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Titelkandidat? Hoeneß widerspricht

Viele trauen dem VfB in der neuen Bundesliga-Saison eine Menge zu. Der Trainer bremst – und kann sich dabei auf Zahlen berufen.

Stuttgart - Mit dem Titelkampf wird der SC Paderborn aller Voraussicht nach nichts zu tun haben. Und dennoch sorgte der Aufsteiger unlängst für einiges Aufsehen zu ebendiesem Thema, genau genommen in Person seines Trainers. Ralf Kettemann nahm wie seine 17 Kollegen auch an einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zur neuen Saison teil – und überraschte mit einem gewagten Meistertipp. Titelverteidiger und Topfavorit FC Bayern? Nein, für Kettemann wird der VfB Stuttgart das Rennen machen.

Mit dieser Prognose befindet sich der 40-Jährige allein auf weiter Flur, alle anderen Trainer setzen auf den FCB oder legen sich nicht fest. Aber: Kettemann ist nicht der Einzige, der dem VfB viel zutraut. Gladbach-Coach Eugen Polanski nennt die Stuttgarter als Außenseitertipp im Titelrennen, Rekordnationalspieler Lothar Matthäus erwartet den VfB auf Platz drei, Sky-Experte Dietmar Hamann prognostiziert: „Wenn die Bayern etwas anbieten, bin ich bei den Dortmundern und vielleicht sogar den Stuttgartern.“

Haben die Spielplan-Einteiler da also direkt ein Titelduell zum Auftakt angesetzt, wenn der FC Bayern an diesem Freitag (20.30 Uhr/Sat 1) den VfB empfängt? Sebastian Hoeneß muss darüber schmunzeln. Der Stuttgarter Trainer hat die öffentlichen Prognosen mitbekommen – und überrascht zur Kenntnis genommen. Auf der Pressekonferenz in München setzte der 44-Jährige zur Gegenrede an, mit nach oben gezogenen Augenbrauen und leichtem Kopfschütteln. „Meine Aufgabe ist es“, sagte der VfB-Coach, „die Dinge mal richtig einzuordnen. Wir bewegen uns schon relativ nah am Limit.“

Es gebe in Deutschland schlichtweg einige Clubs, so Hoeneß, die ganz andere Möglichkeiten hätten als der VfB. An dieser Stelle lohnt ein Blick auf die Zahlen. Addiert man die Marktwerte aller Profis einer Mannschaft auf dem Portal Transfermarkt.de, ergibt sich tatsächlich ein anderes Bild. Die Bayern führen das Ranking mit 1,06 Milliarden Euro unangefochten an, dahinter folgen Borussia Dortmund (529 Millionen), Bayer Leverkusen (514 Millionen), RB Leipzig (506 Millionen) und auf Platz fünf der VfB (423 Millionen). Hinzu kommt: Ob in Stuttgart alles so bleibt, ist nicht ausgemacht: Bis Dienstag hat das Transferfenster geöffnet, der Abgang eines namhaften Spielers steht für den Fall eines lukrativen Angebots im Raum.

Nun sind diese Zahlen natürlich nur Richtwerte für das Geschehen auf dem Platz, das auch von anderen Faktoren beeinflusst wird. Von funktionierenden Abläufen etwa. Der VfB verfügt seit Jahren über ein eingespieltes Team mit demselben Trainer – ein Unterschied zu Konkurrenten wie Leverkusen oder Leipzig, die mit neuen Übungsleitern und Kader-Veränderungen starten.

Mit diesen Mannschaften bewegte sich der VfB zuletzt auf Augenhöhe – und selbstverständlich sind die Ansprüche nach Platz zwei (2024), dem Pokalsieg (2025) und Platz vier (2026) gestiegen. Nicht nur im Umfeld, auch innerhalb der Mannschaft. „Natürlich sind wir ambitioniert“, betont Hoeneß, „aber es ist kein Selbstläufer, da musst du als Mannschaft sehr gut funktionieren. Da steckt viel mehr dahinter, als mal kurz so einen Saison-Tipp abzugeben.“

So liegt der Fokus auf den Inhalten. Und da steht fest: Den VfB erwartet an diesem Freitag die schwerstmögliche Aufgabe – und ein hochfokussierter Gegner. Vor einem Jahr gewannen die Münchner zum Auftakt gegen den späteren Dritten RB Leipzig 6:0, auch jetzt ist der Rekordmeister schon im Wettkampfmodus: „Das müssen wir uns alles wieder erarbeiten, diesen Flow“, sagt Sportvorstand Max Eberl, „wir haben eine immense Vorfreude, aber auch Anspannung.“ Das gilt auch für den Bayern-Trainer, der keinen defensiven VfB erwartet. „Es ist eine Mannschaft“, sagt Vincent Kompany, „die immer Druck macht und fußballerische Lösungen sucht. Wenn ich mir ein Ticket kaufen müsste, wäre das kein schlechtes Spiel.“ Fakt ist: Die 90 Minuten werden neben den 75.000 Fans im Stadion etliche weitere Fußballinteressierte im TV verfolgen. Vermutlich auch Ralf Kettemann in Paderborn.

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