SportVfB

Nick Thumm ist am Ende – und doch (fast) ganz oben

Der Speerwerfer vom VfB Stuttgart holt überraschend EM-Silber – und damit in Birmingham die zweite Medaille für seinen Verein.

  • Müde, aber stolz:Foto: imago/Chai v.d. Laage

    Müde, aber stolz:Foto: imago/Chai v.d. Laage

Stuttgart/Birmingham - Er hätte ja noch einen Versuch gehabt. Hätte probieren können, seine persönliche Bestleistung noch einmal nach oben zu schrauben. Hätte den Kampf um Gold noch einmal aufnehmen können. Aber Nick Thumm warf den Speer nicht mehr weit hinaus auf den Rasen des Stadions in Birmingham, sondern eher wie so ein Wattebäuschchen ein paar Zentimeter nach vorn. Dann legte er sich auf den Boden – litt und genoss zugleich.

„Im sechsten“, sagte er später, „ging gar nichts mehr.“ Denn schon davor habe er Krämpfe in den Waden gehabt. Auch bei jenem Wurf, der ihm seinen bislang größten Erfolg beschert hatte.

Auf 83,76 Meter hatte Nick Thumm da den Speer geworfen – und damit nicht nur seine persönliche Bestweite noch einmal verbessert. Er hatte den deutschen Konkurrenten und Titelfavoriten Julian Weber überflügelt. Was diesen einerseits glücklich machte: „Ich habe mich für Nick extrem gefreut.“ Aber auch noch einmal anstachelte: „Danke an Nick für die Motivation. Da musste ich schon noch mal einen drauflegen."

Das tat Julian Weber dann auch. Begleitet von lauten Schreien flog sein Speer im letzten Versuch auf 90,40 Meter. Das war Rekord für eine Europameisterschaft – und Gold. Das er gemeinsam mit Nick Thumm bejubelte. Denn der hatte bei seinem EM-Debüt tatsächlich Silber geholt. Und brauchte danach durchaus Menschen, die ihm glaubhaft machten, was er da erreicht hat.

„Ich weiß nicht, was passiert ist“, sagte der 22-Jährige und ergänzte: „Ich bin sprachlos.“ Ein bisschen was bekam er dann aber doch noch heraus aus seinem ausgelaugten Körper. „Ich bin einfach nur glücklich und kann es nicht beschreiben“, sagte er. Am nächsten Morgen war er da schon ein bisschen weiter. Zwar sagte Nick Thumm auch da: „Ein bisschen braucht es noch, bis ich alles realisiere.“ Aber er betont auch: „So langsam kommt es.“ Schmunzelnd fügte er hinzu: „Ich glaube, ich habe Platz zwei gemacht.“ Was ein weiterer Meilenstein in der noch jungen Karriere war.

Zwar wirft Nick Thumm den Speer schon sehr lange, Vater und Mutter sind schließlich nicht nur Sportlehrer und Sportlehrerin, sondern haben auch beide Leichtathletik betrieben. Beide sind sie bis heute die Trainer des Sohnes. Aber ein Unfall mit dem Mountainbike, bei dem Handgelenk und Schulter deutlich in Mitleidenschaft gezogen worden sind, erforderte ein Comeback. Das war zwar mühsam, aber erfolgreich.

Im vergangenen Jahr holte Nick Thumm Silber bei der U-23-EM. Auch bei den University Games – der Speerwerfer studiert an einer Fernuni Produktdesign – wurde er Zweiter. Bei den deutschen Meisterschaften holte er bei den Aktiven Platz drei, bei der U  23 den Titel. In diesem Jahr bestätigte Thumm dann seine Entwicklung, warf persönliche Bestweiten, wurde deutscher Wintermeister und Zweiter bei der DM. „Es ist Stück für Stück nach vorne gegangen“, sagte er am Sonntag gegenüber unserer Redaktion. Eine EM-Medaille war also nicht ausgeschlossen, aber alles andere als eingeplant.

2025 war Nick Thumm 2025 von der LAV Tübingen zum VfB Stuttgart gewechselt. Nun gratulierte der Präsident Dietmar Allgaier zum Coup mit dem Speer: „Silber direkt bei der EM-Premiere, das ist eine Sensationsleistung von Nick Thumm und zeigt, wie viel Potenzial in ihm steckt.“ Für den VfB Stuttgart ist es bei dieser EM die zweite Medaille. Am Donnerstagabend hatte bereits Leo Neugebauer Gold im Zehnkampf geholt.

Datenschutz-Einstellungen