Stuttgart - Die Spieler kommen zuerst. Natürlich. Die geplanten Transfers von Leo Sauer und Dzenan Pejcinovic genießen gerade Priorität beim VfB Stuttgart. An den Verpflichtungen der beiden Offensivspieler wird kräftig gearbeitet. Mittendrin steckt dabei Fabian Wohlgemuth. Da rückt die eigene Vertragsverlängerung schon mal in den Hintergrund. So weit, so gut. Doch bereits seit Wochen zieht sich die endgültige Einigung zwischen dem Fußball-Bundesligisten und dem Sportvorstand hin – so dass sich die Frage stellt, warum das neue Arbeitspapier noch nicht unterzeichnet ist.
Das Ganze scheint erst einmal nur eine Frage des Zeitpunkts zu sein. In Kürze soll Wohlgemuths Unterschrift bis 2029 erfolgen. Aber das heißt es seit Längerem, denn im vergangenen März begannen der Aufsichtsratsvorsitzende Dietmar Allgaier und Wohlgemuth die Gespräche über ein weiteres Engagement. Bis 2027 ist der Sportvorstand vom Kontrollgremium der VfB AG bestellt und schnell hatten sich beide Seiten darauf verständigt, dass die Zusammenarbeit verlängert werden soll, da Wohlgemuth mit dem Cheftrainer Sebastian Hoeneß und dem Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle zu den Baumeistern des Erfolgs bei den Stuttgartern gehört.
Diese Konstellation passt, wie Allgaier auf der Mitgliederversammlung bestätigt hat. Und auf Anfrage betont der Präsident erneut: „Wir hatten gerade erst unsere Mitgliederversammlung und konzentrieren uns aktuell auf die Vorbereitung und Transferperiode. Und parallel laufen unsere Gespräche. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir alsbald auch zum Ziel kommen.“ Noch im August soll Vollzug gemeldet werden. Denn bisher gab es offenbar immer etwas Wichtigeres zu tun. Zunächst verspürte man beim VfB keinen Zeitdruck. Danach begann das spannende Saisonfinale mit dem Rennen um die Champions-League-Ränge sowie dem Endspiel um den DFB-Pokal. Da blieb kein Raum für Ablenkung. Gleichzeitig ging es um die herausfordernde Vertragsverlängerung mit dem Stürmer Deniz Undav. Anschließend sollte die gute Nachricht mit Wohlgemuth auf der Mitgliederversammlung verkündet werden.
Alles nachvollziehbar. Doch passiert ist nichts und offensichtlich steckt der Teufel im Detail. Es gibt einzelne Punkte zu klären. Das Geld ist es allerdings nicht. Vielmehr schaut der Aufsichtsrat auf die sportstrategische Ausrichtung und ein Teil des Gremiums wollte die Transferperiode in diesem Sommer noch abwarten, ehe eine Entscheidung getroffen wird. Davon ist man abgekommen, da Wohlgemuth in acht Transferperioden nachgewiesen hat, dass er sein Handwerk versteht. Der 47-Jährige hat großen Anteil am VfB-Aufschwung.
Wohlgemuth zeichnet neben seiner Fachkenntnis auch sein Pragmatismus aus. Er hat einen Kader gebaut, mit dem es der VfB vom Relegationsplatz im Dezember 2022 zur Vizemeisterschaft 2024, zum Pokalsieger 2025 und zum erneuten Champions-League-Teilnehmer 2026 gebracht hat. Vorwiegend mit jungen, entwicklungsfähigen Spielern. Zudem hat er im Zusammenwirken mit Wehrle im April 2023 Hoeneß verpflichtet. Seither läuft es und das Team hat sich auf nationalem Parkett wieder als Marke etabliert, die international Anerkennung findet.
Die Dynamik des Erfolgs ist zudem am Gesamtkaderwert nachzuvollziehen. Auf 412 Millionen Euro summiert sich die Zahl mittlerweile, obwohl kräftige Transferüberschüsse erzielt und Schlüsselspieler abgegeben wurden. Als Wohlgemuth loslegte waren es 123 Millionen Euro. Das allein zeigt, dass der Sportvorstand mit dem Trainer zusammen wertvolle Arbeit geleistet hat. Weshalb Wohlgemuth in der Bundesligabranche als Topmanager gilt.

