Tacho eingebaut.
Vorne stehen traditionell die roten Radler vom RSV mit einem aufgekratzten Vorstandsmitglied Helmut Rath. Dem hatte man im Urlaub das Pedelec gestohlen. Das neue Rad hat er am Tag vor der Tour bekommen. DRK-Mann Steffen Schassberger setzt sich mit seinem Motorrad an die Spitze. Schlag zehn feuert Kleinglattbachs Ortsvorsteher Matthias Siewert den Startschuss für den Radlertross ab. Ach, wie war das am Stromberg-Gymnasium schön, einfach geradeaus fahren … Hier geht’s erst um diverse Ecken, bis man auf der Strecke ist. Es haben wohl doch alle geschafft. So manch einer/eine sagte sich: „Ich fahr einfach hinterher, das ist nicht so trubelig.“
Kolonnenverkehr auf der Piste Richtung Eselsburg. Neben dem Radweg dösen im Schatten Schafe auf einer Wiese. Straßensicherung durch die Polizei am Kreisverkehr von Horrheim. Viele Radler bedanken sich. Sportplatz. Die Störche auf dem Umsetzer sind am Samstagmorgen ausgeflogen. Feuerwehrleute sorgen für Sicherheit an den Kreuzungen. Beim Friseursalon in der Stadtmauerstraße hat man wohl die Arbeit eingestellt. Die Damen stehen vor der Tür. Gezählt haben sie nicht, „aber es sind viele“.
Erster Panneneinsatz für Martin Fischer auf dem Kanalweg kurz vor Sersheim. Walter Hertler hat das Hinterrad des Pedelecs seiner Frau schon ausgebaut. Fischer kann weiterhelfen. Der Anstieg von der Metter hoch Richtung Kreisstraße Sersheim – Hohenhaslach ist etwas heimtückisch. Da braucht der kleine Sohn mit der Rückennummer 1 schon etwas Anschubhilfe von der Mama. Lockere Gespräche sind jetzt problemlos möglich. Die Frau aus Ensingen ist zum ersten Mal dabei. Kühltasche mit Wasserflasche und Kühlakkus auf dem Gepäckträger. Sicher ist sicher. Da erfährt man von Ulrich Siehler aus Enzweihingen, der seine beiden Kinder mit dem Pedelec des Vaters im Anhänger hinter sich herzieht, dass die Spielanlage im Pulverdinger Holz Ende September offiziell eingeweiht wird.
„Aber wir denken schon dran, uns Pedelecs zu kaufen.“
Tour-Teilnehmer
Achtung. Es gibt auch Gegenverkehr. Ab und zu wäre es nicht schlecht, die Klingel zu benutzen. Auf dem Verbindungsweg Richtung Langmantel staubt es ordentlich. Und die Schlaglöcher sind leider auch noch da. Der kurzfristige Hilferuf an die Stadt Sachsenheim hat nicht geholfen. Lockere Fahrt Richtung Kleinsachsenheim – mit Elektrohilfe. Der eine oder andere Senior müht sich noch mit seinem lieb gewordenen Rad ab, das ihn das halbe Leben begleitet hat. „Aber wir denken schon daran, uns Pedelecs zu kaufen“, heißt es immer wieder.
„Bitte nicht sausen lassen“, ist die Bitte an eine flotte Abfahrerin in der Kirbachstraße. Antwort: „I brems net, i han Durst.“ Die Überquerung der Straße ist für die hintere Radler-Abteilung mit Hilfe der Polizei und mit der Einweisung auf den Gehweg durch einen freundlichen Feuerwehrmann kein Problem. Bei der Spitze hatte offenbar die Streife noch nicht umgesetzt … Irgendwie hat es doch geklappt. Oben nach dem Bahndurchlass stürzt eine Frau. Versorgung durchs DRK. Schürfwunden am Knie und Arm. „Die Frau wollte und konnte weiterfahren“, meldet DRK-Mann Holger Hanke.
Die Ensinger Station beim Schützenhaus/Hundeplatz kommt rechtzeitig.
Auch der Landtagsabgeordnete Konrad Epple lässt sich das Auftanken nicht entgehen. Die Tour ist für ihn ein Pflichttermin, wenn sie nicht mit dem Schäferlauf zusammenfällt. Die Hüfte spielt nach der Operation gut mit: „Ich könnte Bäume ausreißen, frisch gesetzte natürlich.“ Bei der Weiterfahrt schwelgt Epple in Geburtstagserinnerungen. 280 Flaschen Wein aus dem Wahlkreis habe er bekommen, alles Literflaschen, alles Trollinger. Epple hat sich das im Vorfeld so gewünscht.
Waldkindergarten Sersheim, Westerngelände. Hier ist auch das Wandervolk unterwegs. Man kommt aneinander vorbei.
Das Gespann mit der behinderten Mariana aus Ensingen ist ein Hingucker. Ihre Freundin Annette zieht das Mädchen über alle Berge. Den Tipp, oben beim Römerhof einfach geradeaus zu fahren, lehnt sie dankend ab: „Hab’ noch viel Reserve in der Batterie. Und Mariana freut sich über die Enz.“ Eigentlich wollte man die kürzere Strecke nach Vaihingen auf dem Kehlweg offiziell anbieten, doch die Feuerwehr spielte da bei der Kontrollfahrt am Morgen nicht mit, baute das Hinweisschild wieder ab. War halt nicht die genehmigte Strecke ...
Frisch sanierter Schalterweg, steile Abfahrt zum Leinfelder Hof, Gärtnerei Natterer, Kornberg und leider noch der Anstieg. Auf dem Bahnradweg ist fast nichts mehr von der Tour zu spüren. Es herrscht normaler Radverkehr. Die Schlussetappe ist eine entspannte Angelegenheit. Der Mann aus Nussdorf, der schon bei nahezu jeder Tour dabei war, scherzt beim Edekamarkt: „Da vorne steig ich ab. Es sind jetzt 32 Kilometer...“ Er ist dann aber doch noch zur Halle im See weitergefahren und lobt: „Super Strecke. Es war wieder schön. Fahr das nochmal mit Freunden ab. Die GPS-Daten hab ich.“ Andere treten schon die Heimfahrt an. „Jetzt schnell unter die Dusche“, stöhnt ein Radler. Das Thermometer zeigt inzwischen 34 Grad.









