Stuttgart - Wie gut Ermedin Demirovic ist, zeigt ein Blick auf die Leistungsdaten der vergangenen drei Spielzeiten. In der Vorsaison erzielte der Angreifer für den VfB Stuttgart in 38 Pflichteinsätzen insgesamt 15 Tore. Im Jahr davor waren es 17 Treffer in 49 Spielen und als er noch für den FC Augsburg stürmte, kam er auf 15 Tore in 34 Partien. Dreimal zweistellig getroffen – das sind starke Argumente in der Demirovic-Debatte, die zuletzt entbrannt ist. Die Kernfrage dabei lautet: Gibt der Fußball-Bundesligist den 28-Jährigen zum Ende der Transferzeit noch ab?
Die Antwort darauf ist noch nicht klar, aber einiges spricht vor dem Ligaauftakt am Freitag (20.30 Uhr) für einen Verbleib. Dennoch buhlt Galatasaray Istanbul offenbar weiter um Demirovic. Ein Angebot von 15 Millionen Euro hat der türkische Meister bereits hinterlegt. Zu wenig für den VfB, weshalb die Verantwortlichen vom Bosporus nachbessern wollen, um den Bosnier zu verpflichten. Wie es heißt, warten sie dazu ab, ob sich der Stadtrivale Fenerbahce für die Champions League qualifiziert. Sollte das dem Team von Trainer Ismail Kartal nicht gelingen, würde man bei Galatasaray wohl nicht nur Genugtuung verspüren, sondern vor allem höhere Garantieeinnahmen aus der Königsklasse erhalten.
Mehr Geld hilft bei Transfers bekanntlich oft. Im Fall Demirovic ist die Lage jedoch verzwickt, da der VfB-Coach Sebastian Hoeneß mehrfach betont hat, dass er den Mittelstürmer nicht abgeben will. Er sei einer der wichtigsten Spieler in der Mannschaft. Aufgrund seiner Treffsicherheit, aber ebenso aufgrund seines Charakters. Der WM-Teilnehmer ist einer, der auf dem Platz mit seinem Einsatzwillen vorangeht und außerhalb des Platzes die Mitspieler führt. Ein starker Typ, der den gegnerischen Verteidigern wehtun kann und dem eigenen Team guttut.
Hoeneß weiß jedoch auch, dass es die „wirtschaftliche Seite des Clubs“ gibt. Bisher haben die Stuttgarter auf dem Transfermarkt vor allem Geld ausgegeben: für Dzenan Pejcinovic, Leo Sauer und Grischa Prömel. Überschaubare Einnahmen wurden zuletzt über den Verkauf von Jovan Milosevic generiert. Deshalb ist ein größeres Geschäft beim VfB bis zum 1. September noch nicht vom Tisch. Allerdings muss der VfB keinen Spieler aus finanziellen Gründen veräußern. Hohe Transfererlöse kämen jedoch durchaus gelegen – im Sommer oder Winter.
Der Trainer ist dennoch alarmiert, da er im vergangenen Jahr die Erfahrung mit Nick Woltemade gemacht hat, als der Nationalstürmer kurz vor dem Ende der Transferperiode nach Newcastle verkauft wurde. Nun befürchtet Hoeneß, dass ihm in einer Saison mit Champions League erneut ein Schlüsselspieler eher früher als später aus dem Kader gerissen wird. Dafür müsste Galatasaray seine Offerte für Demirovic aber auf 20 Millionen Euro erhöhen, was sich für die Stuttgarter aus einer einfachen Rechnung ergibt. Denn neben Hoeneß schätzt auch der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth den 28-Jährigen und der VfB bezahlte für ihn vor zwei Jahren 20 Millionen Euro an Ablöse an die Augsburger, später kamen noch Boni hinzu.
Diese Summe soll wieder herausspringen. Mindestens, da Demirovic mit Blick auf die drei Wettbewerbe in der anstehenden Saison ein wichtiger Spieler bleibt. Zwar bestünde zunächst kein akuter Handlungsbedarf im Kader, da der VfB in Deniz Undav, Dzenan Pejcinovic und Tiago Tomas immer noch über drei Akteure verfügen würde, die in der Sturmspitze auflaufen können. In ihrem Schatten steht zudem Jeremy Arevalo, der jedoch verliehen werden soll.
Der Verlust von Demirovic wäre aber eine Schwächung. Auch wenn er im Pokalspiel in Rostock erst spät für Pejcinovic eingewechselt wurde. Dem Angreifer kann das nach dem 4:0 nicht gepasst haben. Zumal, wenn er die Ersatzrolle als Fingerzeig für die Zukunft versteht. Da könnte Demirovic die Offerte von Galatasaray mit einer doppelt so hohen Verdienstmöglichkeit schmeicheln. Die Rede ist von vier Millionen Euro pro Jahr netto.

