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Emotionale Rückkehr an die Weser

Reena Wichmann und Verena Wieder haben gemeinsam bei Werder Bremen gespielt. An diesem Montag treffen sie mit dem VfB Stuttgart auf ihren Ex-Club. Und haben davor über die Rückkehr gesprochen.

  • Im Norden aufgewachsen: Reena WichmannFoto: imago/Rudel

    Im Norden aufgewachsen: Reena WichmannFoto: imago/Rudel

Stuttgart - Es ist schon eine recht lange Fahrt. Von Bremen im Norden nach Stuttgart im Süden. „Ich habe“, gibt Reena Wichmann zu, „das doch ein bisschen unterschätzt.“ Die Familie und die Freunde waren deshalb noch nicht allzu oft zu Gast in der schwäbischen Metropole, in der die 28-Jährige seit dem Winter diesen Jahres für den VfB spielt. Aber: Jetzt gibt es ja ein Wiedersehen, das für die Verwandten und Bekannten etwas einfacher zu erreichen ist.

An diesem Montagabend geht auf Platz elf der Anlage von Werder Bremen das Flutlicht an. Um 18 Uhr wird die Partie der Gastgeberinnen eben gegen den VfB angepfiffen. Und erstmals seit vielen, vielen Jahren wird Reena Wichmann dann als Gegnerin auf die Grün-Weißen treffen. Seit 2013 hatte sie zuvor – unterbrochen von einem USA-Aufenthalt – bei Werder gespielt. „Jetzt zurückzukehren“, sagt die Flügelspielerin, „wird schon sehr emotional.“ Gut, dass sie damit nicht alleine ist.

Verena Wieder ist zwar nicht wie Reena Wichmann in Bremen aufgewachsen. Sie stammt auch nicht aus dem Norden Deutschlands, sondern aus Thalhofen im Ostallgäu. Aber: Auch die Mittelfeldspielerin verbrachte zuletzt zwei Jahre bei Werder und spielte dort in der Bundesliga. Und: im DFB-Pokal. Was aus zweierlei Gründen besonders erwähnenswert ist. Zum einen verbinden Wichmann und Wieder ihre bislang emotionalsten Karrieremomente mit diesem Wettbewerb. In der Saison 2024/2025 zogen sie mit dem SVW ins Pokal-Halbfinale ein und trafen dann auf den Hamburger SV. Der Nordrivale, damals Zweitligist. Das ausverkaufte Volksparkstadion, in dem auch 10.000 Werder-Fans saßen und Krach machten. Die Unterzahl. Die Verlängerung gegen den Underdog. Und dann: trotz allem der Sieg, der Einzug ins Finale.

„Das war krass“, erinnert sich Reena Wichmann. „Das werde ich nie vergessen“, ergänzt Verena Wieder, „das Stadion ist damals explodiert. Von den Emotionen her war das drei Stufen über allem anderen, was ich bisher im Fußball erlebt habe.“ Weshalb das Halbfinale als Erlebnis auch über dem Finale steht. Da unterlagen die Bremerinnen dem FC Bayern 2:4 – doch es bietet die zweite wichtige Pokal-Anekdote mit Reena Wichmann und Verena Wieder. Denn: In der 68. Minute dieses Endspiels in Köln wurde die eine, Wieder, für die andere, Wichmann, eingewechselt.

In den bisherigen vier Bundesliga-Spielen des VfB standen die beiden auch noch nicht gemeinsam auf dem Feld, was auch damit zu tun hatte, dass Verena Wieder im Sommer angeschlagen nach Stuttgart gekommen war. Aber: Es wäre ja ohnehin nun, am Montagabend in Bremen, der perfekte Zeitpunkt für den ersten gemeinsamen Auftritt in Weiß und Rot. Denn die Vorfreude ist bei beiden riesengroß. Und der VfB-Trainer Nico Schneck setzt auf das Insiderwissen des Duos: „Wir nehmen jede Information, die wir bekommen können.“

Reena Wichmann freut sich vor allem auf das Wiedersehen mit Freunden und der Familie. Verena Wieder trifft ebenfalls „viele bekannte Gesichter“, denkt aber auch vor allem an die Fans der Werder-Frauen: „Die machen Stimmung und reißen immer extrem was ab.“ Sie ergänzt schmunzelnd: „Bei Wind und Wetter.“

Das eher rauere Klima oben im Norden ist immer wieder Thema, wenn die Allgäuerin über ihre Zeit in Bremen spricht. Empfand sie den Wind als stürmisch, sprachen die Nordlichter eher von einer frischen Brise. „Das Wetter“, erinnert sie sich, „war die größte Umstellung.“ Und die Hügel und Berge ihrer süddeutschen Heimat haben ihr auch ein bisschen gefehlt. In der Stadt aber habe sie sich schnell „total wohlgefühlt“. Dass sie nun für den VfB spielt, ist aber noch ein bisschen stimmiger.

Der Großvater war Anhänger der Stuttgarter, ihr erster Besuch in einem großen Fußballstadion fand in Stuttgart statt. Die Nähe zur Heimat sprach im Sommer für den VfB, und auch, hier „eine historische erste Saison in der Bundesliga“ mitzuerleben. Und das ehrgeizige Projekt in den nächsten Jahren vielleicht sogar „mitprägen“ zu können.

Auch Reena Wichmann hatte im Winter nicht lange überlegt, denn für sie schien nach der langen Phase bei Werder die Zeit reif, „noch einmal etwas Neues zu machen“. Sie stieg mit dem VfB auf, der „Kulturschock“ als Norddeutsche im Süden kam dann mit etwas Verspätung. Ihr erster Sommer in Stuttgart sei dann doch „sehr, sehr warm gewesen“. Trotzdem: Den Schritt zum VfB habe sie bislang kein einziges Mal bereut.

Der Start in die erste Liga ist zudem gelungen. Nach vier Spielen stehen sieben Punkte auf dem Konto, nur gegen das Topteam des VfL Wolfsburg gab es jüngst eine Niederlage. „Der Start war gut, wir tun allerdings gut daran, wenn wir weiter vom Ziel Klassenverbleib reden“, sagt Reena Wichmann. Verena Wieder ergänzt: „Wir haben einen guten Grundstein gelegt, aber das ist ja erst der Anfang der Reise.“ Die die VfB-Frauen nun erstmals nach Bremen führt. Eine Strecke, die man nicht unterschätzen sollte.

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