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Nagelsmann macht Platz

Der Bundestrainer ist doch noch zurückgetreten. Aber mit dem Blick auf die Wunschlösung Jürgen Klopp gibt es für den DFB noch einiges abzuarbeiten.

Stuttgart - Jetzt also doch. Nachdem Julian Nagelsmann unmittelbar nach dem desaströsen WM-Aus der DFB-Elf noch davon sprach, „nicht wegrennen zu wollen“, ging er am Freitag über die goldene Brücke, die ihm der DFB gebaut hatte: Der Bundestrainer ist damit Geschichte, Nagelsmann trat zurück. Auf Druck der Verbandsspitze, die ihm diesen Schritt nahegelegt hatte. Denn klar war: Der Coach hat keine Zukunft mehr beim DFB. Etwas weniger als sieben Millionen Euro soll die Abfindung betragen, die der Coach kassiert – bis nach der EM 2028 wäre sein Vertrag gelaufen. Durch Nagelsmanns halb-freiwilligen Rücktritt spart der DFB weitere Abfindungsmillionen, die fällig gewesen wären, wenn Nagelsmann auf stur geschalten hätte und man ihn damit hätte entlassen müssen.

Dass Nagelsmann am Ende so schlau war, die Rücktrittsgesuche anzunehmen, ist aller Wahrscheinlichkeit nach einer so späten wie unausweichlichen Selbsteinschätzung gefolgt. Frei nach dem Motto: Ich habe hier keine Zukunft mehr, aber mit einem Rücktritt kann ich selbst noch irgendwie mein Gesicht wahren – zumal mir auch in dem Fall noch eine Abfindung zusteht.

Mit Nagelsmann gehen auch dessen Assistenten Benjamin Glück, Benjamin Hübner und Alfred Schreuder. Weiterhin im Amt bleibt Standardtrainer Mads Buttgereit. Genauso wie Torwarttrainer Andreas Kronenberg. Beide sind seit 2021 beim DFB und haben noch gültige Verträge.

Andreas Rettig, als Geschäftsführer Sport beim DFB für die Nationalmannschaft sowie die Akademie in Frankfurt verantwortlich, wird wiederum beim größten Sportfachverband der Welt bald Geschichte sein: Rettig wird seinen Ende dieses Jahres auslaufenden Vertrag nicht verlängern.

Der neue Ex-Bundestrainer Nagelsmann wiederum ließ sich in der DFB-Mitteilung am Freitag mit entschuldigenden Worten zitieren: „Ihr habt uns getragen, ihr habt uns vertraut, ihr habt uns Energie gegeben, selbst in schwierigen Phasen“, rief der 38-Jährige den Fans zu und betonte: „Es tut mir von Herzen leid und weh, dass wir euch enttäuscht haben und euch keine weiteren Fußballnächte bei dieser WM bescheren konnten. Ihr hättet viel mehr verdient gehabt!“

Bei der Nachfolgeregelung deutet nun alles auf Jürgen Klopp als neuen Bundestrainer hin – mehr als in den Tagen vorher ohnehin schon. Denn wenn der DFB in seiner Mitteilung über den Rücktritt Nagelsmanns weiter unten im Text schon explizit betont, dass man „hinsichtlich der Neubesetzung des Trainerpostens nunmehr das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen wird“ und Klopp bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert habe, lässt dies im Grunde nur eine Frage offen: Wann wird Klopp als Bundestrainer präsentiert?

Allerdings: Es gibt noch Hürden zu überwinden. Seit 2025 ist der gebürtige Stuttgarter der so genannte Head of Global Soccer im Fußball-Imperium von Red Bull. Sein Vertrag läuft bis 2029 – es wäre wohl eine satte Ablöse fällig. Was wiederum ein Novum in der mehr als 126 Jahre langen DFB-Geschichte wäre bei der Neuverpflichtung eines Bundestrainers. Gerüchten zufolge aber soll Klopp eine Ausstiegsklausel in seinem RB-Vertrag stehen haben. Red Bull dementiert das allerdings.

Wie auch immer: Klopp steht in den Startlöchern, er will ins Rennen gehen als Bundestrainer. Ihn reizt die Perspektive, sein Land zur EM 2028 zu führen, die in Großbritannien stattfindet. Ausgerechnet, lässt sich da ausnahmsweise mal sagen, denn: Auf der Insel arbeitete Klopp von 2015 bis 2024 bekanntlich erfolgreich und höchst anerkannt als Trainer des FC Liverpool.

Kurz danach bekam seine bis dahin auch in Deutschland riesige Reputation Risse. Der Job im Red-Bull-Kosmos hat ihm in der breiten Öffentlichkeit nicht nur unter Traditionalisten Sympathien gekostet. Auch an seinen alten Wirkungsstätten in Mainz und Dortmund, wo er bis dahin noch immer als eine Art Säulenheiliger und integrer Menschenfänger durchgegangen war, der bei der Wahl seiner Arbeitsplätze auf den Kern des Spiels, auf Emotionen und Traditionen zu achten schien. Und nicht vorrangig aufs Geld – worauf Klopp übrigens auch mit dem Blick auf seine zahllosen Sponsorenverträge seit Jahren großen Wert legt.

Der Schritt weg vom globalen Getränkeriesen hin zum Bundestraineramt wäre für Klopp nun ein Schritt zurück in die Richtung oder womöglich sogar in die Arme des deutschen Fußballvolks, das sich spätestens nach der WM 2018 und vor dem RB-Engagement im Grunde ja immer nur einen neuen Bundestrainer gewünscht hatte: Klopp.

Fakt ist: Populär ist der 59-Jährige immer noch, sein Name steht für Erfolg und Emotionen, für Vollgasfußball – für all jene Dinge also, die der DFB-Elf seit Jahren abhanden gekommen sind. Und eben nicht erst bei der WM in Nordamerika.

Eine entscheidende Frage, die aber noch offen ist: Ist Rudi Völler als Sportdirektor des DFB in Kombination mit Klopp eine angemessene Lösung? Oder braucht es dazu noch Verstärkung von außen? Oder anstelle Völlers einen neuen starken Mann im Kreis der DFB-Elf? Die Namen von Matthias Sammer, Europameister von 1996, und Per Mertesacker, Weltmeister 2014, fallen in diesem Zusammenhang immer wieder.

Das nächste Länderspiel steigt für die DFB-Elf am 24. September in den Niederlanden. Bis dahin werden die Fragen um Klopp und um Klopp herum beantwortet sein.

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