Balingen/Stuttgart - Ergebnisse und Leistungen in Testspielen während der Vorbereitung sind mit Vorsicht zu beurteilen. Das beeilte sich auch Fabian Wohlgemuth zu betonen. „Man darf das natürlich nicht überbewerten“, sagte der Sportvorstand des VfB Stuttgart am Sonntagnachmittag nach dem 7:0 bei der TSG Balingen. Denn: „Es ging ja gegen einen Fünftligisten.“ Ein bisschen Eindruck hat Jovan Milosevic dennoch gemacht. Auf die Zuschauer, aber auch auf die Verantwortlichen des VfB.
Der junge Stürmer war in der Rückrunde der vergangenen Saison ja an Werder Bremen ausgeliehen gewesen. Was er dort bewiesen habe? Dass er keine lange Eingewöhnungszeit braucht. So sieht das zumindest Fabian Wohlgemuth und blickt darauf, dass der 20-Jährige an der Weser gleich im zweiten Spiel einen Treffer erzielt hat. „Es ist eine besondere Eigenschaft von ihm: Er kommt – und trifft ein paar Tage später.“ So war das jetzt auch wieder. Am Donnerstag startete die Vorbereitung für Milosevic in der alten, aber doch auch wieder neuen Umgebung. Und im Testspiel am Sonntag bei der TSG Balingen erzielte er gleich zwei Tore und bereitete einen Treffer vor.
„Das zweite Tor war sensationell“, schwärmte hinterher Sebastian Hoeneß. Da hatte sich Jovan Milosevic den Ball mit der Brust selbst aufgelegt und ihn dann per Fallrückzieher ins Tor befördert. Aber, ergänzte der Cheftrainer der Stuttgarter: „Auch das Kopfballtor war schön.“
Das führte am Sonntag natürlich gleich zur Frage, ob es für den jungen Mann, der demnächst 21 Jahre alt wird, doch noch eine Perspektive gibt beim VfB. Seit seinem Wechsel zum Club aus Bad Cannstatt im Jahr 2023 war der Angreifer dreimal ausgeliehen. An den FC St. Gallen, an Partizan Belgrad und an Werder Bremen. Mittlerweile wirkt Milosevic optisch wie ein erfahrener Stürmer, ist bulliger geworden. „Es gibt für ihn immer die Möglichkeit, die Dinge in seine Richtung zu lenken“, sagte Hoeneß am Sonntag.“ Und „dass er Qualitäten hat“, darüber gäbe es keine unterschiedlichen Meinungen.
Weil der Angreifer aber nach wie vor jung ist und Spielpraxis benötigt, geht es für Hoeneß in den kommenden Wochen auch um die Frage, wie realistisch Einsatzzeiten im Champions-League-Kader des VfB sind. Zumal der Verein ja noch auf der Suche nach einem Mittelstürmer in Ergänzung zu Deniz Undav und Ermedin Demirovic ist. „Wir werden täglich beobachten, wie die Situation ist“, sagt Hoeneß mit Blick auf Jovan Milosevic, „aber eben auch, wie die Situation auf dem Transfermarkt ist.“
So ähnlich gilt das auch für Lazar Jovanovic. Der 19-Jährige spielte in Balingen in der zweiten Hälfte – und schnürte wie sein serbischer Landsmann einen Doppelpack. Wobei auch ihm ein sehenswerter Treffer gelang (Wohlgemuth: „Für mich das schönste Tor des Tages“). Jovanovic kam vor einem Jahr von Roter Stern Belgrad zum VfB, hat aber ein Jahr zum Vergessen hinter sich. Auch, weil er oft verletzt war. Hoeneß bezeichnet den Flügelspieler als einen Profi „mit enormen Qualitäten“. Auch für ihn sei es wichtig, regelmäßig zu spielen. Das Problem: Aufgrund ihrer serbischen Heimat (Nicht-EU) und den Regularien dürfen beide nicht in der zweiten Mannschaft des VfB in der dritten Liga auflaufen.
Was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass für beide Offensivspieler noch im Laufe der Transferperiode nach einer Leih-Möglichkeit geschaut wird. Bis dahin aber können sie sich weiter in Stuttgart zeigen, wo sie einen Vertrag bis 2029 besitzen. Und sich womöglich doch für einen Kaderplatz mit Einsatzchancen empfehlen. „Es war“, sagte Fabian Wohlgemuth immerhin, „schon mal ein guter Einstieg.“

