Grassau - Dass Nikolas Nartey verschiedene Positionen ausfüllen kann, ist an sich ja keine Neuigkeit. Immer mal wieder verlässt der zentrale Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart seine angestammte Position und taucht ganz woanders auf, auf der Außenbahn oder im offensiven Halbraum zum Beispiel.
In der Vergangenheit blieb das aber meist auf kurze Zeiträume – ein Spiel oder auch nur eine Spielphase – beschränkt, in der laufenden Vorbereitung dagegen ist die Situation eine andere: Die Rolle als rechter Außenverteidiger hat sich zur vertrauten Aufgabe entwickelt für Nartey, der dort in den jüngsten Testspielen und auch in jeder bisherigen Spielform im Trainingslager in Grassau auflief. „Die Vorbereitung“, sagt Trainer Sebastian Hoeneß zu der Maßnahme, „ist einfach dazu da, Dinge zu probieren. Wir wollen Niko mal sehen auf der Position.“
Der Testlauf hat einen konkreten Hintergrund. Rechtsverteidiger Lorenz Assignon (26) fällt nach einer Schulter-Operation monatelang aus und wird den Saisonstart auf jeden Fall verpassen, der genaue Zeitpunkt seiner Rückkehr steht noch nicht fest. Das ist mehr als eine Randnotiz: In der zurückliegenden Saison absolvierte der Franzose wettbewerbsübergreifend immerhin 37 Pflichtspiele für den VfB, davon 23 von Beginn an. Nun sucht Hoeneß zumindest für die Anfangsphase der Spielzeit einen Ersatzmann, der die Rolle rechts hinten im Wechsel mit Josha Vagnoman (25) ausfüllen kann.
Hier bringt sich Nartey gerade in Position. „Ich finde, dass er es sehr ordentlich macht“, sagt Cheftrainer Hoeneß über den Dänen, dessen Erfahrungen als Mittelfeldspieler dabei kein Nachteil sind: Der VfB will das Spiel ins Zentrum lenken, von dort wird durch Angelo Stiller (25) als Fixpunkt über die Richtung der Angriffe entschieden. „Das ist schon die Idee, da Überzahl zu schaffen“, sagt Hoeneß und ergänzt in Bezug auf Nartey: „Für ihn ist es wahrscheinlich prädestiniert, weil er im Mittelfeld schon gespielt hat.“ Nun soll der 26-Jährige von der Rechtsverteidiger-Position aus diese Räume in der Mitte finden. Durch Pässe mit seinem starken linken Fuß – oder aber, in dem er selbst situativ einrückt.
Die Aufgabe ist auch aus Narteys persönlicher Warte in puncto Einsatzchancen interessant. Im zentralen Mittelfeld herrscht auf den beiden zentralen Positionen ein großer Konkurrenzkampf mit deutlich mehr Anwärtern als Plätzen. Stiller ist gesetzt, für den zweiten Platz kommen mehrere Akteure in Frage. Kapitän Atakan Karazor, Neuzugang Grischa Prömel, der junge Spanier Chema. Für den flexibel einsetzbaren Nartey kann deshalb womöglich rechts hinten eher eine Startelf-Türe aufgehen, insbesondere während Assignons Fehlen.
Unter anderem wegen dieser Option steht auch fest: Der VfB plant auf der Rechtsverteidiger-Position keinen Transfer mehr und will in der jetzigen Konstellation in die Saison starten – zumal es neben Vagnoman und Nartey ja noch weitere Kandidaten gibt. Leonidas Stergiou (24), der nach seiner Leihe vom 1. FC Heidenheim zurückgekehrt ist. Und Youngster Christopher Olivier (20), der in der Vorbereitung auf sich aufmerksam machen konnte. Deren Aussicht auf Einsatzminuten ist im Vergleich zu Vagnoman und Nartey geringer, die Konstellation rechts hinten unterscheidet sich damit dennoch grundlegend von jener auf der gegenüberliegenden linken Seite.
Dort ist der formstarke Maximilian Mittelstädt gesetzt – und dem Trainer stellt sich eher eine andere Frage: Wer spielt, wenn der 29-Jährige mal ausfällt oder eine Pause braucht? „Da haben wir nicht den klassischen Back-up“, sagt Hoeneß, der in der Vorsaison immer mal wieder Ramon Hendriks links aufbot und zuletzt auch Vagnoman auf der linken Seite testete. Dessen Stammposition dürfte aber die rechte Seite bleiben, die er in den vergangenen Jahren mit viel Physis und Tempo bespielte – wobei seine Auftritte auch Schwankungen unterworfen waren.
Noch also läuft das Casting auf der rechten Seite. In jedem Training, in jedem Testspiel. Das Testspiel am Samstag (17 Uhr) in der MHP-Arena gegen den englischen Erstligisten FC Everton wird dabei weitere Aufschlüsse geben. Klar ist: Nikolas Nartey spielt hierbei zwei Wochen vor dem Pflichtspiel-Auftakt in den Überlegungen von Trainer Sebastian Hoeneß mehr denn je eine Rolle.

