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Die DFB-Elf verpasst Sieg um Sekunden

Zum Debüt von Bundestrainer Jürgen Klopp gibt es ein 1:1 in den Niederlanden. Dabei ist viel Leidenschaft zu sehen, aber es fehlt nach der Führung durch Felix Nmecha noch die große Linie.

Amsterdam - Jürgen Klopp hat schon vor dem Anpfiff Herz gezeigt. Für die Fans. Der neue Bundestrainer wandte sich erst einmal an den deutschen Anhang in der Amsterdamer Arena und klopfte sich mehrmals an die Brust. Die Zuschauer sollten sehen, das ist wieder einer, der für die Aufgabe brennt; einer, der dem Nationalteam wieder Leidenschaft vermittelt; einer, der den Umschwung auslösen will. Mit dem 1:1 in den Niederlanden gelang das zum Auftakt der Nations League teilweise. Die Führung durch Felix Nmecha hielt bis kurz vor dem Abpfiff, dann traf noch der Niederländer Cody Gakpo.

87 Tage nach dem schmachvollen WM-Aus in Boston war das ein ordentlicher Start in eine womöglich neue Zeitrechnung – mit dem 13. Bundestrainer. „Wir müssen anfangen, die Mannschaft zu werden, die wir in Zukunft sein wollen“, hatte Klopp vor Spielbeginn gesagt. Und es präsentierte sich ein Team, das spielerisch noch nicht überzeugte, aber kämpferisch gab es alles an diesem Abend. Und das ist es, was Fans, Funktionäre und Fachleute wieder sehen wollen.

Klopp setzte dabei erst einmal auf wenige Veränderungen. Sieben WM-Teilnehmer standen noch in der Startelf. Was auch der kurzen Vorbereitungszeit geschuldet war. „Die Jungs sollen sich nach eineinhalb gemeinsamen Trainingseinheiten auf dem Platz kennen“, sagte der Bundestrainer, der zunächst einen Debütanten aufbot: Philipp Treu vom SC Freiburg. Er besetzte die Position des Rechtsverteidigers. Ansonsten bestand die Viererkette aus alten Bekannten: Jonathan Tah, Nico Schlotterbeck und Nathaniel Brown. Wie angekündigt, rückte der Kapitän Joshua Kimmich in die Mittelfeldzentrale, und vorne stürmten neben Kai Havertz noch Kevin Schade und Karim Adeyemi über die Flügel.

Verzichten musste die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) kurzfristig auf Jamal Musiala. Der Techniker verspürte beim Aufwärmen ein Ziehen im Oberschenkel. Für ihn lief Nadiem Amiri auf. Der nächste Rückschlag folgte, als Havertz angeschlagen das Feld verließ. Für den Angreifer kam der Frankfurter Neuling Younes Ebnoutalib (30.). Da waren die guten Anfangsminuten längst verpufft, und die Nationalmannschaft hatte Fortuna auf ihrer Seite. Denn ein Kopfballtor des niederländischen Kapitäns Virgil van Dijk (13.) wurde nach Intervention des Videoschiedsrichters aberkannt. Marc-André ter Stegen, der Rückkehrer ins DFB-Tor, war zu heftig geblockt worden.

Danach hatte Klopps elf deutliche Probleme, dem Druck der Gastgeber standzuhalten. Zu schnell ging der Ball verloren, und zu unsicher agierte die Abwehr. Das wirkte wild, und der ersehnte Klopp-Stil war nicht auszumachen. Bis sich Ebnoutalib mit einem Linksschuss gut einführte und kurz darauf Felix Nmecha die glückliche Führung erzielte (32.). Zum Unmut der Niederländer, weil Brian Brobbey verletzt auf dem Rasen lag und Kimmich den Ball nicht ins Aus spielte.

Dafür ging es mit deutschem Tempo weiter: Brown bediente Adeyemi, der aus kurzer Entfernung über das Gehäuse schoss (39.). Plötzlich waren die Gäste also wieder da, und nur ter Stegens Schlampigkeit bei Zuspielen brachte das Oranje-Team bis zur Pause noch in Schussposition. Eine ungewohnte Schwäche, weil der 34-Jährige als sicher mit dem Fuß gilt. Da der Schlussmann (mittlerweile vom FC Barcelona an Ajax Amsterdam ausgeliehen) aber gegen Gakpo parierte (42.), trieb Klopp seine Mannschaft weiter an. Gewohnt emotional und auch mit Wutausbrüchen am Spielfeldrand.

Nach dem Seitenwechsel blieb die Begegnung zwischen den beiden Erzrivalen eine enge Kiste. Intensiv ging es zu und zeitweise auch hart. Das zeigte sich in einer Reihe von Zweikämpfen. Ter Stegen bewies dann in seiner neuen Wahlheimat, warum er zurzeit die Nummer eins zwischen den deutschen Pfosten ist. Erst gegen Denzel Dumfries (59.), danach zweimal gegen Mexx Meerdink (62./73.) – und auch gegen Ruben van Bommel (89.).

Auf der Gegenseite brachte der eingewechselte Chris Führich frischen Schwung. Der Tempodribbler versuchte es wie beim VfB Stuttgart über den linken Flügel. Für einen Treffer reichte es nicht mehr, aber für gemeinsames Verteidigen schon. Die DFB-Spieler warfen sich in jeden Zweikampf, um den Vorsprung zu halten. Es gelang nur vor dem nächsten Länderspiel am Sonntag (20.45 Uhr/ARD) in Augsburg gegen Griechenland nicht. In der Nachspielzeit erzielt Gakpo den Ausgleich.

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