Atlanta - Das frühe WM-Aus ist längst nicht verarbeitet, die Stimmung in Fußball-Deutschland nah am Tiefpunkt. Die sich anbahnende Verpflichtung von Jürgen Klopp als Bundestrainer ist ein Aufbruchsignal. Doch es gibt noch mehr Hoffnungen auf eine erfolgreichere Zukunft.
Misserfolg? Kennt Jürgen Klopp nicht. Selbst als er in seiner letzten Dortmund-Saison nach 19 Spieltagen Letzter war, führte er das Team noch in den Europapokal. Er küsste den FC Liverpool wach, wurde selbst durch seine Zeit an der Anfield Road zur weltweiten Marke. Und diese steht für Emotionalität, Sympathie und Titel. Eine Nationalmannschaft ist Neuland für den Schwaben, aber er hat bewiesen, dass er unterschiedliche Mannschaften nachhaltig verbessern kann.
Der DFB ist mit über acht Millionen Mitgliedern der größte nationale Sportverband der Welt. Doch bei den Finanzen war die Lage lange Zeit angespannt. 2025 jedoch erwirtschaftete man sich einen Überschuss von 19 Millionen Euro, verfügt über 188 Millionen Euro Eigenkapital. Ab 2027 kommt Nike als neuer Ausrüster an Bord – für wohl 100 Millionen Euro pro Jahr bis 2034.
Der Großteil der Nationalmannschaft ist nicht nur hochveranlagt, sondern auch noch sehr jung. Florian Wirtz und Jamal Musiala sind 23 Jahre alt, Aleksandar Pavlovic erst 22 und einer wie Assan Ouédraogo gar erst 20. Bayern-Jungstar Lennart Karl (18) war schon ein echter Hoffnungsträger für die WM in Amerika, verletzte sich aber vor dem letzten Testspiel in Chicago und fiel fürs Turnier aus. Dort machte der Neu-Bayer Nathaniel Brown (23) besonders auf sich aufmerksam.
Faktisch hat Deutschland kein Nachwuchsproblem – zumindest mit Blick auf die jüngere Vergangenheit. Die U 17 wurde 2023 Welt- und Europameister, die U 19 erreichte 2025 das EM-Halbfinale. Die U 21 stand im selben Jahr im EM-Finale. Die Basis ist vorhanden, nun müssen sich die Talente entsprechend entwickeln und im Profi-Fußball durchsetzen. Das dürfte die größte Hürde sein.
Die jahrelange Neuner-Diskussion ist eigentlich obsolet. Deutschland hat wieder mehrere Mittelstürmer-Optionen. Kai Havertz hat bei dieser Weltmeisterschaft trotz aller Enttäuschung drei Tore erzielt, der VfB-Stürmer Deniz Undav ebenfalls und zwei weitere aufgelegt. Hinzu kommt in Nick Woltemade eine deutlich jüngere Alternative. Fasst der 24-Jährige im Club – aktuell ist es Newcastle United – wieder Fuß und kommt in Form, dürfte er auch in der Nationalmannschaft ein Faktor sein.
